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Vernetzung & Impulse

5 Learnings für eine bessere ARD Mediathek

Erstes ARD-weites Treffen für Formatentwicklung

Unter dem Titel “stories & strategies” haben sich im Oktober erstmals Formatentwickler:innen aus der ARD, dem ZDF, dem Kika und der Deutschen Welle in München getroffen. Ziel des Treffens: Mehr Vernetzung und neue Ideen für die ARD Mediathek. Hier unsere fünf Key-Learnings.

Dokumacher Michael Schmitt mit den Moderator:innen Fumiko Lipp und Thilo Kasper beim Keytalk des Formatentwickler:innen-Treffens “stories & strategies”.

Vor wenigen Jahren wäre so ein Treffen wie “stories & strategies” undenkbar gewesen: Denn da gab es das Berufsbild (Digitale:r) Formatentwickler:in noch gar nicht.

Heute gibt es mit der digitalen Entwicklungsredaktion bei BR Next nicht nur eine Einheit im Bayerischen Rundfunk, die sich der nutzerzentrierten Contententwicklung verschrieben hat — auch in anderen öffentlich-rechtlichen Medienhäusern ist dieses Berufsbild etabliert.

Ein Ziel, das alle eint, ist klar: Exzellenter Inhalt für die ARD Mediathek, so dass diese zu einem der relevantesten Streaminganbieter Deutschlands wird.

Hier sind zusammengefasst fünf Learnings aus den verschiedenen Talks und Sessions des Tages, mit denen wir diesem Ziel ein Stück weit näher kommen wollen.

V.l.n.r.: Maxi Droste (Stv. Head of Content ARD Mediathek), Jonas Schlatterbeck (Head of Content ARD Online) & Salvan Joachim (Teamlead Digitale Formatentwicklung BR) eröffneten das Event auf der Bühne des Studio 2 im BR-Funkhaus.

1. Vernetzt euch!

Herausragende Formate entstehen oft dort, wo sich “Landesrundfunkanstalten zusammentun und ihre Power bündeln”, regt Maxi Droste an, stellvertretende Head of Content der ARD Mediathek. Das führe nicht unbedingt zu mehr Inhalten, dafür aber womöglich zu welchen, die wirklich herausstechen.

Nicht immer braucht es dafür gänzlich neue Formate, sagt Thilo Kasper, Teamlead der Content-Strategie und verantwortlich für Dokus bei der ARD-Mediathek: “Es geht auch darum, das, was da ist, noch besser zu machen.”

(V.l.n.r.: Uljana Kosarew, Carolin Haasis und Thilo Kasper aus dem Content-Team der ARD Mediathek präsentieren die Programmvision der Mediathek.)
(V.l.n.r.: Uljana Kosarew, Carolin Haasis und Thilo Kasper aus dem Content-Team der ARD Mediathek präsentieren die Programmvision der Mediathek.)

2. Mutige Dokus sind unsere Zukunft

Michael Schmitt, Autor und Regisseur von erfolgreichen Doku-Projekten wie “Shiny Flakes: The Teenage Drug Lord” (Netflix) oder “Ungleichland” (WDR) erläutert, warum sich besonders aufwendige Visualisierungsideen in Dokus lohnen: Sie ziehen das Publikum in ihren Bann und sorgen dafür, dass die Doku aus der Masse heraussticht.

Schmitt bezieht sich dabei beispielhaft auf die frameweise geplante Exposition oder den detailverliebten Nachbau des Kinderzimmers des jugendlichen Drogendealers für eine Nacherzählung in seiner “Shiny-Flakes”-Doku. Außerdem, so Schmitt: Es muss nicht alles sehr eingängig sein — wir können unserem Doku-affinen Publikum viel zutrauen, so Schmitts Appell.

3. Design Sprints sind kein Allheilmittel

Eine der insgesamt fünf inhaltlichen Nachmittags-Sessions trug den provokanten Titel “Scheitern mit Ansage: 3 Gründe, warum Design Sprints nicht funktionieren”. Mit diesem Input will Katharina Köth (UX-Designerin und Gründerin ihrer Firma “Creative Compexity) aber nicht darauf hinaus, “dass wir nicht mehr sprinten”.

Vielmehr gibt sie zu bedenken, dass Design Sprints nur ein Teil von Neuentwicklungen sind, aber weder deren Anfang noch ihr Ende. Laut Köth wird er aber häufig als “Allheilmittel” für zu große und unkonkrete Ziele gesehen.

Ihr Appell: Mit Design Sprints lieber kleinere und sehr konkrete Probleme lösen. Was für Formatentwicklungen übersetzt bedeutet: Die Arbeit beginnt weit vor dem Design Sprint, wenn das Ziel klar herausgearbeitet werden muss — und ist nach dem Sprint noch lange nicht fertig.

Katharina Köth appellierte in ihrer Session zu Design Sprints, die Methode nicht als “Allheilmittel” zu betrachten, sondern gut vor- und nachzubereiten.

4. Formatadaptionen für den deutschsprachigen Raum

Nicht jedes Rad muss neu erfunden werden. Von den BBC Studios, einer Tochter- und Produktionsfirma der BBC für den deutschen Markt, präsentieren Lea Gamula und Hannah Kloth, wie sie international bereits erfolgreiche Formate recherchieren, lizenzieren und dann für den deutschsprachigen Raum adaptieren.

Das bedeutet, dass vielversprechende Formatkonzepte eingekauft und anschließend für die speziellen Bedürfnisse des Publikums in Deutschland weiterentwickelt werden.

Dabei werden zum Beispiel andere Formatköpfe gesucht, die besser zur Zielgruppe passen. Oder es werden einzelne Formatelemente verändert, weil sie im deutschsprachigen Raum womöglich schlechter funktionieren. Das Vorgehen kombiniert gute neue Ideen mit dem Wissen, dass diese schon einmal erfolgreich wurden.

Hannah Kloth von BBC Studios Germany präsentierte, wie die BBC-Tochterfirma erfolgreich Formate adaptiert.

5. Guter Journalismus braucht gutes Design

Im Digitalen muss man sein Publikum vor jedem Klick überzeugen — dabei hilft herausragendes, zielgruppengerechtes Design. “Design ist ein guter Spiegel: Wie steht unser Produkt eigentlich da? Das wird gerne unterschätzt”, erläutert Jorin Gundler vom HR.

Wie seine Kolleg:innen vom Motion Design Team des BR arbeitet er derzeit am Design neuer Formate für die Mediathek. Und sie sind sich einig: Im besten Fall sorgt das Design neben dem Inhalt dafür, dass Produkte bei der dafür vorgesehenen Zielgruppe zu Marken werden.

Dafür lohnt es sich, das Design nicht als Dienstleistung kurz vor dem Release eines neuen Formats zu betrachten, sondern beide Gewerke schon früh in Entwicklungen zu verknüpfen.

ARD-Vernetzung in der Praxis: Joris Gundler, Max Hofstetter, Thomas Wecker und Hannah Wiesner von HR & BR hielten eine gemeinsame Session zu zielgruppengerechtem Design.
ARD-Vernetzung in der Praxis: Joris Gundler, Max Hofstetter, Thomas Wecker und Hannah Wiesner von HR & BR hielten eine gemeinsame Session zu zielgruppengerechtem Design.

Weil in den Sessions von “stories & strategies” Raum für offene Diskussion und Kritik geschaffen werden sollte, wurden diese nicht aufgezeichnet und sind daher nicht zum Nachschauen verfügbar.

Das Team von “stories & strategies — Der erste Formatentwickler:innen-Tag der ARD” waren bei BR next: Luca Aschenbrenner, Margarete Jall, Lennart Bedford-Strohm, Thomas Becht, Salvan Joachim und Manuela Baldauf.

Bei der ARD Mediathek: Uljana Kosarew, Thilo Kasper und Johannes Hauer.

Die Moderation des Tages übernahm Fumiko Lipp vom BR. Durch die Sessions führten Kira Drössler, Nico Brugger, Thomas Becht und Lennart Bedford-Strohm.

Die Session-Speaker*innen des Tages waren: Lea Gamula & Hannah Kloth (BBC Studios Germany), Maria Thörnqvist (SVT, Schweden), Katharina Köth (Creative Complexity), Jorin Gundler & Thomas Wecker (HR Programmdesign), Hannah Wiesner & Max Hofstetter (BR Motion Design).

Wir bedanken uns bei all den vielen weiteren Personen, die dieses Event unterstützt und möglich gemacht haben!

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Wir arbeiten in den verschiedensten Bereichen im BR an seiner Zukunft. Wir sind Entwickler:innen, Journalisten:innen, Designer:innen, Produktmanager:innen, Gründer:innen, Innovationstreiber:innen. Hier teilen wir mit euch, was wir dabei lernen. Impressum: https://br.de/s/7Me6SL

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Thomas Becht

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Journalist / Stv. Teamlead Digitale Formatentwicklung des Bayerischen Rundfunks