Foto: Nomos Tangente, go_nils, CC BY 2.0

NOMOS Glashütte — ein sächsischer Mittelständler positioniert sich gegen die AfD

Es sind außergewöhnliche Zeiten, wenn sich ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen zu einem solchen Schritt entschließt:

“Liebe Kunden, liebe Freunde von NOMOS Glashütte”, heißt es in dem Offenen Brief der Geschäftsleitung des Uhrenherstellers: “1989 waren es die Sachsen, die als erste für die Demokratie auf die Straße gingen. Bei den Bundestagswahlen 2017 jedoch wurde hier eine Partei, deren Äußerungen oft außerhalb des demokratischen Spektrums liegen, stärkste Partei: die AfD. Auch in Glashütte gewann sie — hier sogar mit großem Abstand zur CDU. „Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt“, hieß es über 60 Jahre lang. Nun scheint dies nicht mehr zu gelten. Für uns gilt dies mehr denn je. Wir, Geschäftsführung und Mitarbeiter von NOMOS Glashütte, distanzieren uns ausdrücklich von jeglichem rassistischen Gedankengut.

Auch wir in Ostdeutschland haben einst von der Hilfe im wiedervereinigten Deutschland profitiert. Dafür sind wir dankbar und leiten daraus einen Auftrag ab: Wir werden helfen, das Terrain für Freiheit und Demokratie zurückzugewinnen. Natürlich nur ein kleines Stückchen davon. Denn wir fertigen Uhren, wir sind nicht in der Politik. Doch im Rahmen unserer Möglichkeiten — im Unternehmen, vor Ort in Glashütte — werden wir auch weiterhin für Weltoffenheit, Toleranz und Pluralismus werben.

Davon schließlich leben wir auch: NOMOS Glashütte verkauft Uhren nicht vorranging in Sachsen, sondern an Menschen, die gute Uhren lieben, weltweit.”

NOMOS Glashütte ist ein Hersteller von (sehr schicken) Uhren, der — wie der Name schon sagt—seinen Produktionsstandort im sächsischen Glashütte hat. Dies ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:

Erstens, weil Glashütte selbst zur “Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge” gehört und damit tief in Frauke Petrys Kernland liegt. Hier tut das Aufstehen gegen die AfD durchaus auch mehr weh als woanders in Deutschland. Zweitens, weil es sich bei NOMOS Glashütte mit seinen 300 Mitarbeitern wirklich noch um eine Marke handelt, die tatsächlich lokal sehr verwurzelt ist. Glaubt man dem Wikipedia Eintrag über das Unternehmen dürfen nur Firmen, die mindestens 50% Wertschöpfung vor Ort erbringen, den Markennamen “Glashütte” tragen. Im Falle von NOMOS “sind es 75 bis 95 %”.

Dass die Unternehmensleitung hier wirklich aus staatsbürgerlicher Überzeugung handelt, davon kann man ausgehen. Schließlich ist es auch für ein Unternehmen nicht “bequem” eine solche Aussage zu treffen — gerade in einer Region wie der eigentlich wunderschönen Ecke rund um Glashütte. Dennoch scheint aber noch ein weiteres Thema das Unternehmen zu drücken. Laut einem Handelsblatt-Artikel haben einige Kunden bereits Uhr-Bestellungen bei dem Unternehmen storniert.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Brand Safety Blogs der Leadership Agency PLOT erschienen.

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