Warum Dich das Wort “Disziplin” nicht weiterbringt

Jeder kennt die Redewendung, das Wort sei mächtiger als das Schwert. Doch ist dieser Effekt immer vorteilhaft? Der US-amerikanische Schauspieler und Kampfkünstler Bruce Lee hat in seinem legendären Interview von 1971 seinen Missmut über Kategorisierungen von Kampfstilen zum Ausdruck gebracht. Welchen Sinn macht es, in solchen Kategorien und Begrifflichkeiten wie „japanischer Kampfkunst“ o.Ä. zu denken, so lange die Aufgaben immer die Gleiche ist: Sein Gegenüber ausgestattet mit 2 Händen und Füßen zu überwinden.

Der Irrsinn aus allem eine Abgrenzung zu produzieren

Offensichtlich neigen wir Menschen dazu, Wortschöpfungen zu erfinden, deren Existenz zu einer Self-Fullfilling-Prophecy werden.

Eines dieser Wortschöpfungen ist „Disziplin“.

Disziplin. Wir behandeln “Disziplin” als eine Art Währung von dem wir viel oder auch wenig haben können. Entweder sind wir stolzer Besitzer, weil wir so viel davon haben und uns so viele Erfolgsmomente leisten. Oder wir haben zu wenig, so dass unsere Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt werden.

Der Spanischkurs, den wir lange machen wollten: Keine Disziplin.

Unser Workout, den wir endlich durchziehen sollten: Keine Disziplin

Also verhält sich Disziplin zu Aktion wie Geld zum Erwerb eines Ferrari? Nein!


Ruzbeh verstand diesen Vergleich erst nach dem ich es ihm aufgezeichnet habe!

Auf die Spitze getrieben wird das Ganze im deutschen Sprachgebrauch durch den Ausdruck „innerer Schweinehund“. Nun transformieren wir das Wort “Disziplin” sogar in ein einem feindlich gesinntes Lebewesen. Man hat nun also eine Art Videospiel-Endgegner der Marke „unüberwindbar“?

Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich kein makelloses Beispiel bin.

Gibts nicht auf Rezept: Der Wirkstoff Pedandikum

Aber es hilft manchmal, sich bewusst zu machen, dass jedes Projekt bereits eine ganze Reihe natürlicher Hürden mit sich trägt. Wenn wir “Mangel an Disziplin” als weiteres Hindernis dazu dichten, hilft uns nicht das unbedingt weiter, oder?

Abstrahieren wir unsere Entscheidung von der Frage ob wir genug Disziplin haben oder nicht, so ist die Residualgröße nichts weiter als eine Entscheidung: Für oder gegen das Aktivwerden. Ein Boolescher Wert, nämlich 0 oder 1, ja oder nein!

Also wozu beschäftigt wir uns mit der „Disziplin“-Frage, wenn wir stattdessen die gleiche Energie verwenden können, um die ersten Schritte Richtung Ziel zu gehen?