Ungeheuerlicher Verdacht
War Aufsichtsrat vor Razzia bei BER-Planern gewarnt?
Neuer Paukenschlag beim Skandal-Flughafen BER: Auf Anordnung des Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses hat die Staatsanwaltschaft heute Räumlichkeiten des ehemaligen BER-Chefplaners durchsucht. Der Vorwurf lautet, das Architekturbüro habe den Ausschuss über den Verbleib von Beweismitteln getäuscht. Von besonderem Interesse dabei ist ein Schriftstück, in dem Hinweise vermutet werden, dass bereits nach der ersten Verschiebung Zweifel am neuen BER-Eröffnungstermin im Juni 2012 bestanden haben.
Die Meldung bekommt zusätzliche Brisanz im Lichte der vor zwei Tagen stattgefundenen Marathonsitzung des Aufsichtsrats. Denn während die Abberufung des Technikvorstands noch mit viel Aufmerksamkeit bedacht wurde, ging eine andere Entscheidung des Tages weitestgehend unter. Gleichzeitig nämlich hatten die Eigentümer den Aufsichtsrat für die Jahre 2011 und 2012 trotz des horrenden Schadens durch die verschobene Eröffnung überraschend entlastet. Im Ergebnis sind nun Wowereit & Co. von der Haftung für das Flughafen-Desaster befreit und können nicht mehr persönlich für mögliches Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden.
Eine entscheidende Frage bei der bisherigen Suche nach den Schuldigen war immer, wann der Aufsichtsrat was gewusst hatte. Hat die Geschäftsführung dem Aufsichtsrat, so wie bisher behauptet, das wahre Ausmaß des Chaos auf der Baustelle verschwiegen oder aber war Wowereit doch durch die regelmäßig geführten Hintergrundgespräche im Bilde. Die Antwort darauf könnte nun in den von der Staatsanwaltschaft sichergestellten Dokumenten stehen und Wowereit in Bedrängnis bringen.
Wegen der zeitlichen Nähe beider Ereignisse drängt sich aber noch ein ganz anderer Verdacht auf, nämlich dass der Aufsichtsrat über die geplante Razzia vorab gewarnt war und deshalb noch schnell seine Entlastung durch die Eigentümer betrieb. Das wäre dann eine neue Qualität der Ungeheuerlichkeiten um den BER, die wohl die letzten Zweifler überzeugen würde, dass wir es in Berlin und Brandenburg mit einer “Bananenrepublik” zu tun haben.
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