Agiles Arbeiten

So leben wir New Work

Zehn Prinzipien, die uns in der Praxis helfen

Manuela Baldauf
Oct 5 · 5 min read

Hier lest ihr, welche zehn Ansätze aus dem New-Work-Kosmos uns in der digitalen Entwicklungsredaktion des Bayerischen Rundfunks vorwärts bringen. Besser schnell lesen, ehe sie sich wieder ändern…

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Photo by Marvin Meyer on Unsplash

Better done than perfect. Eigentlich wollte ich diesen Text schon vor Monaten schreiben. Dann kam die Pandemie und viele unserer Arbeitsweisen wandelten sich wieder. Deshalb schreibe ich in diesem Blog lieber eine Momentaufnahme unserer Arbeitsweise, einen Werkstattbericht, der vielleicht inspiriert, als ewig an einem perfekt formulierten Essay herumzudoktern.

Das gilt übrigens auch für unsere Projekte: Egal, ob Innovationsprojekt oder Formatentwicklung: Lieber solide produzierte Dinge als Beta veröffentlichen — und dann mit den Nutzer*innen gemeinsam verbessern, als ewig im Lab daran feilen.

Umarme die Veränderung! Denn der digitale Raum verändert sich ständig. Wer hier dauerhaft arbeiten will, muss auch sich ständig entwickeln. Es tut einer Redaktion gut, sich selbst und die eigenen Rituale und Prozesse immer wieder zu hinterfragen.

Im ersten Augenblick denke ich manchmal: „Hatten wir das nicht gerade erst gelöst?“ Und schon hat eine*r eine neue Idee, beispielsweise striktes Timeboxing für unser Weekly, die wöchentliche Redaktionskonferenz. Diese Veränderungen unserer eigenen Arbeitsstrukturen tun uns immer gut und verbessern die Zusammenarbeit (und wenn nicht, schaffen wir sie eben umgehend wieder ab).

Vertrauen ist der Schlüssel. In meiner Redaktion arbeiten lauter Erwachsene — diese können (und müssen) sich und ihre Arbeit selbst organisieren. Wo sie arbeiten, wie und auch wann, ist nachrangig — es geht darum, das vereinbarte Ziel zu erreichen.

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Beste Aussichten: Genau hier entstand dieser Text — im Urlaubs-Office. (BR/Manuela Baldauf)

Dieses Prinzip hat uns sehr geholfen, unsere Arbeit zu Beginn der Pandemie ins Homeoffice zu verlegen und Eltern die Chance zu geben, irgendwie mit der Doppelbelastung Kinderbetreuung/Arbeit klar zu kommen. Wir waren die eigenständige Arbeitsweise bereits gewöhnt und auch die technische Ausstattung war vorhanden — wenn auch der ein oder andere gern einen schnelleren Laptop hätte…

Aber bei Vertrauen geht es um mehr als das Kontrollieren sein zu lassen. Dahinter steht ein Menschenbild, das davon ausgeht, dass jede*r eigentlich gern arbeitet und einen guten Job machen will, dass Arbeit Spaß macht und machen darf. Wenn er oder sie nicht gern arbeitet, gibt es ein Problem, das ans Licht gebracht und gelöst werden muss.

Ziele vereinbaren. Das mit dem Vertrauen klappt jedoch nur, wenn sich alle einig sind, wohin die gemeinsame Reise eigentlich geht. Nicht nur im jeweiligen Projekt, sondern auch als gesamtes Team.

Deshalb organisieren wir regelmäßig Teamtage, wo wir über unsere Ziele als Entwicklungsredaktion, über unsere Projekte und Vorhaben sprechen. Auch über unsere Mission, Vision, die Leitlinien und die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten und zusammenarbeiten wollen, diskutieren wir hier.

Was ich gelernt habe: Dieser Teil des Teamtages braucht viel Vorbereitung, nicht jeder muss immer bei allen Aspekten mitdiskutieren, aber jeder sollte die gemeinsame Richtung kennen.

Klare Rollen sind nützlich. In jedem Team, jedem Projekt gibt es verschiedene Aufgaben und Rollen zu erfüllen. Wenn sich alle darüber bewusst sind, wer was macht und warum er oder sie das tut, verliert die Zusammenarbeit an Reibung.

Beispielsweise haben wir lange darüber diskutiert, welche Aufgaben die Projektleitung hat, welche ein Teamlead und welche die Redaktionsleitung. Alle drei Rollen treiben Projekte an — aber jeder auf einer anderen Ebene. Mir selbst hat die Rollenarbeit dabei geholfen, Details loszulassen, beispielsweise wie eine Website getextet ist, und dafür andere Aufgaben wie Vernetzung zu priorisieren.

Die Transparenz über diese Rollen hilft auch, mögliche Konflikte schon im Vorfeld zu entschärfen. Bonus-Feature: Wenn Rolle und Person getrennt sind, kann man Rollen auch leichter wechseln. Keine*r muss für immer an der jeweiligen Rolle kleben.

Keine Dogmen. Es gibt jede Menge Literatur zu New Work-Arbeitsprinzipien. Vieles davon finde ich sehr spannend (z.B. Niels Pflägings “Organisation für Komplexität”, das Magazin “Neue Narrative” und den Klassiker von Frithjof Bergmann “Neue Arbeit, neue Kultur”).

Warum ich hier dennoch keinen einzelnen New-Work-Ansatz empfehle: Jedes System muss zum jeweiligen Team passen. Es geht darum, das Team so weit wie möglich seinen eigenen Arbeitsraum gestalten zu lassen.

Als Entwicklungseinheit in einer gewachsenen Organisation steht man vor anderen Herausforderungen als beispielsweise ein Start-up. Deshalb nutze ich das gern als Inspiration, rate aber davon ab, ein Prinzip dogmatisch umzusetzen.

Was ich gelernt habe: Lieber das Prinzip an die Bedürfnisse des jeweiligen Teams pragmatisch anpassen und vor allem: Das Team selbst gestalten lassen.

Gemeinsam sind wir stärker. Niemand hat auf das Neue gewartet. Es gehört zu unserem Job, das, was wir tun, zu erklären, Menschen davon zu überzeugen und dafür zu begeistern, egal ob Arbeitsweisen oder Projekte.

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Photo by Brooke Lark on Unsplash

Wer die Unterstützung von anderen Einheiten und Experten gewonnen hat, ist viel stärker, als er allein je sein könnte. Der Bayerische Rundfunk besitzt — wie alle großen Organisationen und Unternehmen — so viel Wissen, so herausragende Ressourcen, so viel Geschichte(n) und Tradition — wer diese Schätze hebt, wird unschlagbar. ;-)

Die konkrete Projektarbeit zählt. Strategien sind wichtig, um zu wissen, in welche Richtung man möchte. Doch nur, wenn man sich tief in die nutzerzentrierte Projektarbeit stürzt, weiß man, was bei der jeweiligen Zielgruppe tatsächlich funktioniert und was nicht.

Bei jedem konkreten Projekt lernen wir viel, selbst, wenn das Projekt scheitert. Diese Erkenntnisse können dann wieder in die strategische Arbeit fließen und sie verbessern, sie quasi mit Leben füllen.

Wissen vermehren und teilen. Jeder von uns lernt ständig dazu. Deshalb versuchen wir einerseits, Wissensaufbau und Weiterbildung zu fördern, andererseits, dieses Wissen auch zu verbreiten.

Wenn jemand etwas Neues gelernt hat, beispielsweise von einer Konferenz zurückkehrt oder neue Fähigkeiten erworben hat, gibt er diese weiter. Je mehr jeder einzelne lernt, umso schlauer werden wir alle.

Das konkret umzusetzen ist nicht leicht: Die einen wünschen sich mehr Tiefe als die anderen. Die besten Erfahrungen haben wir mit einem Kurzformat von drei schlaglichtartigen Learnings im Anschluss an unser Weekly gemacht. Tieferen Einblick gibt es dann bei Bedarf in einer kleineren Gruppe.

Konflikte bieten Chancen. Und manchmal knirscht es. Wie in jedem Team. Konflikte sind immer die Chance, genauer hinzuschauen und Dinge zu verbessern.

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Photo by Frank Busch on Unsplash

Ein Konflikt zeigt immer an, dass etwas nicht klar genug war oder zwei Leute mit unterschiedlichen Zielen oder Wertvorstellungen gearbeitet haben. So ein Konflikt ist zwar oft anstrengend, aber wenn man ihn bewältigt hat, läuft’s gleich wieder viel besser.

Manuela Baldauf leitet seit vier Jahren die digitale Entwicklungsredaktion des Bayerischen Rundfunks „Digitale Entwicklungen und Social Media (DESM)“. Ihre Arbeit gleicht einer aufregenden Reise mit einer sehr bunten und lebendigen Reisegruppe. Die hier erläuterten Prinzipien hat sie in den vergangenen vier Jahren als nützlich empfunden und deshalb in ihren Koffer gepackt.

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Innovative Projekte im Bayerischen Rundfunk

Manuela Baldauf

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Digitaljournalistin, leitet die digitale Entwicklungsredaktion des BR

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Wir arbeiten in den verschiedensten Bereichen im Bayerischen Rundfunk an seiner Zukunft. Wir sind Entwickler*innen, Journalisten*innen, Designer*innen, Produktmanager*innen, Gründer*innen, Innovationstreiber*innen. Hier teilen wir mit Euch, was wir dabei lernen.

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