Fotografen mit Akribie und Leidenschaft

Text: Georg Watzlawek Fotos: Jack the Flipper

Am Rand von Schildgen ist „Jack the Flipper“ beheimatet: ein Trio von Foto-Aficionados, die davon besessen sind, Wassertropfen auf Papier zu bannen. In einer unglaublichen ästhetischen Perfektion und mit wissenschaftlichem Anspruch. Eine Crowdfunding-Aktion soll ihnen jetzt zum Durchbruch verhelfen — und Fotoexperimente in der nächsten Dimension ermöglichen.

Wassertropfen. Nichts als Wassertropfen haben Sascha Hojzakowa und Markus Brungs einen ganzen Winter lang in einem Keller in Schildgen fotografiert. Immer wieder. Rund 10.000 mal. Zum Schluss sind atemberaubende Fotos herausgekommen, die man kaum beschreiben kann, sondern anschauen muss. Zu Recht sprechen die beiden Fotografen von „wissenschaftlichen Skulpturen“ — weil sie auf sehr ästhetische Weise zeigen, was das Auge sonst nie zu sehen bekäme.

Hinter diesen Fotos verbirgt sich viel Leidenschaft, schon fast Besessenheit — für Perfektion. Und eine sehr ungewöhnliche Geschichte, die noch auf ihr Happy End wartet.

Hojzakowa hatte lange gemeinsam mit Uwe Meis das Videotaxi Heidkamp betrieben. Auch das mit so viel Leidenschaft und Anspruch, dass beide am Ende krank wurden. Doch inzwischen hatten sie den Künstler Brungs kennengelernt, der die Leidenschaft für die Fotografie teilte.

Bald fotografierten sie gemeinsam. Nicht nur Wassertropfen, sondern auch viel in der freien Natur. Aber dann doch immer wieder Wassertropfen mit einer zunehmenden Präzision. Irgendwann bestellten sie sich in den USA ein Steuergerät, das eigentlich für die ballistische Fotografie genutzt wird — und kamen von dem Thema nicht mehr los.

Hojzakowa, Brungs und Meis richteten Am Klutstein in Schildgen ein kleines Fotoatelier ein, gründeten das Unternehmen „Jack the Flipper“ und begannen, einen Onlineshop für ihre Fotografien aufzubauen. Denn irgendwie müssen sie ihre Leidenschaft und ihren Lebensunterhalt ja finanzieren.

„Bislang leben wir von unseren Rücklagen — aber diese Leidenschaft soll unser Hauptberuf werden“, sagt Hojzakowa.

Bislang ist das Unternehmen vor allem virtuell: mit dem Onlineshop und einer sehr dichten Präsenz in den sozialen Medien. Der nächste Schritt auf diesem Weg ist jetzt der Ausbau einer Lagehalle Am Klutstein zu einem richtigen Ateliergebäude — mit Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen.


fEinige der Fotografien im unrenovierten Ateliergebäude

Und auch, um noch stärker künstlerisch wirken zu können. So arbeitet Brungs gerade an ganz klassischen Gemälden. Aber wissenschaftliche Fotos sollen im Zentrum der Arbeit bleiben — zum Beispiel sollen dort Kugelblitze fotografiert werden.

Einen Teil des Investitionskapitals für Farbe, Heizung und Beleuchtung wollen die Fotografen per Crowdfunding einspielen: auf der Internetplattform Indiegogo können sich Fans registrieren und Gebote abgeben. Für zwei Dollar gibt es ein Kompliment und ein Dauerplatz auf der Gästeliste, für 15 Dollar eine signierte Postkarte aus eigener Produktion, für 199 Dollar ein limitiertes Tropfen-Exemplar in DIN A 0 — und für 15.000 Dollar sogar ein eigenes Waterdrop-Studio.

Lesen und sehen Sie mehr:
Jack the Flipper auf Facebook
Das Blog von Jack the Flipper
Die Kampagne bei Indiegogo
Fotoausstellung: Haarsalon Abschnitt, Hauptstr. 299, BGL

Umgerechnet rund 10.000 Euro wollen die Männer von Jack the Flipper so einnehmen, doch die Kampagne läuft sehr zögerlich an. Bislang sind weniger als 1000 Euro geboten worden — aber die Aktion läuft ja noch bis Ende September.

Die einzelnen Fotos werden nicht bearbeitet, sondern „wie früher entwickelt“, erläutert Hojzakowa; Beugungsunschärfen werden korrigiert, der Horizont gerade gerückt — aber nichts manipuliert.

Die Fotos werden auf einem eigenen Drucker reproduziert, aufwendig gerahmt und zu Preisen von 39 bis 480 Euro im Onlineshop verkauft.

Besonders beeindruckend sind die Tropfen-Fotos. Aber Hojzakowa und Brungs sind auch immer wieder in der Natur unterwegs. Rund um Bergisch Gladbach, aber auch in Europas entfernteren Ecken.

Romaney

Dabei arbeiten die drei Freunde mit großer Leidenschaft für jedes Detail. Das zeigen sowohl der Unternehmensname als auch das Logo, woran sie wochenlang gefeilt haben.

Ein Logo, das alles umschließt, wofür Jack the Flipper steht

Klar war ihnen, dass sie keinen Personenkult wollten, keinen klassischen Namen, sondern etwas, das Interesse weckt uns ausdrückt, wofür sie stehen — mit all seinen Widersprüchen.

So erinnert „Jack the Flipper“ zunächst an Jack the Ripper, doch das Düstere wird durch Flipper (für den Delfin) gleich gekontert. Und der steht für Natur, Fröhlichkeit und Optimismus.

Im Video zeigt Sascha Hojzakowa das künftige Ateliergebäude.

http://youtu.be/unbALK1XPa0