Blank City

Rapid Eye/3.5.2013

Keine große Überraschung: No Wave ist auch filmisch anstrengend. Da hilft Céline Danhiers Doku auch der ganz junge Steve Buscemi nur bedingt. Das ist ja nichts Neues. Wenn Filmemacher Interviews mit gealterten Zeitzeugen und Originalaufnahmen von früher zwischeneinanderschneiden, dann sind daran nicht die klugen Reflektionen das Beste, sondern wie lustig alle mal aussahen. In Blank City sind das neben Buscemi, Debbie Harry, Jim Jarmusch und John Waters auch Leute wie Charlie Ahearn oder Beth B, die nun außerhalb der No-Wave-Szene der 70er und 80er nicht unbedingt jeder kennt. Für die Thurston-Moore-Quote kommt außerdem Thurston Moore zu Wort, und alle erzählen von einst und zeigen Filmszenen voller kunstvoll schlechtem Laienschauspiel, lustigem Chaos und Patti Smith. Dass Blank City selbst ähnlich wenig Richtung und Struktur hat wie die Projekte von damals, passt dann zwar, macht die Sache aber nicht unbedingt kurzweiliger. Dafür entschädigen die Szenen, in denen sich die Alles-Künstler neben den Kameras auch noch auf Instrumente stürzen, um (selbst für Punk) dilettantischen Punk zu spielen. Nicht der Musik wegen, davon haben sie zunächst gar keine Ahnung, sondern als Kunst. Wir lernen: Selbst wer nicht Drums spielen kann, kann immer noch eine Drum spielen.

Erschienen in Visions 243, 2013