Konkurrenzgedanken im Business

Absolute Lähmung oder Chance auf eigenes Wachstum?

Ich sitze gerade in der Bahn nach Mönchengladbach. Da ich Bahnfahren immer langweilig finde, schreibe ich hier meinen ersten Artikel

Dort werde ich mit meinem Kumpel Markus Coenen ein wenig werkeln, brainstormen und mit Sicherheit auch im Café Trotzdem was essen gehen.

Wenn du türkische Gerichte magst und mal in M’gladbach bist, dann geh auf jeden Fall mal dort vorbei.

2000–2001 hatte ich dort mal eine Freundin und war recht oft in dem Restaurant mit ihr. Als ich mit Markus in diesem Jahr dann mal wieder da war, kann ich sagen: Qualität setzt sich durch!

Und das bringt mich auch schon voll rein ins Thema, merke ich gerade. :D

“Hey Gordon, da wildert jemand in deiner Nische!“

Ich hatte das Glück, dass ich relativ früh ins Podcasting und in die Beratung in der Ecke gestartet bin. Ganz am Anfang im Jahr 2014 gab es noch nicht so viele, die im professionellen Unternehmensumfeld ihre Expertise in Kurse und Coaching packten.

Mittlerweile nimmt das Thema allerdings Fahrt auf und in den Top-100 ist eine Menge Bewegung.

Es wäre naiv zu glauben, dass die paar deutschen Podcast-Coaches für alle Zeit die einzigen bleiben würden.

Immer wieder schreiben mich liebe Menschen an und machen mich auf einen „neuen Konkurrenten“ aufmerksam, der „sein Glück versucht“ und „gegen mich“ antritt.

Und machen wir uns gar nichts vor: Wenn du in deiner Nische mit einem Wettbewerber konfrontiert bist, dann ist einer der Gedanken, der dir durch den Kopf schießt folgender:

„Okay, was bedeutet das nun für mich und mein Unternehmen?„

Gerade, wenn du am Anfang stehst, wirst du das vermutlich kennen.

Diese leicht nagende Unsicherheit im Hinterkopf, derer du dich vielleicht sogar etwas schämst. Denn wer will schon gerne missgönnend sein?

Aber diese Art der Denke ist nicht sonderlich zielführend, wenn du sie aus der Angst vor dem Scheitern oder Pleite gehen betrachtest. Ich scheue mich nicht, das zuzugeben: Diese Gedanken hatte ich in der Vergangenheit auch mal.

Wenn du dich also gerade erwischt fühlst, weil du mich verdammt gut verstehen und es nachfühlen kannst…du bist nicht alleine. Ich kenne aus meiner Filterblase im Netz und im Bekanntenkreis niemanden, der da vollkommen frei von ist.

Sofern du mal in der Situation warst oder gerade sogar schultertief drin steckst, dann wirst du wissen, wie sehr die Konkurrenz-Angst einen Unternehmer lähmen kann.

Es sei denn, du gehst irgendwie produktiv damit um.

Konkurrenzdenken ist Mangeldenken

Angenommen, du bist Hersteller eines bestimmten Produktes, für das es auf der gesamten Welt nur einen einzigen Abnehmer gibt. (Ja, ich weiß, dass ist nicht sehr wahrscheinlich, aber lass uns nur kurz dieses Gedankenspiel durchgehen.)

Angenommen, dass du der einzige Anbieter für dieses Produkt bist.

Dann hast du gute Karten und kannst ein entspanntes Leben leben. Du hast genügend Einkommen und dein Käufer hat ein Problem gelöst.

Wenn jetzt aber ein neuer Wettbewerber auf dem Markt auftaucht und ein ähnliches Produkt anbietet, wie du…dann hast du unter Umständen ein Problem.

Jetzt hängt deine Existenz davon ab, ob dein Kunde wechseln will oder nicht.

Blödes Gefühl, wenn man da so machtlos ist.

Oder?

Ab und an spiele ich mit Podcast-Klienten dieses Beispiel durch, wenn es um das Alleinstellungsmerkmal und bereits existierende Shows geht.

Die meisten sagen dann etwas wie: „Ja, aber dann kann man halt sein Produkt noch etwas besser machen oder die Vorteile besser hervorheben.“

Faszinierend, wie entspannt wir sind, wenn wir nicht betroffen sind oder einfach ein Gedankenspiel spielen.

Wir sind aber mit uns selber oft nicht so nachsichtig und vor allem auch nicht so zuversichtlich, dass wir genügend Handlungsoptionen haben. Diese Art der Konkurrenzdenke, die auf Angst aufbaut, lähmt.

Stattdessen gehen die meisten davon aus, dass der gesamte Markt, der zu erreichen ist, schon abzusehen ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. In der Regel können wir unsere potentielle Reichweite überhaupt nicht einsehen.

Das merke ich immer, wenn ich mal Facebook-Ads schalte. Da kommen auf einmal Menschen zu mir, die schon ewig nach Lösungen suchen, aber noch nie in Kontakt mit Podcast-Helden gekommen sind, OBWOHL sie netzaffin sind.

Die Angst entsteht also gerne aus einer Mangeldenke heraus, die wir in unserem Kopf schlicht und ergreifend konstruieren. Das muss nicht immer der Fall sein, aber oft ist es das.

Wenn Wettbewerb jetzt also nicht der Teufel ist…könnte man sogar noch weiter gehen und ein paar Vorteile finden?

Ja, die gibt es tatsächlich (habe ich anfangs auch nicht geglaubt)

Wettbewerb hält dich aufmerksam

Manchmal sitzt man in seinem sicheren Nest und arbeitet so vor sich hin und plötzlich kommt frischer Wind in die Szene.

Ein neuer Wettbewerber wirkt agil und macht auch in den Sozialen Medien von sich reden.

Das kann jetzt dafür sorgen, dass du wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange sitzt und dich nicht bewegen kannst. Aber wie wäre es denn, wenn du das mal als Grund siehst, dein eigenes Unternehmen und deine Werte mal zu überprüfen.

Mache ich genug für meine Bestandskunden, dass ich weiter agil im Unternehmen bleiben kann und Aufträge bekomme?

Was sind meine Kernwerte? Was sind die des Wettbewerbers? Gibt es Unterschiede, die man mehr in den Fokus rücken kann?

Ist meine Zielgruppe noch die richtige oder ist der Wettbewerber der Grund für den nächsten Schritt nach vorne. Wenn nicht, wo gibt es vielleicht doch Unterschiede, die du auch rausstellen kannst?

Vielleicht kommst du auf einmal in Bewegung und merkst, dass du eigentlich schon weiter wärest, wenn den Grund für Überlegungen schon früher gegeben hätte. Wunderbar. Jetzt ist er da.

Wettbewerb sorgt für mehr Aufmerksamkeit für das Thema

Aber selbst wenn du dir deine Zielgruppe nun mit jemandem teilen musst…auch er oder sie erreicht eine bestimmte Menge an Menschen. Menschen, die von dir und deinem Thema auch noch nichts gehört haben.

Wenn es mehr Anbieter für ein Thema gibt, ist es auch ein Zeichen, dass es ein Markt ist, in dem was zu erreichen ist. Ansonsten wärest du vermutlich weiterhin alleine.

So paradox es klingt, auch der Content der Wettbewerber ist gut für dich. Denn der sorgt für Aufmerksamkeit an Stellen, an denen du nicht hinkommst. Und so wie nicht jeder potentielle Kunde zu dir kommt, werden auch nicht alle potentiellen Kunden des Wettbewerbers bei ihm landen.

Dazu hier noch ein Gedanke:

Ich bin ganz froh, dass es Wettbewerber gibt. Wo sollen denn auch sonst die Menschen hin, mit denen ich nicht arbeiten will?!

Wettbewerb sorgt für Kooperationen

Selbst wenn es um zwei verschiede Unternehmen geht, muss es nicht heißen, dass da jeder für sich arbeitet und die „Synergien“ (Kann ich seit XING nicht mehr hören) links liegen gelassen werden.

Wenn es es sich um eine ähnliche Zielgruppe handelt, die aber unterschiedliche Ausprägungen von Wünschen hat, ist eine Kooperation nicht auszuschließen. Da will ich jetzt auch gar nicht generalisieren oder zu arg romantisch sein.

Aber nur ein Beispiel aus meiner Filterblase:

Ich bin zugegebenermaßen nur ein Mikrofonnutzer, aber kein Aufnahmetechniker. Mein Ziel ist es, dass meine Klienten mit einfachen Mitteln einen Podcast auf die Beine stellten.

Es gab da den mittlerweile leider wieder eingestellten Blog mein-podcast.de von Sascha Röhler. Er ist ein ziemlicher Techie und hat viel Spaß an komplexeren Mikrofonaufbauten im Podcast. Er kennt sich da auch viel besser aus, als ich.

Wenn Leute zu mir kamen, die komplexe Fragen zu Mikrofonierungen gestellt haben, musste ich immer passen. Dann habe ich auf Saschas Blog verwiesen, weil ich die Antwort nicht geben konnte.

Fraglich, ob diese Menschen bei mir Kunden geworden wären. Ich vermute nicht, wenn ich ihre erste Frage schon nicht adäquat beantworten konnte.

Sascha richtete sich an die Menschen, die neben dem Wunsch vom eigenen Podcast auch noch deutlich technikinteressierter sind, als meine Klienten. Das meine ich gar nicht geringschätzend. Ausnahmslos alle von meinen Klienten könnten auch mit komplexeren Dingen umgehen, als die die ich empfehle.

Bei mir soll es aber leicht und schnell gehen. Das passt mir meiner Unternehmensvision überein.

Oder wenn du ein globaleres Beispiel haben möchtest. Ich habe ein paar Microsoft-Anwedungen auf meinem Rechner. Unter anderem Excel, mit dem sich meine Frau besser auskennt.

User von Mac und PC sind aber so verschieden, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn entsprechende Software auch plattformübergreifend verfügbar ist.

Ja, dieser Abschnitt hatte viel Raum. Vergleichsweise viel für den ein oder anderen Leser, der sich diese Art der Kooperationen für sich und seine Wettbewerber nicht vorstellen kann.

Vielleicht geht das auch einfach nicht.

Das kann ich nicht beurteilen.

Aber vielleicht konnte ich Inception-mäßig den Gedanken einpflanzen, dass noch mehr möglich ist, als Angst.

Was kannst du mitnehmen

„Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist ein Ausspruch den jeder schnell auf den Lippen hat — solange es nicht um das eigene Geschäft geht.

Vielleicht ist das Auftreter von immer mehr Wettbewerb ein gutes Zeichen dafür, dass du weiterhin einen Markt bedienst, der im Wachstum ist und das du jetzt weiter Gas geben solltest.

Immerhin bist du schon länger dort und kannst deine Karten auch entsprechend ausspielen.

Wettbewerb und die Angst davor entsteht meist aus einem Mangeldenken heraus. Die Wahrnehmungsverzerrung, dass „wir den Markt“ überblicken könnten, sorgt dafür, dass wir schnell an einen Mangel glauben und entsprechend Angst bekommen.

Aber in den meisten Fällen kratzen wir nur an der Oberfläche.

Auch ist nicht jeder Marketer da draußen kompatibel mit der kompletten Zielgruppe. Genau so wenig wie du es bist.

Deswegen glaube daran, dass du schon die Kunden zu kommen, die du auch erreichen willst. Das ist der Vorteil beim Marketing mit Content. Da kristallisiert sich sehr schnell raus, wer passt und wer nicht.

In diesem Sinn wünsche ich dir entspannte Nächte!

Bis dahin,

dein Gordon Schönwälder

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