Die Grenzen der Automatisierung im Business

Warum Social-Media auf Autopilot nur bedingt funktioniert

Credit: Redd Angelo/Unsplash
Credit: Redd Angelo/Unsplash

Bevor ich starte, muss ich eine Sache kundtun — damit keine Missverständnisse auftauchen: Ich bin ein großer Fan von Automatisierungen.

Also Solopreneur habe ich das Ziel, mit möglichst wenig Zeiteinsatz mein anvisiertes Einkommen zu erreichen, bzw. mit weniger Zeit mehr verdienen. So rein wirtschaftlich runter gebrochen. Natürlich stecken dahinter auch noch Herzblut und andere Motive.

Um das zu erreichen, braucht es drei Dinge:

  1. Eine Produktpalette, in der ich nicht (nur) meine Zeit gegen Geld tausche. Also Produkte die — Achtung, Bullshit-Bingo — skalierbar sind.
  2. Hilfe von außen durch virtuelle Assistenten, die mir bestimmte Arbeitsschritte abnehmen, damit ich mich auf andere Dinge konzentrieren kann.
  3. Automatisierungen, die es mir erlauben, meine Produkte zu vertreiben und/oder Zeit zu sparen.

Automatisierte Prozesse nutze ich sehr gerne in der Terminvergabe, beim E-Mail-Marketing und auch in Social Media (teilweise).

Doch ab und an sind diese Strategien nicht zielführend.

Und das ist genau in den Momenten der Fall, wo Algorithmen die Klappe halten und der Menschen dahinter sprechen sollte.

Ich, das Blumenkind?

Ja, es mag sein, dass man mehr verdient und schneller „erfolgreich“ ist, wenn man sich stark auf die Sales-Funnel und Autoresponder konzentriert.

Aber es gibt immer wieder Momente, da vermisse ich in Gruppen, Social-Media, Blogs, Salespages oder E-Mail-Serien den Menschen dahinter. Ich vermisse den Wunsch nach Austausch und Information.

Mag sein, dass ich (aus dem Gesundheitswesen kommend) den direkten Austausch etwas überbewerte…allerdings sehe ich auch mehr Erfolg in Gruppen, wo der Austausch durch den Betreiber angeregt wird.

Interaktion oder Information als Wunsch?

Der Grund, warum ich das hier schreibe ist eine Gruppe, in die ich in Facebook eingeladen worden bin. Ich glaube, ich bin sogar ungefragt eingeladen worden. Ein Unding, aber das soll jetzt auch nicht das Thema sein.

Diese Gruppe ist aus Marketinggründen eröffnet worden und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Auch ich habe eine Gruppe in Facebook, in der ich auch meine Veröffentlichungen, Webinare, kostenpflichtige Produkte und ähnliches bekannt gebe.

In dieser besagten Gruppe veröffentlich die Betreiberin jeden Tag Posts, die zur Interaktion anregen sollen. Es gibt immer Thementage, wie den „E-Mail-Marketing-Montag“, in der Fragen zum E-Mail-Marketing gestellt werden dürfen, etc.

Aber die Interaktion ist gleich Null, auch wenn man sehen kann, dass eine Menge Menschen den Post gesehen haben.

Die Posts (und das kann man ja auch sehen), werden mit BUFFER veröffentlicht. Einem Tool, dass automatisiert diese Posts in der Gruppe platziert.

Eigentlich eine smarte Sache, oder?!

Ja und nein.

Social klappt automatisiert nur bedingt

Angebote, wie der E-Mail-Marketing-Montag sind an sich eine gute Idee. Sie können dafür sorgen, dass sich die Gruppenmitglieder zeigen, sich austauschen und parallel erkenne ich als Betreiber die Sorgen und Nöte meiner Zielgruppe.

Daraus können dann wieder kostenfreie oder kostenpflichtige Angebote entstehen und so weiter und so fort.

Wenn ich als Betreiber einer solchen Seite davon ausgeht, dass die Leute ihr Innerstes nach außen stülpen, bloß weil ich per Buffer, Hootsuite oder Edgar Thementage raushaue, habe ich das Prinzip nicht verstanden.

Und warum?!

Weil ich nicht in Vorleistung gehe!

Offline-Regeln gelten auch online

Hand aufs Herz!

Würdest du dich jemandem offenbaren, den du nicht einschätzen kannst? Würdest du dich in einer Gruppe öffnen, in der du niemanden kennst?

Ich vermute nicht!

Wenn ich als Betreiber möchte, dass Interaktion in der Gruppe herrscht, dann muss ich mit besten Beispiel voran gehen und diese Gruppe aktiv, authentisch und spontan bespielen. Nicht nur mit reinem Content, sondern auch mit Informationen über den Menschen dahinter.

Ich mag Gruppen, wo Betreiber auch mal ehrlich sind und von Misserfolgen reden. Oder einfach mal eine Statusmeldung abgeben, was heute ansteht. All die Dinge, die es menschlich machen.

Die Mischung macht’s

Jeden Montag gibt es in meiner Facebook-Gruppe, die Möglichkeit, die eigenen Shows zu bewerben und etwas mehr Reichweite zu bekommen.

Da ich das Posting regelmäßig vergessen habe, nutze ich in Zukunft auch mein Automatisierungs-Tool, um diesen Post jeden Montag zur richtigen Zeit zu veröffentlichen. Das mache ich mit dem ruhigen Gewissen, dass ich ansonsten sehr präsent in der Gruppe bin.

Ich bin da, wenn Fragen sind. Ich bin da, wenn jemand rausfliegen muss. Ich bin da, wenn ich mal eine meiner eigenen Hürden zeige.

Aber ich gestehe auch, dass es eine Menge Arbeit ist und vor allem zeitintensiv ist. Doch nur so kommt richtig Leben in die Bude — ich gehe kommunikativ in Vorleistung.

Es ist ein wenig wie bei einem Karussell, auf das meine Tochter immer so gerne auf dem Spielplatz geht. Sie setzt sich rein und in der Mitte ist ein Rad, mit dem man das Karussell in Bewegung setzt. Es ist sehr schwer, das Ding in Bewegung zu bringen.

Aber wenn es einmal läuft, dann muss man zwischendurch nur immer mal wieder ein bisschen „andrehen“ und das Tempo bleibt oder steigt sogar.

Und wenn eine Gruppe kommunikativ einmal läuft, dann ist es auch nicht mehr so arbeitsintensiv. Aber diese Arbeit kann keine Automatisierung dieser Welt leisten.