Nostalgie-Flash

Wikimedia, Evan-Amos

Als Berufspendler lande ich morgens häufig im Bahnhofskiosk und stöbere durch die Auslagen. Letzte Woche blieb mein Blick an der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Retro hängen, die sich mit der Geschichte der Firma Commodore beschäftigt.

Nach kurzem Durchblättern landete eine Ausgabe in meinem Besitz und so wurde die anschließende Zugfahrt zu einem kleinen Nostalgietrip. Denn kaum hatte ich die Zeitschrift aufgeschlagen und etwas darin geblättert, blieb ich auch schon beim Artikel über den Commodore 64 hängen und hatte sofort die Bilder meines eigenen C64 vor Augen. Hach, damals…

Der C64 war mein erster eigener Computer und ich war so dermaßen stolz, als ich ihn seinerzeit, Ende 1990, in meinem Zimmer aufbaute und anschloss. Da ich erst nach 1989, nachdem die Mauer gefallen war, mit dem C64 in Berührung kam, war es bei mir dann schon nicht mehr der originale “Brotkasten”, sondern die optisch etwas modernere Version C64-II. Auch musste ich mich nicht mit einer Datasette herumschlagen, sondern konnten ein Diskettenlaufwerk vom Typ VC1541 mein Eigen nennen. Praktischerweise hatten meine Eltern sich kurz zuvor einen neuen Fernseher gekauft, also stand der alte ungenutzt herum. So brauchte ich am Anfang nicht auch noch einen Monitor zu kaufen, sondern konnte den C64 direkt an den Fernseher anschließen.

Ich kann mich bis heute noch sehr gut an das absolute Hochgefühl, das ungläubige Staunen erinnern, als ich nach dem Aufstellen und Anschließen die Geräte einschaltete und nach kurzer Zeit auf dem Fernseher der Bootscreen erschien.

Da glücklicherweise ein Schulfreund schon etwas früher in den Besitz eines C64 gekommen war, lieh ich mir natürlich gleich mal ein paar Disketten mit Spielen. Ich kann nicht mehr ganz genau sagen, welches Spiel ich wirklich als allererstes geladen habe, aber eines der Spiele, welches ich (und lustigerweise auch mein Vater) zu Beginn gern gespielt haben, war Highnoon.

Wie das bei neuen Dingen immer so ist, zu Beginn wird erstmal viel ausprobiert. Und so war ich die erste Zeit damit beschäftigt, alle möglichen (und unmöglichen) Spiele auszuprobieren. Die Highlights waren für mich damals Last Ninja 2, Maniac Mansion und Zak McKracken and the Alien Mindbenders. Die Spiele hatten für C64-Verhältnisse eine sehr gute Grafik und machten mir wahnsinnig viel Spaß. Besonders die beiden Point-and-Click-Adventures.

Nach und nach habe ich dann auch die ernsthaftere Beschäftigung mit dem Rechner kennen und lieben gelernt. Meinem C64 lag damals GEOS 1.2 ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche bei, für mich Rückblickend so eine Art Windows für den C64.

Nun, da ich angefixt war, wollte ich natürlich auch unbedingt programmieren lernen. Die wichtigsten Programmiersprachen auf dem C64 waren das eingebaute BASIC und Assembler. Meine ersten Schritte in die Welt der Programmierung beschritt ich daher mit dem sehr beschränkten BASIC des C64. Mit Begeisterung habe ich die Zeitschrift 64’er gelesen, die neben Tests zu Hard- und Software auch immer wieder Programmierkurse enthielt.

Ein Nachteil war, das Programme einfach in Form von seitenlangen Listings, die man Abtippen musste, mitgeliefert wurden. Allerdings war das Erfolgserlebnis am Ende auch riesig, wenn das dann fehlerfrei lief. Später gab es dann eine Diskette dazu, dann hatte sich das mit dem Abtippen erledigt.

Irgendwann gönnte ich mir dann noch ein Erweiterungsmodul, das Final Cartridge 3, welches eine Reihe äußerst nützlicher Erweiterungen lieferte, u.a. neue BASIC-Befehle und eine grafische Oberfläche. Später kam bei mir dann noch ein grausam lauter 9-Nadeldrucker und ein echter kleiner Farbmonitor dazu.

So wie heute darüber gestritten wird, ob nun das iPhone oder Android besser wäre, iOS oder Windows das toller System ist, wurde bei uns auf dem Pausenhof leidenschaftlich darüber diskutiert, ob denn nun der C64 oder der Amiga besser wären. Ok, ehrlich gesagt war der Amiga natürlich der bessere Computer, aber als Besitzer eines C64 gab man das natürlich nie zu.

Das Internet war noch kein Thema, zumindest nicht für Privatanwender, und so tauschten wir lange vor Napster und Co. unsere Spiele auf dem Schulhof.

Am Ende war es wie so oft, die Ansprüche stiegen und so wurde mein treuer C64 mit seinen winzigen 64kB RAM gegen einen 386er mit sagenhaften 4 MB Ram und einer 100 MB großen Festplatte getauscht.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf http://www.wenzelt.de