Über den guten Umgang mit Spielverderbern: Wie Du Neinsager, Dauerskeptiker und Blockierer zurück an Bord holst.

Der Raum ist gut gefüllt, als ich ihn betrete und mich strahlen zustimmende Gesichter an, ohne dass ich mein erstes Slide überhaupt gezeigt habe. Soeben hat der Kickoff einer grossen konzernweiten Transformation stattgefunden, die viele grosse und kleine Veränderungen mit sich bringt. Nach meinem letzten Slide klatschen meine Kollegen und einige hält es nicht mehr in ihren Sitzen! WOW!

Der Workshop war ein voller Erfolg und verlief exakt nach Drehbuch. Die daraus ableitenden Streams verlaufen übers Jahr reibungslos. Nur hier und dort wird fachlich und sachlich diskutiert.

Kennt Ihr das? Nein? Wir auch nicht!

Alexander Mills: Young hippster guy in wheat field showing middle finger

Denn natürlich verlaufen Projekte niemals so aalglatt. Es sei denn Du bist CEO und erteilst einen Befehl, den Deine Untertanen ehrfürchtig befolgen.

Ob Du nun Leiter einer Transformation bist -ohne disziplinarische Kompetenzen ausgestattet natürlich- oder die Projektleitung für eine Veränderung verantwortest: Dein Erfolg hängt davon ab ob Du es schaffst, die beteiligten und betroffenen Menschen zum Mitmachen zu animieren.

Doch egal wie sorgfältig Du Deine Kommunikation planst. Egal wie pro-aktiv Du die Leute abholst. Egal wie unaufdringlich Du diese Herausforderung angehst: Es wird sie geben:

Die “Nicht mehr dieses Jahr…” Kollegen.

Die “Worum geht es, bitte? Habt ihr mit Abteilung xy gesprochen , ich dachte die machen das Thema?” Stakeholder.

Die “Das ist eine gute Idee, aber ich vermute bei uns im Konzern klappt das nicht” Manager.

Die “Da brauche ich aber mehr Ressourcen” Teammitglieder.

Die Leute in den Workshops, die die kleinsten Ungenauigkeiten in der Wortwahl zum Grund nehmen ihrem Unmut freien Lauf zu lassen:

Also, als ihr von User statt von Customer gesprochen habt, habt ihr mich verloren. Wir vom Marketing sind näher dran bei Customer, aber ich dachte wir reden hier von Userbehaviour? Das war jetzt nicht so gut abgestimmt mit der Line!

Habt ihr oben Genanntes schon mal erlebt? Ja? Wir auch!

Wir sind nicht die ersten, die sich das fragen :)

Daher haben wir recherchiert und auch Bekannte und Kollegen nach ihren Wunderwaffen und Strategien gefragt, wie wir mit Menschen umgehen sollten, von denen wir das Gefühl haben, dass sie (un)absichtlich die Arbeit einer Gruppe sabotieren.


1- Unkooperativen Kollegen mehr Verantwortung übertragen

Es gibt den schönen Spruch “Betroffene zu Beteiligten zu machen”. Dabei gilt es diejenigen, die sich gegen das Projekt sträuben, stärker einzubinden und somit ihren Output messbarer zu machen. Dadurch können sie sich stärker mit der neuen Lage identifizieren oder sich erst recht distanzieren. In beiden Fällen befreit es den Schwebezustand der Rolle der betroffenen Person.

2- Respektiere Denkhaltungen, die Du nicht nachvollziehen magst

Blockierer, Spielverderber und Dauerskeptiker meinen es meistens gar nicht böse. Sie fühlen sich mal abgehängt, mal nicht ernst genommen oder missverstanden.

Daher ist es wichtig, dass Sie spüren, dass Du ihre Meinung gehört hast und diese respektierst. Ein Weg dahin ist es in einer Diskussion zuerst den Standpunkt des Gegenübers so aufzunehmen, dass Du es mit eigenen Worten wiedergeben kannst. So zeigst Deinem/r Gesprächspartner/in, dass Du ihn/sie tatsächlich verstanden hast.

Das ist die beste Grundlage dafür, um das Gespräch einvernehmlich weiterzuentwickeln und Fronten aufzuheben.

3- Sei wie Wasser

Die Grundhaltung asiatischen Kampfkunst ist es, den Drive deines Gegners aufzunehmen, um ihn zu besiegen, anstatt zerstörerisch dagegen zu halten.

Die Kollegin beschwert sich, dass die Meetings zu lange dauern? Stell ihr die Wahl frei, ob sie am Meeting teilnehmen oder lieber in der Zeit Mails beantworten möchte.

Der Kollege findet er kommt in Workshops zu wenig zu Wort? Spann ihn ein für den nächsten Workshop und überlasse ihm die Bühne.

Dadurch bindest Du Deine Kollegen da ein, wo sie ihre Energie einbringen und mitgestalten möchten!

4- Sei der grössere Spielverderber

Roadhouse…

Bei der nächsten Diskussion nimmst Du die Einwände des Nörglers, stimmst ihm zu und übertreibst es, bis es eine absurde Wendung nimmt. Meistens erhälst Du eine neue Antwort auf die Eingangsfrage, die konstruktiver ist.

Rabiat? Vielleicht. Effektiv? Probiers mal aus 😉

5- Fokussiere Deine Arbeit auf die motivierten Mitglieder

Alessandro De Bellis

Eine Kollegin hat mir mal erzählt, dass sie sich in ihrem Team nur auf die Mitarbeiter fokussiert, die motiviert sind und anpacken wollen. Diese bekommen die spannenden Projekte. Diejenigen, die auf Teufel komm raus nicht kooperieren wollten behandelt sie wie Auslaufmodelle für Tätigkeiten, die bald auch auslaufen.

Das wäre nicht die erste Massnahme, aber irgendwann ist auch mal gut 😊

#toxicpeople

6- Evidenz > Meinung!

Wenn Meinungen auseinander laufen, sprechen Teammitglieder plötzlich nicht die mehr gleiche Sprache und einige ziehen sich komplett zurück, weil nur noch Standpunkte aufeinander treffen.

Wenn ihr an diesem Punkt angelangt seid, könntet ihr mit dem Team die Zielerreichung in (neuen) messbaren Einheiten einteilen und damit Transparenz schaffen. Statt un-strukturierte Diskussionen zu führen, einigt ihr Euch auf die Daten, mit denen ihr euren Erfolg oder Misserfolg misst und mit welchen Tätigkeiten ihr das erreichen wollt.

…und falls auch das nichts bringt, kommen wir zum letzten Punkt….

7- Durchatmen, Abstand gewinnen und die Anderen einfach mal machen lassen :)

Manchmal sollte man seine Person von den Inhalten trennen

Danke an unsere Experten Dennis, Mario, Susanne, Johann und Martin, die uns für diesen Artikel ihre persönlichen Tipps gegeben haben ❤

Das Nicht-Zitat von Churchill kommt heute von Shannon L. Alder