Mitten im Leben

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Auf der Straße des Lebens befinde ich mich, glaubt man den aktuellen Statistiken, ungefähr auf halbem Weg.

Wäre ich wichtig genug, oder würde ich mich für wichtig genug halten, dann müsste ich wohl langsam einen Ghostwriter mit einer Autobiografie beauftragen. Sicher, manch D-Promi lässt die schon mit Anfang 20 schreiben, aber man muss ja nicht jeden Trend mitmachen…

Nun bin ich sicher keine für die Allgemeinheit relevante Person, also wird es wohl keinen Prachtband über “Leben und Werk des Thomas W.” geben. Ungeachtet dessen habe ich beim Blick in den Rückspiegel festgestellt, dass die Vergangenheit doch recht spannend war.

Aufgewachsen in einem heute nicht mehr existierenden, realsozialistischen deutschen Staat, durfte ich eines der größten historischen Momente der jüngeren Vergangenheit, die friedliche Revolution 1989 miterleben. Auch wenn ich damals noch ein Knirps war, so hat die Wende doch auch mein Leben maßgeblich mitbestimmt. Ich bekam meinen ersten Computer.

Zwei Währungsunionen liegen hinter mir. Manche Länder, deren Hauptstädte ich als Knirps im Geografieunterricht lernen musste, gibt es nicht mehr. Andere sind neu entstanden.

Führten die Reiseziele in der Kindheit systembedingt eher an die Ostsee, den Harz oder mit viel Glück in die osteuropäischen Nachbarländer, lockten nach dem Mauerfall südeuropäische Meeresstrände und die USA.

Waren die 1990er-Jahre geprägt durch eine Neuordnung der Welt nach dem Ende des Kalten Kriegs, begann mit dem Anschlägen am 11.09.2001 erneut eine Zeit mit vielen politischen Veränderungen. Der sich anschließende und bis heute andauernde “Krieg gegen den Terror” hat in irgendeiner Weise sicher so ziemlich jeden lebenden Menschen betroffen. Sei es durch Einschränkungen in der Reisefreiheit, durch die ausufernde staatliche Überwachung oder gar durch Anschläge.

Als Folge der Kriege gab und gibt es noch immer starke Flüchtlingsbewegungen in sichere Länder, die in einen erstarkenden Nationalismus hervorbrachten. Und noch ist nicht abzusehen, wo das enden wird.

Technologien entwickeln sich rasend schnell, heute habe ich mit dem Smartphone einen Computer in der Hosentasche, von dem ich damals, als ich meinen ersten Computer bekam, nicht mal träumen konnte. Mobilfunk, das Internet, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz, es scheint, als rase die digitale Entwicklung immer schneller.

Manchmal denke ich mir, eine Bremse wäre hilfreich. Denn so schnell sich Technologien entwicklen, der Mensch scheint irgendwie in der Steinzeit hängen geblieben zu sein.

Und dann, Jahre nachdem die Simpsons es prophezeit hatten tritt ein, was keiner für möglich gehalten hat: Donald Trump wird zum 45. Präsidenten der USA gewählt.

Trotz der vielen politischen Großereignisse lief mein eigenes Leben in ruhigen Bahnen. Ich machte Abitur, ging studieren. Fand Arbeit und genoß für einige Zeit mein Single-Leben. Ich traf eine zauberhafte junge Frau, verliebte mich, heiratete. Wurde Vater.

Hier stehe ich nun. Mitten im Leben. Schaue zurück und sehe alles was hinter mir liegt. Drehe mich um und schaue in die Zukunft. Bin gespannt was sie für mich bereithält.

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