LÄRMENDE PRÜDERIE

Unter Prüderie versteht man die Intoleranz und eine dogmatische Einstellung gegenüber vielen Formen der sexuellen Zurschaustellung in der Öffentlichkeit. Und tatsächlich bekomme ich immer mehr den Eindruck, genau diese ist so gegenwärtig wie schon sehr, sehr lange nicht mehr.

Der Playboy zieht seinen Models, aus Trotz gegen die Massen an Nacktfotos im Internet, immer mehr an. Instagram, Facebook, Pinterest und zahlreiche weitere Netzwerke verbieten sichtbare Intimbereiche und sogar Nippel bei Frauen (hä?!). Ein aktuell laufender Werbespot für Fitnessprodukte zeigt abwechselnd ein männliches Model oben ohne und ein weibliches Model mit ganz normaler Sportbekleidung (?). Und die letzte echte Sexszene im Tatort ist irgendwie auch schon sehr lange her.

Wir haben zurzeit sehr paradoxe Verhältnisse. Man kann heute alles tun und alles bekommen, andererseits hat der Genuss daran einen sehr negativen Beigeschmack. Diese neue Prüderie könnte die Folge des Verbotes sein, sich gegenseitig als Sexualobjekt betrachten zu dürfen. Dies wiederum scheint die Folge der als Norm gesetzten sexuellen Toleranz und Aktzeptanz. Was nichts anderes bedeutet als dass Frauen und Männer noch nie gleichberechtigt waren und es auch heute sexuell gesehen nicht sind. Alles ist erlaubt, nur scharf darf man nicht auf jemand anderen sein, denn das erniedrigt ihn ja zum Sexualobjekt.

Quelle: giphy.com

Zudem finden laut dem Hamburger Institut für Sexualforschung heutzutage etwa 95 Prozent der Sexualakte in festen Beziehungen statt. Was zeigt dass sowas wie „freie Liebe“, für die in den 60er Jahren von unseren nackt durch Woodstock tanzenden Vorfahren noch gekämpft wurde, nicht mehr wirklich existiert. Viel zu sehr sehnen sich die Menschen nach Kontrolle und „Political Correctness“. Das Image gegenüber der Gesellschaft ist wichtiger geworden, als das eigene Vergnügen.

Ich für meinen Teil sehe die Kunst darin, aus all dem Feminismus und Sexismus das gesunde Gleichgewicht zu gewinnen. Mir haben Extreme noch nie gefallen und das ist auch hier nicht so mein Ding. Warum müssen Frauen vor ihrer eigenen sexuellen Wirkung geschützt werden? Warum kann nicht jede Frau selbst entscheiden wie sie sich zeigen möchte? Warum muss die Gesellschaft vorbestimmen dass es negativ ist seinen Körper zu zeigen? Warum muss ein Mann sich schlecht fühlen wenn er dabei mal nur an Sex denkt und nicht an etwas tiefsinnigeres? Warum denkt niemand daran dass Frauen eine eigene ausgeprägte Sexualität besitzen, die in den meisten Fällen deutlich spannender ist, als derer der meisten Männer? Und warum dürfen sie diese nicht öffentlich ausleben? Meiner Meinung nach wird man genau so zu einem Sexualobjekt gemacht. Die Frau, als armes Lustobjekt welches beschützt werden muss. Der Mann, als tollwütiger Jäger, der gebändigt und besänftigt werden muss. Dabei wollen die meisten Menschen doch einfach nur ihre Sexualität genießen…

Danke fürs zuhören,
Stefan