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Wird E-Commerce stationäre Geschäfte ersetzen? [2022]

Wie groß ist der Marktanteil von E-Commerce am Einzelhandel? Überholt E-Commerce den stationären Handel? Wie hat die Pandemie den Einzelhandel und E-Commerce verändert?

Weltweiter E-Commerce Umsatz im Einzelhandel von 2019–2024 (eMarketer): Höchstes Wachstum 2020 von 27,6 Prozent auf 18 Prozent Marktanteil im Einzelhandel
Weltweiter E-Commerce Umsatz im Einzelhandel von 2019–2024 (eMarketer): Höchstes Wachstum 2020 von 27,6 Prozent auf 18 Prozent Marktanteil im Einzelhandel

Das Internet hat die Wirtschaft transformiert. Prominenteste Beispiele: Smartphones und Online-Shopping. Was das Smartphone für die Medienlandschaft bedeutet, ist E-Commerce im Einzelhandel.

Das Smartphones hat unsere Art zu kommunizieren und Informationen aufzunehmen revolutioniert und ersetzt dabei mehr und mehr traditionelle Medien, wie Radio, TV oder Print.

Dasselbe tut E-Commerce im Einzelhandel. Stationäre Händler werden mehr und mehr ersetzt durch E-Commerce und Dropshipping. Online-Händler, wie Amazon, Ebay, Shopify oder Etsy, wachsen mit unvorstellbarem Wachstum.

Die Schlagzeilen überhäufen sich:

Die Welt schreibt über Das langsame Sterben der deutschen Buchläden. Jedes Jahr schließen mehr als 100 Buchhandlungen in Deutschland durch starke Konkurrenz von Amazon. Der Artikel ist vom 22.03.2016, noch vor der Pandemie.

Da wir gerade davon sprechen: Die Pandemie hat diesen Trend nur noch verschnellert.

Der Guardian schreibt am 10. Juni 2020: Zara-Eigentümer will weltweit bis zu 1.200 Modegeschäfte schließen. Die Gesamtzahl der Filialen wird nach der Umstrukturierung von 7.412 auf 6.700 bis 6.900 sinken (die 450 neue Filialen wurden einbezogen). Ziel ist ein stärkerer Fokus auf den Online-Shop.

CNN berichtet am 26. Juni 2020: Microsoft schließt alle seine Filialen. Der Milliarden-Konzern hat besonders in prominenten Gegenden wie der Fifth Avenue in Manhattan insgesamt 83 Filialen betrieben, in denen neueste Laptops, Computer und Konsolen verkauft wurden.

Analysten von Wedbush, einer prominenten Investmentfirma, erklärten: “Die physischen Läden brachten […] nur geringe Umsätze im Einzelhandel, und schließlich verlagerte sich in den letzten Jahren alles mehr und mehr auf die digitalen Kanäle.”

Die Schließungen sind also nicht ein Produkt der Pandemie. Die Pandemie hat einzig einen bestehenden Trend, lange vor 2020, beschleunigt. Wir sind dort, wo wir ohne Pandemie erst in Jahren gewesen wären. Die Transformation zu Hybrid-Modellen und reinem Online-Handel ist jedoch in vollem Gange.

Ein Begriff der diesen Trend beschreibt ist der sogenannte Amazon-Effekt. Definiert von Investopia wie folgt:

“Der Amazon-Effekt bezieht sich auf die Auswirkungen des Online-, E-Commerce- oder digitalen Marktplatzes auf das traditionelle Geschäftsmodell im stationären Handel […]. Da Online-Shopping und E-Commerce immer beliebter werden, sind viele traditionelle Unternehmen gezwungen, mit dem Online-Marktplatz zu konkurrieren und leiden durch die zunehmende Herausforderung ähnlich komfortabel und schnell, wie das Internet, zu sein.”

Hier 2 Entwicklungen, die zeigen, wie der digitale Online-Handel den stationären, physischen Handel immer mehr Konkurrenz macht.

Es wird mehr Geld im Online-Handel ausgegeben

Kauften im Jahr 2016 noch 1,66 Milliarden Menschen Online ein, waren es 2021 bereits 2,14 Milliarden, sagt Statista.

Mit mehr Kunden steigt der Umsatz, der im E-Commerce erwirtschaftet wird. Damit auch der Marktanteil von E-Commerce im Vergleich zu stationärem, physischem Einzelhandel.

Wir gucken uns den Umsatz im E-Commerce weltweit über die Jahre 2019 bis 2024 an:

Weltweiter E-Commerce Umsatz im Einzelhandel von 2019–2024 (eMarketer): Höchstes Wachstum 2020 von 27,6 Prozent auf 18 Prozent Marktanteil im Einzelhandel

2019

Vor zwei Jahren, im Jahr 2019, wurden nur 13,6 % des Umsatzes durch Onlinekäufe erzielt. In absoluten Zahlen wurde insgesamt ein Umsatz von 3,4 Billionen im E-Commerce generiert, während der stationäre Einzelhandel insgesamt 20,7 Billionen Dollar erwirtschaftete. Das Wachstum des Online-Handels lag 2019 vor der Pandemie bei 20,2 Prozent.

2020

Im Jahr 2020 gab es zwei gegensätzliche Trends. Durch Beginn der Corona-Pandemie haben vor allem physische Geschäfte und der stationäre Handel gelitten, wodurch der weltweite Umsatz im EInzelhandel rückläufig war. Insgesamt ist er um 3% auf 23,389 Billionen US-Dollar gefallen.

Trotz der Herausforderungen wuchs der weltweite E-Commerce-Umsatz im Einzelhandel im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 27,6 % auf insgesamt 4,280 Billionen US-Dollar. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber einer Prognose von eMarketer Mitte 2020 mit einem Wachstum von 16,5 %. Der Kontrast wird besonders groß verglichen mit Studien von Beginn 2020 vor der Pandemie: Eine jüngere Studie von eMarketer vermutete ein E-Commerce Wachstum von 14,5 Prozent im Jahr 2020.

“Wir gehen davon aus, dass die Verbraucher viele ihrer neu gewonnenen digitalen Verhaltensweisen auch 2021 beibehalten werden”, so Ethan Cramer-Flood, eMarketer-Prognoseautor bei Insider Intelligence und Autor des Berichts “Global Ecommerce Update 2021” vom Januar 2021.

“Da jedoch so viel Wachstum in das Jahr 2020 verlagert wurde — und mit offeneren stationärem Handel — wird sich die Wachstumsrate im Jahr 2021 trotz der anhaltenden Begeisterung für den elektronischen Handel etwas verlangsamen”, sagte er.

2021

Die Pandemie hat den Einzelhandel langfristig transformiert. Das zeigt sich im Jahr 2021 zu Gänze. Schätzungsweise 19,5 % des gesamten Einzelhandels fand Online statt, was einem Anstieg des E-Commerce-Marktanteils um 45,8 % innerhalb von zwei Jahren entspricht.

Doch wie vorhergesehen: Die Geschwindigkeit verlangsamt sich signifikant. Prognosen zu Beginn des Jahres vermuten, dass das weltweite Wachstum im Jahr 2021 bei 14,3 % liegen würde, was im Vergleich zu den 27,6 % im Jahr 2020 und 20,2 % im Jahr 2019 eine relativ niedrige Zahl ist, aber immer noch 611 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Umsätzen im E-Commerce bedeutet.

2022 und darüber hinaus

Das Wachstum vom Online-Handel nimmt nach dem Pandemie-Jahr 2020 ab. E-Commerce wird in Zukunft weiter wachsen, aber immer langsamer. Bei einem weiteren Wachstum wie 2021 von 14 Prozent würde es bis 2030 dauern, bis E-Commerce 50% des Marktanteiles ausmacht.

Tatsächlich ist selbst das zu optimistisch. Mit der Rückkehr zur Normalität in den Jahren 2022 und 2023 wird sich auch das Kaufverhalten normalisieren.

Manche Studien sind optimistisch und sagen, dass im Einzelhandel bis 2025 24,5 Prozent des Umsatzes Online erwirtschaftet wird.

Die aktuellere Studie von eMarketer prognostiziert, dass E-Commerce 2024 21,8 Prozent des Marktanteiles einnimmt bei einem jährlichen Wachstum von 8,1 Prozent. Damit hat sich der Marktanteil des Online-Handels in 5 Jahren fast verdoppelt, seit 2019.

Folge: Es stehen immer mehr Filialen, Geschäfte und Verkaufsflächen leer

Wie schon zu Beginn erwähnt: Schließungen im Einzelhandel häufen sich. Die Schlagzeilen sind für viele schon bekannt. Doch wie groß ist das Problem wirklich?

Als Datengrundlage dient eine Studie aus dem Vereinigten Königreich mit dem Titel: “GB Retail and Leisure Market Analysis H1 2021”.

Erschreckenderweise sind in sieben der letzten acht Jahre mehr Läden geschlossen worden als neu eröffnet. Die Zahl der 680.000 betrachteten Geschäften im Einzelhandel ist von 2014 bis 2021 im Schnitt um 3.200 Läden jedes Jahr gesunken. Insgesamt sind 25.300 weniger Geschäfte in acht Jahren übrig.

Netto Wachstum von Filialen im Einzelhandel (UK), 2014 bis 2021: In 7 von 8 Jahren wurden mehr Filialen geschlossen. 2020 gab es 7.834 Filialen weniger.

Besonders einschneidend war das Jahr 2020. Während es 23.000 Neueröffnungen gab, wurden 31.000 Geschäfte geschlossen.

Öffungen und Schließungen von FIlialen im Einzelhandel, 2014 bis 2021 (UK): Höchstwert von Öffnungen ist 23.305, Schließungen: 31.139.

Dabei ist die Pandemie erneut nur ein Katalysator. Der Trend zu mehr Schließungen hat vorher begonnen und wird sich auch in den Jahren nach 2020 nicht drastisch verbessern.

Seit 2017 stehen immer mehr Geschäftsflächen leer. Waren damals nur 12,2 Prozent der Verkaufsflächen leerstehend, sind es Ende 2022 voraussichtlich 16,9 Prozent, was der höchste Stand seit mindestens 7 Jahren ist.

Rate an leerstehenden Verkaufsflächen, 2015 bis 2022 (UK): Seit Jahren immer mehr leerstehende Flächen, von 11 Prozent (2017) auf 15,4 Prozent (2022)

Der prognostizierte Anstieg an Leerstehenden Geschäftsflächen dürfte sich jedoch verlangsamen, was in H2 2021 mit 0,3 % gegenüber 0,6 % in H2 2020 zu sehen ist.

Ob sich die Lage in den 20er Jahren wieder verbessert nach Rückkehr der Normalität, ist ungewiss. Dadurch dass bereits 2017 ein Rückgang zu verweisen ist, als Folge der zunehmenden Digitalisierung, wird sich mit normalem Konsumverhalten nicht allzu viel ändern. Physische und stationäre Geschäfte werden langfristig seltener.

Doch gibt es einen kleinen Funken Hoffnung: Kleine, unabhängige Geschäfte sind widerstandsfähiger als man denken mag.

Überraschenderweise wuchsen unabhängigen, stationäre Geschäfte um 804 Einheiten in 2021, der erste Anstieg seit 2017.

Das Wachstum wurde angetrieben durch die Lebensmittelmärkte, aber auch, Metzger und Bäcker, sowie dem Freizeitsektor (Cafés und Fast Food). Unabhängige Geschäfte haben von den staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und geringeren Unternehmenssteuern profitiert, welche ermöglichten ihre Geschäfte aufrechtzuerhalten.

Ursprünglich erschienen im Atropoli Blog.

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Themen: Gründung, BWL, Marketing & Management im E-Commerce. Wir führen E-Commerce-Shops auf Etsy, Shopify & Amazon mit empirischen Ansatz zum Erfolg. Weil 66% der Startups scheitern — Atropoli Film ist eine berliner Videoproduktion.

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Moritz C. Reischl

Moritz C. Reischl

Gründer von Atropoli Film — Ich erhöhe die Erfolgschancen von Shops auf Etsy, Shopify & Amazon durch E-Commerce Artikel mit 1000+ Wörtern: https://linktr.ee/at

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