Zum Kreativen Gebet

Gebet—einmal anders


Joseph Murphy nannte es wissenschaftliches Gebet. Es wurde auch Autosuggestion genannt. Ich selbst kam dazu, diese Methode ‘kreatives Gebet’ zu nennen. Doch man könnte es noch viel einfacher ausdrücken. Es geht darum, alte innere Skripten zu löschen und neue zu schreiben, wobei die Suggestionen auch dazu dienen, uns von der Negativität des Zweifels befreien. Denn Zweifel ist ein Virus.

Bevor ich dahin kam, das wissenschaftliche Gebet, wie es Murphy nannte, anzuwenden, studierte ich ein wenig alle Religionen und hatte bereits einiges an Philosophie gelesen. Ich fand heraus, dass im Grunde die Liebe zu Gott identisch ist mit Liebe zur Schönheit, zur Anmut, zum Guten, zur Einheit in der Form der Harmonisierung aller Antagonismen, die sich im Menschen die Hand geben.

Die Erreichung innerer und äußerer Harmonie hat viele Namen und ist, unserer Verschiedenheit als Individuen gemäß, in unterschiedlicher Formulierung im Kulturgut der Menschheit vorhanden. Alle Religionen und Philosophien haben sie zum Ziel. Doch gemeinsam ist ihnen, dass sie die gleiche Botschaft, die gleiche Wahrheit lehren, hinter all den verschiedenen Formen und Namen.

Leider wird diese Wahrheit von vielen, die Religion als moralischen Haudegen, oder als Pflichtübung ansehen, verformt und pervertiert. Wie viel Hochmut verbirgt sich doch hinter der so bescheiden anmutenden Vaterverehrung paternalistischer Konfessionen, die die Frau als erotisches Wesen verachten und nur als Mutter oder unberührte Jungfrau anerkennen, wie viel Arroganz gegenüber naturnahen Völkern und Lebensweisen!

Es scheint, dass ein erhebliches Misstrauen herrscht in diesen Kreisen gegenüber der Natur überhaupt. So als ob diese sich selbst erschaffen habe und dieser eigentümliche, völlig mentale Gott–Vater irgendwo außerhalb von ihr residiere! Abspaltung nicht nur der Emotionen, sondern des gesamten Unterbewusstseins, das als dem Dämonischen angehörend gesehen wird, der rechten Hirnhälfte, der Intuition, des Weiblichen, des Mondes, der Erde ist die Folge, mit einem Wort: Kastration.

Das war das diabolische Heil einer Religion, die diese Qualifikation nicht verdient hatte, denn sie rückverband eben nicht, sie führte nicht zurück zum Ganzen, zur Einheit, zur unfragmentierten Ganzheit. Und viele ihrer Anhänger mordeten und morden Urvölker. Bis in unsere Tage. Weitere Folgen: Erzeugung von immer größerer und nun auch weltweiter Gewalt und Naturzerstörung, durch Liebesverbote, durch die Unterwerfung des Emotionalen unter die totale Tyrannei des Rationalen.

Die Rückbindung (religio) an das Wahre und glücklicherweise unzerstörbare Ganze in uns, unsere wirkliche Natur, ist im Gebet möglich. Denn das Gebet gehört keinem Dogma an. Es ist so frei wie der Wind und die Wellen des Meeres. Das Gebet öffnet uns die Tür zur wahren Religion, der, die in unserem Herzen wohnt—und die Liebe ist, Ganzheit, Mitgefühl und Teilnahme an allem, was ist.

Denn ein Gebet ist im Grunde, funktional gesehen, ein Skript, ein Programm. Es ist eine Auto–Suggestion. Nun mag man einwenden, wenn das so sei, dann sei es doch profaner Natur und nicht »etwas Spirituelles«. Nun aber: was ist denn »spirituell« und was nicht? Kann man das Leben denn einteilen in einen »spirituellen« und einen »nicht–spirituellen« Teil, kann man es aufspalten in »spirituelle« und »nicht–spirituelle« Aktivitäten?

In der Frage liegt die Antwort—natürlich nicht! Man kann das natürlich tun, und viele Menschen tun es, die sogenannten Religionen folgen. Aber was diese Leute tun, ist sich selbst zu belügen, mit sich selbst Theater zu spielen, oder besser gesagt Blinde Kuh. Sie sind so blind, wie die Religionen, von denen sie sich an der Nase herum führen lassen.

Religion heißt Rückbindung an die eigenen Wurzeln, die eigene Bestimmung, die jeder in sich trägt, gewissermaßen wie ein kosmisches Programm. Dieses Programm ist allerdings in einer Art von Rohzustand und es muss ausgebaut werden. Dies tut man durch Gebet, durch positive Selbstprogrammierung. Und auf den Einwand, nun, wenn das so sei, dann lasse man doch lieber die Finger davon, kann ich nur entgegnen:
—Wenn ihr euch nicht selbst programmiert, werden andere es für euch tun, und die Gesellschaft. Denn alle haben wir ein inneres Programm. Es gibt keinen einzigen Menschen auf dieser Erde, der keines hat. Und wenn ihr es nicht wachruft und aktiviert durch Arbeit am Selbst und es nicht weiterhin programmiert, dann werdet ihr programmiert von anderen—ob ihr dies nun wollt oder nicht! Dies ist ein Faktum und keine Theorie.

Murphy, Joseph

Das Erfolgsbuch
Wie sie alles im Leben erreichen können
Hamburg: Heyne Verlag, 2002

Die Macht Ihres Unterbewusstseins
München: Hugendubel, 2000

Wahrheiten die ihr Leben verändern
Dr. Joseph Murphys Vermächtnis
München: Hugendubel, 1996

Das I-Ging Orakel ihres Unterbewusstseins
Genf: Ariston Verlag, 1980/1988

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