Birds In Row - Personal War

Deathwish/Indigo/13.11.2015

Während der Rest des Posthardcore seinen Sinn in Experimenten sucht, haben Birds In Row ihn im Zerrissensein gefunden. Ihr zweites Album ist gar keins. Sondern eigenwillig aufgeteilt auf drei Songs für eine Split-EP mit den befreundeten WAITC beim Label Throatruiner und nicht näher eingeordnete sieben Stücke für Deathwish. In die Bestenlisten welcher Formate man Personal War am Jahresende aufnimmt, bleibt also offen; im Genre gehört es ganz nach oben. So radikal wie die düsteren Franzosen stürzt sich sonst niemand in halsbrecherische Verzweiflungssongs, und seit den Abwegen von La Dispute und Pianos Become The Teeth sowieso nicht mehr. Schon auf You, Me & The Violence waren Birds In Row die konsequent Düsteren, die für melancholische Postrockduselei nicht anhielten, sondern sie mit auf den rhythmischen Sturzflug nahmen, die auf Bildern keine Gesichter zeigten und auf spendenbasierten Bühnen nur von kalten Bauscheinwerfern angestrahlte Beine in schwarzen Skinny Jeans. Unfassbare Hits schreiben sie so erst recht, mit Haltung statt mit Selbstmitleid, weil das mindestens so persönlich ist. Den Titelsong beim letzten Mal, diesmal beispielsweise Torches, das in dramatischer Raserei von Leben und Tod handelt und in dessen Refrain man sich so fest werfen möchte, dass dabei alle Knochen brechen. So konsequent die Band, die sich noch vor ein paar Monaten auflösen wollte, an ihren künstlerischen und politischen Prinzipien festhält, so radikal zerstören ihre Songs alle Bequemlichkeit auf dem Weg dahin. Nur einer ist länger als drei Minuten, die restlichen schaffen es weit darunter, die Klippen mit Anlauf und Geschrei hinter sich zu lassen, als wäre jedes einzelne Mal das letzte.

10/12

Erschienen in Visions 273, 2015