Coaching Hacks: Was macht Beratung und Coaching wirksam?

Ein Kurzinterview mit Rupert Hasenzagl, Professor für Systemisches Management und Mitglieder der Forschergruppe Neuwaldegg.

Das Beratungsangebot und insbesondere die Coaching-Branche wird zunehmend unübersichtlicher. Wie kann ein Kunde herausfinden, ob ein bestimmter Ansatz für ihn hilfreich ist?

Rupert Hasenzagl: „Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Eine erste Orientierung findet man aber, wenn man sich als Kunde ansieht, auf welcher Basis Berater und damit auch Coaches, arbeiten. Fundierte Vorstellungen, wie Menschen „wahr“-nehmen, wie Organisationen funktionieren, wie die Schnittstelle Menschen und Organisation gedacht werden kann — sind notwendig, um als Berater oder Coach wirkungsvoll und damit hilfreich zu sein. 
Unsere Untersuchungen in der Beratungsforschung zeigen, dass sich Berater mehr auf Werkzeuge und „Praxisvorstellungen“ stützen und daher viel an Wirkung einbüßen.
Insbesondere in den sich abzeichnenden radikalen Veränderungen in vielen Branchen machen fundierte Konzepte im Hintergrund den Unterschied, ob ein Veränderungsvorhaben Erfolg hat oder nicht.

Wo ordnen Sie hier Ansätze wie „Agile Organisation“ oder „Selbstorganisation“ ein und kann Coaching bei diesen Ansätzen hilfreich sein?

Rupert Hasenzagl: „In der Beratungsforschung sehen wir hinter den „agilen Ansätzen“ eher Methoden und praxisorientierte Ansätze, die gar nicht so neu sind und in denen die Annahmen beispielsweise bezüglich Menschen- und Organisationsbild häufig statt auf fundierte Modelle, eher auf Ideologien und massiv verkürzte Vorstellungen zurückgreifen. 
Coaching, wenn es eine gute theoretische Basis hat, kann hier in zweierlei Hinsicht hilfreich sein: Einerseits kann dadurch ein Anstoß in Richtung Blick auf die Grundannahmen von agilen Projekten erfolgen, andererseits können durch Coaching die Probleme die bei den Einzelnen in solchen Veränderungsprojekten auftreten mit hohem Erfolgspotenzial bearbeitet werden.

Was sind theoretische Grundlagen, die als Basis dienen können?

Rupert Hasenzagl: „Die derzeit wahrscheinlich stärkste theoretische Basis sowohl für Coaching als auch für Organisationsberatung bietet die neuere Systemtheorie. Das Problem dabei ist, dass in der Beratungspraxis sehr oft nicht „systemisch drin ist, wenn systemisch drauf steht“. „Systemisch“ als vermeintlich gutes Verkaufsargument ist immer noch deutlich öfter zu finden, als echte systemische Fundierung.
Es gibt zu dem Thema mehrere Publikationen, die sich vor allem an interessierte Praktiker richten. Beispielsweise erscheint im September eine Abhandlung von mir gemeinsam mit Wolfgang Güttel, dem Linzer Universitätsprofessor für Changemanagement in der Austrian Management Review. In der Arbeit geben wir einen Überblick über verschiedene Beratungsansätze bezüglich ihrer Fundierung und vergleichen das Wirkungspotenzial. Eine ähnliche Analyse gibt es ebenfalls in der Austrian Management Review zum Thema Coaching (Hasenzagl, R. & Müller, B. in Austrian Management Review, 4 (2015)). Wir wollen mit solchen Arbeiten den Praktikern eine Orientierung in der heterogen Beratungs- und Coaching-Landschaft geben und einer besseren Fundierung der Beratung Vorschub leisten.“ 
(Anmerkung: Wenn Sie Interesse an den Artikeln haben — die Zeitschriften liegen für Sie in der Bibliothek der Beratergruppe Neuwaldegg auf).

Wer Interesse an systemischer Fundierung und einem praxisorientierten Einstieg in die neuere Systemtheorie hat, der findet im neuwaldegger coaching programm eine solche „Systemische Beraterschmiede“. Der nächste Lehrgang mit Franziska Fink und Professor Hasenzagl startet im Oktober 2018. Für weitere Informationen hier klicken