Zunehmende Jobangebote und fehlende Fachkräfte — Recruiting in Coronazeiten

Pia Ziehler
blueworld.group
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3 min readDec 15, 2021

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Es ist eine verrückte Zeit — jeder Einzelne musste in den letzten beiden Jahren lernen, mit einer Situation umzugehen, die die gesamte Welt auf den Kopf gestellt hat: die Corona-Pandemie.

Neben all den schrecklichen Auswirkungen, die die Pandemie bisher mit sich brachte und weiterhin mit sich bringt, entwickelt sich zunehmend eine besondere Herausforderung im Recruiting.
Die Coronazeit hat Bewerber offenbar vorsichtig werden lassen — viele Branchen leiden wirtschaftlich sehr und so scheint sich jeder genau zu überlegen, ob es in dieser Zeit sinnvoll ist, einen sicheren Arbeitsplatz zu verlassen.

Hinzu kommt, dass all diejenigen, die nicht das Glück eines sicheren Arbeitsplatzes haben oder sich doch mutig auf den Markt wagen, stark umworben werden. Wir bewegen uns also in einen absoluten Bewerbermarkt. War for Talents 2.0.

Je nach Branche führt dies nun dazu, dass für gute Talente noch tiefer in die Tasche gegriffen werden muss. Leider betrifft das häufig gerade die Branchen, die wirtschaftlich am stärksten unter der Pandemie leiden — die Gastronomie beispielsweise. Aufgrund des stark reduzierten Bewerberaufkommens müssen zahlreiche Betriebe geschlossen werden und durch die Pandemie ist Fachpersonal schwerer zu finden als je zuvor. Vor allem in der Gastronomie haben sich Fachkräfte aus Angst vor neuen Lockdowns und den daraus resultierenden Folgen wie Kurzarbeit, Massenentlassungen und Insolvenzen umorientiert.
Wer in der Gastronomie genug Personal finden möchte, muss sich zwangsläufig mehr mit Quereinsteigern beschäftigen — diese haben es nun leichter auf dem Markt.

Aber nicht nur der gewerbliche Bereich leidet unter dem Bewerbermangel, nahezu jeder Personaler singt aktuell dasselbe Klagelied: Wir können unsere Stellen nicht besetzen! Maximal gleichen wir die stärker werdende Fluktuation aus. Dies zieht sich durch alle Branchen.

Durch all diese Auswirkungen auf das Recruiting muss sich jedes Unternehmen unumgänglich damit auseinandersetzen, wie diese Spirale durchbrochen werden kann. Einerseits müssen bestehende Mitarbeiter gut durch die Corona-Pandemie begleitet werden, damit die Fluktuation der besten Talente nicht steigt und zum anderen müssen im Recruiting neue Wege gefunden und gegangen werden, um es Bewerbern so einfach wie möglich zu machen.

Kommunikation, das Gefühl von Sicherheit vermitteln, Wertschätzung — all das ist für bestehende Mitarbeiter nun wichtiger als je zuvor. Durch Homeoffice und reduzierten Kontakt kann sich eine Distanz einschleichen, die sowohl dem Mitarbeiter selbst, dem Team als auch dem Unternehmen auf Dauer schadet. Kontakt halten ist die Devise. Jedes Unternehmen, das auch schon vor der Corona-Pandemie viel digital gearbeitet hat, profitiert jetzt besonders davon.

In der Personalgewinnung treten im Prozess die Aspekte der Sicherheit gleichermaßen verstärkt nach vorn. Branchen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, haben hier natürlich aktuell die größten Schwierigkeiten, diese Sicherheit vermitteln zu können. Hier ist Transparenz und Offenheit mehr denn je gefragt.

Vor allem aber zeigt sich auf dem Bewerbermarkt ein Trend: Es muss einfach sein. Der Bewerber von heute möchte zumeist keinen großen Aufwand betreiben. Die One-Click-Methode boomt nicht nur beim Shoppen, sondern ebenfalls bei der Bewerbung. So kann mittels One-Click der eigene hochgeladene Lebenslauf mit einem Klick an Unternehmen versendet werden, die in den jeweiligen Stellenbörsen Vakanzen ausgeschrieben haben.

Der zweite Schlüssel neben Einfachheit ist Schnelligkeit. Umso schneller die Rückmeldungen erfolgen und umso kurzweiliger der gesamte Prozess ist, desto eher sichert man sich die hart erkämpften Talente.
Besonders wertvoll ist in Zeiten wie diesen aber auch vorausschauendes Recruiting: Talent-Pools sind schon immer sinnvoll gewesen, heute aber nahezu unverzichtbar. Stellen, die schwer zu besetzen sind, sollten frühzeitig ausgeschrieben werden, damit die Chance besteht, hierfür einen Pool aufzubauen. Dies ermöglicht die schnelle Kontaktaufnahme mit interessierten Menschen, die bestenfalls direkt eingestellt werden können.

Es ist eine verrückte Zeit — wir haben alle schon viel aus der Pandemie lernen können und so manche Herausforderung meistern müssen. Eines unserer größten Learnings aus der Pandemie ist die Wichtigkeit des Kontakthaltens. Nicht nur privat in Zeiten von Social Distancing, sondern auch mit den Bewerbern, Mitarbeitern und dem gesamten Team.

In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten.
Albert Einstein

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