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Wie viele Startups und Selbstständige sind erfolgreich?

Die Idee der Selbstständigkeit ist populär. Aber hält es was es verspricht? Wir klären wie groß die Erfolgschancen sind und der Konkurrenzdruck.

Die Ergebnisse der Studie zur Frage: Wie viele Unternehmen scheitern? Nach 1 Jahr: 21,4 Prozent, nach 2 Jahren: ca. 30 Prozent, nach 5 Jahren: ca. 50 Prozent, nach 10 Jahren: ca. 66 Prozent

Sie haben vor einigen Wochen ein Problem entdeckt, dass viele Menschen in einer Nische betrifft und zugleich relativ einfach zu lösen scheint. Nur gibt es noch keine Lösung auf dem Markt.

Oder haben Sie seit Ihrer Jugend ein Hobby und besonderes Interesse, dass Sie zum Beruf machen wollen. Vielleicht Sie haben einen Kindheitstraum und wollen einmal im Leben eine eigene Imbissbude eröffnen oder ein Modelabel gründen.

Glückwunsch! Sie haben eine Gründermentalität. Doch spätestens nachdem Sie mit der Familie oder engen Freunden über die Gründung eines Geschäfts gesprochen haben, sind Sie verunsichert.

Unterstützung gab es von einigen. Doch nicht von allen. Es gab viele Fragen, die Sie noch nicht beantworten konnten.

Wie finden sich Klienten? Was ist die Zielgruppe und ist sie lukrativ? Was kann ein/e Neueinsteiger/in ohne Erfahrung schon bieten? Und vor allem: Wieso nicht einfach Angestellte/r werden? Da verdient man mehr und ist sicherer. Selbstständige sind alles arme Schlucker.

Und: Jeder möchte plötzlich selbstständig werden! Wie schlägt man da die Konkurrenz?

Die Komplimente und Aufmunterungen haben Enthusiasmus geweckt, doch waren schnell vergessen. Nur diese Fragen und Zweifel sind im Kopf geblieben. Sie lassen Sie nicht mehr los.

Bevor Sie das sichere Schiff verlassen, sollten Sie prüfen, wie hoch die Reling ist und tief Sie fallen. So verlockend Selbstständigkeit nach außen wirkt und dargestellt wird, die Risiken und Wahrscheinlichkeiten sollten einem bewusst sein. Der Rasen scheint auf der anderen Seite meist grüner.

Frage 1: Wie viele Unternehmen scheitern?

Mir kommt es so vor als wenn eine Ausfallquote von 90 Prozent aller Startups in vielen Foren und Blog-Artikeln zu finden ist. Deswegen habe ich, als ich zum ersten mal über die Gründung meiner Videoproduktion nachgedacht habe, häufig die Zahl 90 Prozent im Kopf gehabt. Wirklich nachgelesen habe ich nie.

Und tatsächlich, so verkehrt ist diese Zahl gar nicht. Doch ist sie genauso richtig, wie irreführend. Denn differenziert betrachtet sehen die Chancen signifikant besser aus, sind aber dennoch nicht rosig.

Wieso ist 90 Prozent irreführend? Hier die Statistiken:

Die Small Business Administration (SBA) in den USA hat 2019 einen Bericht veröffentlicht mit dem Titel “Frequently Asked Questions About Small Businesses”, in dem sie eine ganze Reihe an Statistiken zu kleinen Geschäften ermittelt haben.

Ist die Studie repräsentativ für alle Unternehmen, wenn sie nur für kleine Geschäfte und Startups durchgeführt wurde? Ja, ein kleines Unternehmen ist nach den Richtlinien der SBA ein Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern.

Die Ergebnisse der Studie zur Frage: Wie viele Unternehmen scheitern? Nach 1 Jahr: 21,4 Prozent, nach 2 Jahren: ca. 30 Prozent, nach 5 Jahren: ca. 50 Prozent, nach 10 Jahren: ca. 66 Prozent

Das sind kleine und mittelständige Unternehmen. In absoluten Zahlen machen Unternehmen dieser Größe 99,9 Prozent aller Unternehmen in den USA aus. Wobei 47,5 Prozent aller Arbeitnehmer in diesen Unternehmensgrößen arbeiten.

Für die Erfolgsrate von Neugründungen sind gerade diese Datengruppen interessant, da junge Unternehmen in der Realität (fast) ausnahmslos unter 500 Mitarbeiter haben.

Die Ergebnisse der Studie zur Frage: Wie viele Unternehmen scheitern?

Wie viele Unternehmen scheitern nach 30 oder 50 Jahren?

Das ist schwer zu sagen. Wobei die Frage ohnehin an Wert verliert, da früher oder später, über deutlich größere Zeiträume jedes Unternehmen geschlossen oder aufgekauft wird.

Dazu ziehen sich die Gründer_innen von ihrem Unternehmen meist nach 10 bis 20 erfolgreichen Jahren zurück oder verlassen es gänzlich, wodurch die Lebensdauer nach diesem Zeitfenster für viele Gründer_innen keine Rolle spielt.

Ob 90 Prozent der Startups früher oder später scheitern, so wie es hier, hier und hier zu lesen ist, mag für das Unternehmen durchaus stimmen. Doch sagt das nichts über die Erfolgsrate der Gründungsphase in den ersten 10 Jahren aus — oder zumindest den Erfolg, der sich für die die Gründer_innen auszahlt beim Exit.

Dies bestätigt die SBA-Studie, welche eine Umfrage zum Exit von Unternehmen erwähnt. Zwei-Drittel aller Firmen-Exits geschehen, weil die Unternehmen geschlossen werden. Das letzte Drittel, also 33 Prozent der Firmen, werden jedoch aufgekauft.

Frage 2: Gibt es mehr Selbstständige?

Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in Foren immer häufiger auf, wenn es um das Thema Selbstständigkeit geht: Gig economy. Wobei besonders die Angst vor Konkurrenzdruck steigt.

Was ist eine Gig-Economy?

Laut Wikipedia bezeichnet eine Gig-Economy “einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden.” Hierbei spielen Online-Plattformen, wie Fiverr, Freelancer oder Upwork, eine zentrale Rolle.

Zentral ist, dass der Ausdruck Gig-Economy häufig benutzt wird, um einen Trend zu beschreiben. Selbstständige Arbeitsverhältnisse ersetzen mehr und mehr das traditionelle Angestelltenverhältnis.

Das findet in der Definition von Investopedia Erwähnung: “Die Gig-Economy untergräbt die traditionelle Wirtschaft der Vollzeitbeschäftigten.” Soll heißen: Selbstständige ersetzen öfter Angestellte. Karriere wird nicht mehr hierarchisch innerhalb einer Organisation, sondern unabhängig von einzelnen Organisationen gemacht.

Ist der Trend zur Selbstständigkeit real?

Anteil von Vollzeit-Selbstständigen an Erwerbstätigen: Deutschland 2012: 11 % und USA 1990: 11,1 % — DE 2019: 9,3 % und USA 2019: 9,7 %.

In Deutschland gab es laut der Süddeutschen Zeitung von 1990 bis 2011 40 Prozent mehr Selbstständige als vorher. Dieser Trend hat sich danach jedoch nicht fortgesetzt. Den Zenit erreichte die Selbständigenquote 2012 mit 11 Prozent aller Wirtschaftszweige, danach fiel sie aber und landete 2019 bei 9,3 Prozent.

Ähnlich spielt es sich in den USA ab. Dort identifizierten sich 1990, laut einer Gallup-Umfrage für QuickBook, 11,1 Prozent als Selbstständige, aber 2019 nur noch 9,7 Prozent.

Warum es trotzdem mehr Selbstständige gibt als je zuvor

Das Problem in den Statistiken ist nur, dass Selbstständigkeit oft in Teilzeit und nebenbei geschieht. Es dient häufig als Unterstützung für die eigentliche Haupttätigkeit und wächst erst später zur Vollzeit-Tätigkeit heran. Diese Tätigkeiten werden häufig nicht berücksichtigt, da der Fokus auf Vollzeit-Selbstständigen liegt, wodurch einige Statistiken je nach Methodik im Widerspruch stehen.

So haben sich nur 56 Prozent derjenigen, die egal in welchem Umfang selbstständig tätig sind, tatsächlich als Selbstständige identifiziert. Zugleich waren etwa 50 Prozent der Selbstständigen ebenfalls als Angestellte tätig.

Verschiedene Studien “bestätigen die Interpretation, dass der Anstieg der Selbstständigkeit hauptsächlich von Personen getragen wird, die nicht ausschließlich von selbständigem Einkommen leben.”

Deswegen wurde weiterhin untersucht, wie viele Menschen eine Lizenz zur selbstständigen Tätigkeit, ähnlich der Gewerbeanmeldung in Deutschland, beantragt haben.

Hier zeigt sich ein anderes Bild, wie die Gallup-Umfrage zusammenfasst:

“In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der Steuererklärungen, die Einkünfte von Einzelunternehmern angaben, kontinuierlich gestiegen, was darauf hindeutet, dass das derzeitige Niveau [an Einzelunternehmern] das höchste der letzten 60 Jahre ist.”

28 Prozent der Arbeitenden in den USA (insgesamt 44 Millionen) gaben an, zu mindestens einem Zeitpunkt in der letzten Woche selbständig gewesen zu sein.

2017 haben mehr Menschen ein Schedule C-Dokument (Steuererklärung in den USA für Einzelunternehmer) eingereicht, als jemals zuvor seit Beginn der Aufzeichnung in 1957. Was einen stetigen aber allmählichen Anstieg der Selbständigkeit widerspiegelt.

Dazu gab es einen Anstieg um 8,5 Millionen Erwachsenen seit 2000 bei dem 1099-Formular für selbstständige Arbeit.

Konkret heißt das, dass 28 Prozent der Arbeitenden in den USA (insgesamt 44 Millionen) angeben, zu mindestens einem Zeitpunkt in der letzten Woche selbständig gewesen zu sein.

Die Entwicklungen in den USA sind ähnlich in Europa. Von 2011 bis 2019 gab es einen kontinuierlichen Anstieg an Selbständigen in den 27 EU-Mitgliedsstaaten. Im Jahr 2019 gab es die meisten Selbstständigen in der EU.

Zusammenfassung

Bevor Sie sich entscheiden ein Geschäft zu gründen, sollten Sie zwei Dinge wissen:

Wie viele Unternehmen scheitern?

Sie haben eine geringe Chance im Markt zu bestehen, aber besser als 10 Prozent ist sie definitiv. Während im ersten Jahr 21,4 Prozent der Unternehmen scheitern, sind es nach 10 Jahren ca. 66 Prozent, also zwei von drei Unternehmen.

Gibt es mehr Selbstständige?

Die Gig-Economy wächst in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an und erhöht die Konkurrenz. Obwohl die Zahl der Vollzeit Selbstständigen in Deutschland und den USA leicht fällt, gibt es signifikant mehr Arbeitende, die in Teilzeit und nebenbei als Selbstständige tätig sind.

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Moritz C. Reischl

Moritz C. Reischl

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