Erfahrungsbericht: Meditieren

Nach zwei Jahren täglich 15 Minuten Meditation

Thanks: Kosal

Artikel als One-Minute-Read

Die 15 Minuten täglich sind ein kurzer Entspannungsurlaub für den Kopf. Kein Allheilmittel, aber hilfreich. 
Unmittelbar nach dem Meditieren ist man entspannter. Auf lange Frist hilft meditieren, ausgeglichener, weniger gestresst und bewusster zu leben. 
Das ungewollte Abschweifen der Gedanken verringert sich. Zusätzlich bemerkt man es schneller. Das hilft bei den meisten Formen mentaler Arbeit.

Vor allem für diejenigen, die Probleme haben, einfach mal nichts zu tun, sind die 15 Minuten ein unangenehmes, aber wertvolles Investment in sich selbst.

Ein wenig wuwu, aber es hilft. Daher: Was soll’s? Machen.

Meine derzeitige Meditationspraktik steht am Ende des Artikels.


Hintergrund

Wegen Rückenschmerzen zum Physiotherapeuten. 
Diagnose: Bandscheibenvorfall. Ein schlechter Mix aus verkürzter Muskulatur und Stress. 
Nur ein leichter und noch kann das die Rückenmuskulatur scheinbar kompensieren. Treib’s halt nicht zu wild. Alles ein bisschen weniger beanspruchen.

Erstens: Ich bin zwanzig Jahre alt: Ich habe keinen Bandscheibenvorfall zu haben. 
Zweitens: Ich bin Student. Ich habe keinen Stress zu haben. 
Drittens: Weniger beanspruchen?! 
Viertens: Ich bin zwanzig Jahre alt: Ich habe keinen Bandscheibenvorfall.
” , dachte ich und sagte: “Aha. Ok.

Ich hatte also keinen Bandscheibenvorfall, stattdessen wurde vermehrtes Dehnen getestet. Das wurde zu Yoga. Das führt zur Meditation.

Erwartungshaltung

  1. Rückenschmerzen weg.
  2. Stresslevel/ Cortisolspiegel senken.

Eine sehr einprägsame körperliche Erscheinung bleibt in Erinnerung: 
Das Brennen im Bauch auf dem Weg zum Schreibtisch. Ein Achtung-Schild, das vermehrt dann erschien, wenn es mal nichts zu tun gab. 
Wenn Entspannung möglich war, gipfelte das Stresslevel.

3. Konzentrationsvermögen verbessern und Selbstfindung.

Nach ersten Recherchen wurden besseres Konzentrationsvermögen und Selbstfindung als weitere Nebenwirkungen prophezeit. Her damit.

Die Anfänge

Nach der morgendlichen Dusche: 15 Minuten Meditation. Rückblickend ist es amüsant zu sehen, dass die Zeit doch noch irgendwie greifbarer genutzt sein sollte. Daher hatte ich die Aufgabe, für jede der Seven Habits of Highly Effective People, eine Anwendungsmöglichkeit in meiner unmittelbaren Zukunft oder Vergangenheit zu suchen. Nach gefühlten zehn Minuten, wäre es dann OK, fünf Minuten tatsächlich nur zu atmen. Schon bald ging ich dazu über 15 Minuten täglich zu atmen.


⌛⌛⌛ Es folgen zwei Jahre tägliche Meditation. ⌛⌛⌛

Erfahrungsbericht

Vor allem am Anfang war die Implementierung ein Übel. Hat sich wie Zeitverschwendung angefühlt und ich konnte es kaum erwarten, dass der Timer klingelt. Heute weiß ich, dass es mir gut tut.

Rückenschmerzen

Sind weg.

Extended Version: 
Meditation und Dehnen wirken komplementär. Der Wegfall ist wohl nicht ausschließlich auf Meditation zurückzuführen. 
Langes Sitzen bleibt unangenehm und bei Kreuzheben über dem derzeitigen — sauber durchführbaren — Maximum wird es besonders schmerzhaft. 
Wenn die Hand auf der aktiven Herdplatte liegt, wird es aber auch schmerzhaft.

Stress

Ich befinde mich nicht in einem immerwährenden Zustand der Glückseligkeit. Das braucht wohl noch ein paar Jährchen. Aber: Das alarmierende Brennen ist weg. Das war mir ein großes Anliegen. Hatte sich ziemlich ungesund angefühlt.

Ausgeglichenheit

Man neigt weniger zu unbedachten Erwiderungen und wird sich der Unbedachtheit dieser stärker bewusst.

“Marco, ich bräuchte mal deine Hilfe. Könntest du gan — “ “NEIN!

wird zu

“Marco, ich bräuchte mal deine Hilfe. Könntest du gan — “ “NEIN. … … … … weil ich gerade ohnehin unzufrieden mit mir bin. … … Sorry.”

Wahrnehmung des inneren Dialog

Meditation verstärkt die Wahrnehmung des inneren Dialogs und vereinfacht, “Jetzt chill doch mal, Alter…”, zu sagen. Das bedeutet noch nicht, dass Alter jetzt wirklich chillt, aber man hat eine Diskussionsbasis mit zunehmender Offenheit für andere Perspektiven geschaffen. Das ermöglicht, sich selbst zu belächeln. (Wichtig.)

Verspannungen lösen

Über sechs Monate war das tiefe Einatmen während der Meditation von Knacksgeräuschen im oberen Bereich der Wirbelsäule begleitet. Dass sich das mittlerweile gelegt hat, ist für mich ein gutes Zeichen. Wieder: Treiber sind wohl Meditation und Dehnen.

Von Tiefpunkten separieren

Es ist wohl ziemlich menschlich, von Zeit zu Zeit Downs oder Selbstzweifel zu haben. Aber: Indem Empfindungen als Empfindungen wahrgenommen werden, die zwar nicht sonderlich erfreulich sind, aber dennoch nur ein Hier!-Ruf der eigenen Person darstellen, nimmt man Tiefpunkte leichter hin.

Emotionen signalisieren uns, dass wir bekommen — oder nicht bekommen — , was wir benötigen oder glauben, zu benötigen.
— Edward Deci

Es wird tendenziell eher möglich, das Bewusstsein einer zugrunde liegenden Botschaft zu nutzen, um emotionale Tiefpunkte zu ertragen. Trotzdem hüpft man während der Tiefpunkte nicht freudig im Kreis. Aber — wer weiß — vielleicht kommt das noch.

Konzentrationsfähigkeit

Das Zurückholen der Gedanken ist Trainingssache. Diese Erkenntnis hilft, wenn die Gedanken mal wieder abschweifen und man geneigt ist, zu sagen: Ich kann mich heute einfach nicht konzentrieren. … Doch.

Besseren Zugriff auf das Chaos im Kopf

Ansprechender wäre die Überschrift: Ordnung. Davon kann aber keine Rede sein. Dennoch: besseren Zugriff auf das Chaos.

Köpfe, die sich zur Gewohnheit gemacht haben, möglichst häufig mit dem Stock im Informationsameisenhaufen zu wühlen, um dort mit nacktem Hintern sitzend zu sich selbst zu finden — diesen Köpfen kann Meditation die Möglichkeit geben, zu sortieren.

Selbstfindung

Hab mich gefunden: sitze am Balkon.


Ergo: Auf lange Frist hilft meditieren, ausgeglichener, weniger gestresst und gesünder zu leben. Das Abschweifen der Gedanken verringert sich. Zusätzlich bemerkt man es schneller, das hilft bei den meisten Formen mentaler Arbeit.

Und jetzt?

Machen und regelmäßig machen. 
Dazu Meditationspraktik mit einer anderen Gewohnheit verbinden.

Bspw.: nach dem Zähneputzen, vor der Lieblingsserie, nach dem Fitnessstudio, vor dem Anschalten des Handys, …


Derzeitige Meditationspraktik

Sie ändert sich von Zeit zu Zeit, was bleibt sind 15 Minuten Meditation.

  1. Man lege ein wenig Zen-Meditationsmusik auf.
  2. Stelle den Iphone-Timer.
  3. Setze sich mit geradem Rücken hin.
  4. Schließe die Augen und atme tief ein und wieder aus. 
    Konzentration auf den Atem: Wie fühlt sich das Ein- und Ausströmen der Luft an? Weiter tief ein- und ausatmen. Sobald man registriert, dass die Gedanken abschweifen: Wieder auf den Atem konzentrieren. Bis der Timer klingelt.

So simpel? Ja. Trotzdem gibt es Bücher dazu.

Buchempfehlungen:

Schlüssel zum Zen von Thich Nhat Hanh

Meditation für Skeptiker von Ulrich Ott

Floreant Dendritae
Marco
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