März

Mittwoch 01.03.

Am Morgen hatte sich der Regen endlich gelegt, alles war grau und in tief hängende Wolken gehüllt.

Trotzdem versuchten wir soviel von der Insel zu erkunden wie möglich. Wir klapperten einen Campingplatz nach dem anderen ab und legten uns nach und nach einen ungefähren 4-Wochen-Plan zurecht.

Die ersten Nächte verbrachten wir in Salt Pond, im Südwesten der Insel. Der wunderschöne Waimea Canyon liegt nicht weit entfernt, doch die Wolken und der immer wieder aufkommende Regen verwehrten uns einen Blick in den Canyon.

Donnerstag 02.03.

Die erste Nacht im Zelt war definitiv ein Erlebnis. Gegen Sonnenuntergang fing es wieder an zu regnen und entwickelte sich mit jeder weiteren Stunde zu einem richtigen Unwetter. Es blitzte, donnerte, der Regen überflutete alles und der Wind nahm alles mit was nicht niet und nagelfest war. Um 4am legte sich das Gewitter und wir dachten, jetzt könnte man doch noch ein paar Stunden Schlaf tanken, aber leider machten uns die freilaufenden unzähligen Hähne einen Strich durch die Rechnung. 1992 wütete der Hurricane Iniki sehr schlimm auf der Insel. Unter anderem wurden auch die meisten Tiergehege und Hühnerställe zerstört. Seitdem ist es zu einer regelrechten Hühnerplage gekommen. Dementsprechend laut sind leider auch die Nächte. Ein Hahn wacht auf, meistens beginnt es gegen 3am und weckt mit seinem Kikeriki die anderen Hähne auf den Bäumen um ihn herum und dann kräht Einer nach dem Anderen bis zum frühen Morgen. Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen. Vor allem wenn eine Hühnerfamilien auf dem Baum über deinem Zelt wohnt. Am ersten Tag waren sie noch ‚süß‘…..

Ziemlich zerknittert begannen wir somit den Tag. Weiter ging die Erkundungstour über die Insel. Nach dem Unwetter waren die Flüsse dunkelbraun vor Erde und auch das Meer hatte eine unschöne braune Farbe. Alles roch intensiv nach Erde. Wir fuhren bis ans Ende der Straße im Norden, es ist unglaublich grün auf Kauai und überall kann man Filmkulissen entdecken. Zum Beispiel das Feld in Juressic Park als zum ersten Mal die Dinosaurier gesehen werden, oder die Brücke, auf der sie angegriffen werden. Die Küsten sind umgeben von Korallenriffen, weiße Strände, grüne Berge. Ein traumhafter Ausblick nach dem anderem.

Anini Beach

Freitag 03.03.

Früh aufgestanden, die Hähne lassen einen nicht zur Ruhe kommen, unsere Strandmatten genommen und das erste Mal Yoga am Strand gemacht. Unsere Pläne den Waimea Canyon anzuschauen wurden wieder von einer undurchdringlichen Wolkendecke durchkreuzt, somit packten wir unser Zeugs zusammen und fuhren an die Ostseite, die besseres Wetter versprach. Am Nachmittag machten wir eine kleine schöne Wanderung auf einen kleinen Berg hinter der Stadt Kapaa. Tolle Ausblicke auf die Küste und die hinteren Bergtäler.

Salt Pond Beach Park
Waimea Canyon Lookout

Dann schlugen wir unser neues Lager in Anahola auf, an einem sehr ruhigen kleinen Strand direkt am Wasser.

Samstag 04.03.

Nach unserer Yogasession ging es abermals Richtung Waimea und wieder erwartete uns nur Regen und Wolken. Deshalb besuchten wir das Kaffeemuseum mit soviel freien Kaffeeproben wie man wollte. Sehr sehr lecker der hawaiianische Kaffee. Danach begannen wir noch im Sonnenschein, einen Spaziergang zu einer Höhle, Makauwahi Cave, und zu einem langen Strand, Gillin’s Beach. Irgendwann fing es an zu regnen und der rote Boden verwandelte sich in Matsche. Die Beine sahen aus wie frisch in Jod eingeschmiert und genauso schwer war es die Farbe später wieder abzuwaschen.

Zurück in Anahola erwartete uns eine böse Überraschung, das Innere des Zeltes war voller Sand und nach einigem Suchen stellten wir fest dass meine neue Stirnlampe und Tobis Multitool-Messer weg waren.

Sonntag 05.03.

Da wir im Hinterkopf hatten dass wir das Auto nicht mehr lange haben werden, entschieden wir uns unsere Passports, teurere Sachen und Kram den wir eigentlich sowieso nicht wirklich brauchten, in einem Mini Storage unterzubringen. Das war mehr Fahrerei als wir dachten. Nachdem wir in Kapaa unsere Laundry gemacht hatten und das Storage endlich gefunden hatten, fuhren wir noch an einen sehr schönen Strand bei Lydgate. Endlich hatte sich das Wetter gedreht und wir konnten im strahlendem Sonnenschein das erste Mal ins Wasser springen und den Nachmittag am Meer genießen. Nach hunderten von Kopfständen, Radschlägen und Kopfständen am Kitchens Beach bei Lydgate, hatte ich am Abend schon solchen Muskelkater dass ich mich kaum noch bewegen konnte.

Montag 06.03.

Schon fast eine Woche war rum und somit der Tag an dem wir das Auto abgeben mussten. Es erwartete uns ein strahlend blauer Himmel. Schon um 6am klingelte der Wecker und wir fuhren ein weiteres Mal Richtung Waimea Canyon. Der Trail war relativ unbekannt und führte durch ein paar private Grundstücke über Wackelbrücken, durch Flüsse und durch den Canyon. Da alles unter Naturschutz steht, ließen wir die paar Häuser schnell hinter uns und waren nur noch von neben uns aufragenden Felshängen und unzähligen Vögeln umgeben.

Nach 4h entschieden wir uns umzukehren, da wir auch nicht Recht wussten ob es einen Trail gibt der irgendwann wieder aus dem Canyon herausführt. Zurück am Auto merkten wir dass die Sonne uns schon etwas zugesetzt hatte und wir ziemlich Matsche waren. Nach einem sehr leckeren Pad Thai saugten wir noch einmal kurz das Auto aus und gaben es in Lihue am Flughafen ab. Wir waren schon etwas aufgeregt wie gut das Hitchhiken auf der Insel funktionieren würde aber schon nach 2min hielt ein Local und brachte uns sogar direkt bis zum Campingplatz.

Dienstag 07.03.

Unsere Sachen zusammengepackt und nach einer entspannten Runde Yoga nach Kapaa gehitchhiked, Snorkel Gear für eine Woche ausgeliehen und dann nach Anini Beach umgezogen. Der Campingplatz der uns im Endeffekt am besten gefallen hat und wir die meiste Zeit verbrachten. Jedoch war das Wetter wieder bescheiden, deshalb verbrachten wir die meiste Zeit im nahegelegenen Princeville und drückten uns an einem der seltenen Wifi-Spots herum.

So ähnlich verbrachten wir auch die nächsten Tage. Yoga am Morgen. Essen in Princeville. Das Schnorcheln war in diesen Tagen sehr enttäuschend, die Sicht war von dem Unwetter immer noch grausig und die Korallenriffe vor Anini sind leider alle tot. Es gibt nicht mehr die unglaublich farbenfrohe Fischvielfalt und auch nur ein paar Schildkröten leben in den toten Riffen.

Samstag 11.03.

Endlich wieder schönes Wetter. Wir hitchhikten schon früh los Richtung des Powerline-Trails. Dieser zieht sich quer über die Insel, ohne irgendwelche Straßen in der Nähe. Am Anfang kamen wir gut voran, dann wurden es nach und nach immer mehr Pfützen die es zu überwinden galt. Nach 1h durch den immer dichter durchwachsen und matschiger werdenden Trail mussten wir umkehren. Als wir endlich wieder an der Hauptstraße ankamen war es schon später Mittag und unsagbar heiß. Somit entschieden wir zu einem der Strände in der Nähe zu laufen. Larssens Beach, nur zu Fuß über ein Privat-Grundstück erreichbar. Türkis-blaues Wasser und fast niemand sonst dort. Traumhaft schön.

Zurück in Anini wurden wir von unseren Nachbarcampern zum BBQ eingeladen und mussten erst einmal Stöcke sammeln. Es war unglaublich lecker. Da wir alle mehr oder weniger vegetarisch lebten gab es Süßkartoffeln, Kartoffeln, eingelegten Knoblauch, Zwiebeln, Kohl, Ananas frisch dampfend aus den Kohlen mit Sour creme. Unglaublich lecker.

In der Nacht waren wir etwas nachlässig und ließen meinen Campingkocher und Tobis Topf draußen stehen, die dann auch sofort in der Nacht ‚verschwanden‘ und nie wieder auftauchten.

Anini Beach
unser besonderer Freund John-Francoir, der den Kamm immer etwas französisch trägt

Donnerstag 16.03.

Am Vortag ans Ende der Straße im Nordwesten nach Haena umgezogen. Sehr beeindruckende Landschaft.

Der Wecker klingelte um 6am und wir marschierten los, auf den bekanntesten Trail der Insel, den ‚Kalalau-Trail‘.

Nur 2Meilen sind öffentlich, für den Rest des Trails, weiteren 9Meilen braucht man ein Permit, welches man am Besten schon ein Jahr im Voraus beantragt.

Der Weg führt die im Nordwesten liegende Na Pali Coast entlang, an tief ins Land einschneidenden Tälern, und hoch aufragenden grünen Bergen umgeben. Wir konnten vom Trail aus sogar ein paar Wale die immer wieder aus dem Wasser heraussprangen beobachten. Der öffentliche Teil der Wanderung endet an einem riesigen Wasserfall, Hanakapiai Falls, der aus den über 30m aufragenden Felsen in einen kleinen See stürzt in dem man eine kleine Abkühlung nehmen kann.

Wieder zurück beobachteten wir eine Weile die Surfer, machten einen ausgedehnten Strandspaziergang und entschieden uns trotz der späten Stunde noch zurück nach Anini Beach umzuziehen.

Freitag 17.03.

Abermals früh aufgestanden und nach Hanaley Beach gefahren. Surfbretter ausgeliehen, den Kilometer zum Strand getragen und los ging es in die Wellen. Nach ein paar Stunden surfens, eine Pause eingelegt und in die Sonne an den Strand gelegt und beide mit einem schönen Sonnenbrand wieder aufgewacht. Am Strand gab es so gut wie keinen Schatten deshalb mussten wir das weitere Surfen auf die nächsten Tage verschieben und nach Anini und in den Schatten zurückkehren.

Sonntag 19.03.

Toller Tag. Sehr früh aufgestanden und zu einer eher unbekannten Wanderung gehitchhiked, dem Okolehao/ Twin Peak Trail. Einmalige Wanderung. Der Trail ist keine 4km lang jedoch mit einiges an Elevation. Es ging oft, mit Hilfe von Seilen, fast senkrecht bergauf. Ein einziger Spaß. Niemand sonst war unterwegs und als wir den Peak, eine 2x2m große Plattform von 2 Bäumen überschattet erreichten, hatten wir die Welt für uns. Eine unfassbar schöne Aussicht erwartete uns. Eine Stunde verbrachten wir, mit einem kleinen Nappie im Schatten der Bäume bevor es wieder zum Abstieg ging. Wieder an der Straße angekommen konnten wir sofort auf die Ladefläche eines Pickups bis nach Prineville mitfahren, den Fahrtwind genießen und nach einem kurzen Mittagscurry in Princeville ging es zurück an unseren Strand in Anini um die letzten Sonnenstunden schnorchelnd im Wasser zu genießen.

links sieht man die 2 Peaks des Okoleehao Trails

Mittwoch 22.03.

Nach einigem Hin und Her hatten wir uns dafür entschieden einen weiteren Teil des Kalalau Trails, auch ohne Permit zu laufen. Jeder erzählte begeistert von der Wanderung und beim letzten Mal empfanden wir die Küste zwar als schön aber nicht ansatzweise so beeindruckend wie z.B. den Okolehao Trail. Deshalb wollten wir uns noch einmal versichern dass wir auch nichts verpassen würden. Nach den öffentlichen 2Meilen war der Trail wie ausgestorben. Der Wasserfall am Ende der nächsten 4Meilen erwartete uns diesmal ohne eine Menschenseele. Auch hier sprangen wir für eine Abkühlung ins Wasser, direkt unter dem Wasserfall. Nur die jede 5min hereinfliegenden Helicopter störten die Ruhe. Ein sehr beeindruckendes Plätzchen Erde.

Na Pali Coast

Donnerstag 23.03.

Unser Glückstag. Ausgeschlafen. Yoga. Unseren Kram aus dem Mini Storage abgeholt und den Osten der Insel verlassen. Schon als wir in Anini loshitchhiken wollten, hielt eine Dame und fragte ob wir gerne mitgenommen werden würden. Sie setze uns ein paar Kilometer weiter am Highway ab und noch ehe wir den Finger rausstreckten hielt ein Local an und brachte uns bis nach Kapaa. Dort gibt es unglaublich gute Fish Tacos. Ein Ehepaar aus den Staaten aß am Tisch neben uns und fragte sofort ob sie uns nicht irgendwo mit hinnehmen könnten. Sie brachten uns bis nach Lihue. Sehr nette Leute. Wir mussten nur den Highway überqueren und während wir über die Straße gingen, hob ich kurz den Daumen raus und ein Auto blinkte uns augenblicklich an. Es war ein alter Bekannter, den wir schon in den ersten Anini-Tagen kennengelernt hatten. Ben aus London. Er wollte eigentlich nach Polihale, einem State-Campingplatz ganz im Westen, am anderen Ende des Highways. Der Platz liegt am Ende einer 4Meilen langen unglaublich schlechten Gravel-Road, und lag somit bis jetzt außerhalb unserer Reichweite ohne Auto. Also entschieden wir spontan mitzukommen. Er traf Freunde aus Australien dort. Es war ein unglaublich netter Abend. Man campt in den Dünen, andere Menschen waren kaum zu sehen. Nichts als Sand und das Meer. Beim Sonnenuntergang saßen wir alle gespannt zusammen. Auf Hawaii soll es einen geheimnisvollen grünen Blitz geben in dem Moment wenn die Sonne im Meer versinkt. Leider haben wir ihn alle nicht sehen können. Mit der Dunkelheit kam der beeindruckendste Sternenhimmel den ich jemals gesehen habe. Noch lange saßen wir quatschend am Stand und zählten Sternschnuppen und erfanden neue Sternbilder.

Freitag 24.03.

Ein strahlend blauer Tag zog auf. Die Australier und Ben gingen surfen und Tobi und ich verbrachten den Morgen mit Yoga am Strand. Bis zum späten Mittag lagen wir danach unter einem einzigen winzigen Sonnenschirm umgeben von glühend heißem Sand und sprangen ab und zu in die riesigen heranrollenden Wellen. Am Nachmittag packten wir unsere Sachen zusammen, die Australier flogen weiter nach Maui und wir zogen mit Ben zum Salt Pond Beach Park.

Samstag 25.03.

Am Morgen gab es Nutella Brot, kurze Abfrischung im Meer und ein letztes Mal versuchten wir den Waimea Canyon von oben anzuschauen. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und somit unzählige unglaublich beeindruckende Ausblicke in den Canyon. Man konnte sich gar nicht sattsehen an der Schönheit des Tals. Am Mittag begannen wir eine Wanderung oberhalb des Canyons Richtung Meer/Kalalau Trail. Erst zogen Wolken auf aber als wir die Küste erreichten erwartete uns wieder eine ungetrübte atemberaubende Aussicht in die Täler und auf das Meer.

Schöner Tag. Zurück in Salt Pond verließ Ben uns und wir verbrachten den Abend mit ein paar Bier am Strand.

Montag 27.03.

Ausgeschlafen. Wir liefen zum 10m entfernten Strand und wollten eine Runde Yoga machen, als wir eine Robbe im Sand liegen sahen. Kurz darauf kam eine weitere angeschwommen und später noch ein weiterer Herr. Die zwei Herren kämpften stundenlang um das Weibchen dass die ganze Zeit entspannt in der Sonne lag und wartete. Sehr beeindruckendes Schauspiel. Dann packten wir unsere Sachen und hitchhikten zum Flughafen und stiegen am frühen Nachmittag ins Flugzeug zurück nach San Diego.

Bill holte uns mitten in der Nacht ab und brachte uns zu Anitas Apartment wo wir die nächsten Nächte verbringen durften.

Dienstag 28.03.

Wir gönnten uns ein ausgedehntes luxuriöses Frühstück mit Spiegeleiern und Brötchen und ich konnte ein paar Stunden mit Lina skypen die gerade in Trier bei Annika, Friedi und Janik war. Danach fuhren wir zu der Boulderhalle die uns schon vor einem Monat so gut gefallen hatte und verbrachten den ganzen Tag dort mit Yogakursen und viel viel bouldern. Gut tat das.

Mittwoch 29.03.

Das Auto musste für den Tag in die Werkstatt um durchgecheckt zu werden und neue Bremsen zu bekommen. Wir wurden für die Zeit bei der Boulderhalle abgesetzt und verbrachten einen weiteren Tag mit Yoga und bouldern.

Am Abend packten wir alles zusammen um am nächsten Morgen früh losfahren zu können.

Gegen Mittag ging es dann auch tatsächlich los Richtung Joshua Tree Park.

Freitag 31.03.

Wanderung im Joshua Tree Park bei Black Rock. Gewöhnungsbedürftig und beeindruckend diese unglaubliche Weite. Nur Steine und ein paar Joshua Trees. Sonst nichts.

Kaktusblüte
Yoshua Tree
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