Blockchain im Banking wird ohne Design nicht funktionieren

BLOXXON AG
Mar 2 · 5 min read

Blockchain ist heute einfach noch zu kompliziert — ob im Gesundheitswesen oder im Finanzbereich. Seit Beginn der globalen Blockchain-“Ära” versuchen sich junge Unternehmen — aber auch etablierter Player wie Banken — gegenseitig zu übertrumpfen und vergessen bei all dem Hype und Begeisterung um die Technolgie den wichtigsten Faktor: der Mensch.

Zur Realisierung des enormen Potenzials der Blockchain-Technologie ist — wie bei jeder Form von neuer Technologie — eine breite Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit der neuen Anwendungen notwendig.

Für den “normalen” Menschen ohne tiefgründiges, technisches Wissen, ist es aufgrund der Komplexität der Technologie äußerst schwierig, sie gänzlich zu verstehen. Die meisten Unternehmen versäumen es, die Erklärung ihrer Produkte für diese (in der Regel die Mehrheit) Nutzer zu vereinfachen und setzen stattdessen auf einen extremen Fachjargon, der im Zweifel nur von der eigenen IT-Abteilung wirklich verstanden wird. Die Folge ist jedoch: Durch die Unsicherheit sinkt die Wahrscheinlichkeit der Massenadoption.

Die Massenanwendung der Blockchain wird ein Designproblem sein — kein Technologieproblem.
Jens Siebert, Vorstand der Bloxxon AG

Ein Design, das den Nutzer in dem für sie üblichen Stil anspricht, ist der Schlüssel zur Realisierung einer breiten Akzeptanz der Technologie. Selbst kleinste Verbesserungen in der Benutzerfreundlichkeit von Blockchain-Anwendungen können einen breiteren Zugang ermöglichen. Ein Beispiel für eine außerordentlich gute Benutzerführung ist die Integration von Kryptowährungen in die Banking-App von Revolut. Als Nutzer kann mir die Funktionsweise von Privat/Public Keys egal sein, denn sie werden damit einfach nicht konfrontiert.

Entwickeln, was Nutzer brauchen, nicht was technologisch möglich ist.

Die Diskussionen rund um das Thema waren und sind aktuell noch sehr technisch fokussiert. Innovationen finden in vielen Fällen ihren Ursprung in der Frage nach dem, was mit einer Technologie möglich ist und nicht nach dem, was Nutzer eigentlich brauchen.

Um erfolgreich zu sein, brauchen neue Technologien beides: Eine bequeme Nutzerführung und einen verständlichen Mehrwert für den Nutzer. In Wirklichkeit korreliert der Erfolg einer Technologie ganz stark mit dem Grad der Nutzerfreundlichkeit.

Glauben Sie, das iPhone wäre mit einer weniger guten Benutzeroberfläche genauso so erfolgreich geworden? Mit Sicherheit nicht. Das Smartphone hatte innovative Technologien im Einsatz (Multi-Touch-Display oder Gyroscope) aber Menschen waren weniger davon als vom geschmeidigen und klaren User Interface (Zoom-Funktion, Web Browsing) überzeugt. Und genau das hat Apple auch kommuniziert.

Noch heute liegt einer der großen Vorteile bei der Nutzung von iOS Geräten in der intuitiven Bedienung und geringen Einarbeitungszeit. Etwas zu verstehen kostet Zeit und Zeit ist Arbeit. Anwendungen müssen heutzutage ohne großen Einarbeitungsaufwand in den Alltag von Nutzern integrierbar sein. Das gleiche gilt auch für Blockchain-Anwendungen. Warum viele Menschen von der Technologie dennoch nicht überzeugt sind liegt eindeutig nicht in der Technologie selbst, sondern in der mangelhaften Anwendung grundlegender Design-Prinzipien.

Blockchain-Terminologie soll Nutzer nicht verschrecken

Dezentrale Datenbanken, Mining, Proof-of-Work, Hash-Funktionen und smarte Protokolle. Klingt alles sehr technisch — und das ist es auch.

Gründer von Blockchain Projekten tragen die Verantwortung, Menschen darüber aufzuklären, wie die neue Technologie im konkreten Fall funktioniert und welche Vorteile sie ihnen bietet. Menschen tendieren dazu, Entscheidungen durch das Vergleichen verschiedener Alternativen zu treffen. Doch dazu mangelt es ihnen beim Thema Blockchain einfach am grundlegenden technischen Verständnis. Mit technisch komplexen Whitepapern ist dieses Ziel definitiv nicht erreicht.

Aber wie viel von der Blockchain-Technologie müssen Alltags-Anwender wirklich verstehen?

Eine ähnliche Frage könnte sein: Wie viel muss jemand über TCP/IP wissen, um eine E-Mail zu senden? Die Antwort — nichts.

Während Blockchain oder TCP/IP die grundlegende Technologie für eine Reihe von digitalen Produkten und Dienstleistungen ist, werden technisch weniger affine Nutzer durch das hoch-technische Jargon entfremdet. Empathie für diese potenziellen Nutzer und ein größeres Verständnis ihres Verhaltens können die Kommunikation vereinfachen und so sicherstellen, dass die Informationen klar und wertvoll übermittelt und aufgenommen werden.

Menschen wollen zwar verstehen wie Blockchain-Anwendungen sich von den Anwendungen unterscheiden, die sie bislang genutzt haben — vielmehr interessiert sie jedoch, welche praktischen Vorteile die neuen Produkte für sie haben.

Design hilft Vertrauen aufzubauen

Das Wichtigste bei der Entwicklung von Blockchain Anwendungen ist, dass sich bei den Apps oft alles um persönliche Finanzen und innovative Finanzprodukte dreht — Benutzer, die solche Anwendungen nutzen möchten, werden zunächst vorsichtig agieren. Sie möchten die Anwendungen und — noch wichtiger — das Team hinter dem Projekt besser kennen lernen. Deshalb ist es unglaublich wichtig bei der Entwicklung immer den Fokus auf Vertrauen zu setzen.

Während sich der Aufbau von Websites und anderen Design-Trends im Laufe der Zeit weiterentwickeln, zeigt die Usability-Forschung, dass Prioritäten von Nutzern und deren Methoden zur Bewertung der Glaubwürdigkeit einer Website konsistent geblieben sind.

Die Nielsen Norman Group, führend in der UX- und Usability-Forschung, hat vier Glaubwürdigkeitsfaktoren identifiziert, die die Vertrauenswürdigkeit einer Anwendung kommunizieren:

  • Qualität des Designs (Konsistente Farben, gute Navigation und Nutzung von Grafiken)
  • Darstellung aller relevanten Informationen (Keiner mag versteckte Kosten)
  • relevanter und verständlicher Content (Die Frage, was der Nutzer braucht und wie das Problem gelöst wird muss beantwortet werden)
  • und eine Verbindung zum Rest des Internets (Vergleichsportale, Google Bewertungen, Social Media)

Ein konsistentes UI und Ikonographie, eine einfache und jargon-freie Ansprache und die Verwendung konsistenter Designmuster, um den Lernaufwand zu reduzieren, sind absolut unentbehrlich.

Produkt-Manager sollten bereits während der Entwicklung Demo-Phasen integrieren, in denen sie die UI und UX zukünftigen Nutzern zeigen und Feedback von ihnen sammeln.

„Wenn dezentrale Systeme die Art und Weise verändern, wie Menschen miteinander interagieren, dann kann Vertrauen das wichtigste Designelement der Zukunft sein.“
- Jens Siebert, Vorstand der Bloxxon AG

Fazit

Im Allgemeinen ist die Welt der Blockchain aktuell noch sehr technisch und zu wenig an ihren potentiellen Nutzern orientiert.

Die Anbindung an den Mainstream ist dennoch entscheidend, um das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen. Projekte, die die Vorteile bewährter, nutzerzentrierter Designansätze nutzen, werden besser geeignet sein, ihren einzigartigen Wert auf eine Weise zu kommunizieren, die für die Mehrheit der Menschen leicht verständlich ist.

Über BLOXXON

Bloxxon bündelt Digital Asset & Investment-Kompetenzen mit den Services Custody, Tokenisierung und Asset Servicing für Crypto Assets. Mit eigenen Lizenzen für die Kryptoverwahrung, Anlagevermittlung und Finanzportfolioverwaltung ist BLOXXON führender Crypto-as-a-Service Partner für Investmentgesellschaften, Vermögensverwalter und Banken. Unternehmen und Asset Managern bietet BLOXXON einen One-stop-Shop für tokenisierte Wertpapieremissionen. Emittenten wie die L’Osteria und renommierte Bankpartner wie Hauck & Aufhäuser vertrauen auf die Leistungen der BLOXXON.

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