Bruce Soord - Solo

Kscope/Edel/27.11.2015

Wie nah kann man jemandem ins Ohr kriechen, ohne im Schmalz zu versinken? Bruce Soord begibt sich auf Solo-Expedition. Wenn dieses Hauchen bloß nicht wäre, die gerade so tonhafte Kopfstimme zwischen Welpengähnen und sensiblem Jugendgruppenleiter, um die The Pineapple Thief immer noch gerade genug Rock gebaut haben, die jetzt aber allein und schutzlos durch die Gegend kriecht und weint. Unfassbar zarte Songs hat Bruce Soord ihr für sein erstes Soloalbum geschrieben, so rücksichtsvoll und weich, dass es einen beim Zuhören in aggressiven Schlaf versetzt. Seine Gitarre pickt er wie der letzte verdrogte 68er, singt von Bäumen, Blätter und dem Wind und hat dabei sehr wahrscheinlich nicht mal Schuhe an. Wenn mal ein Schlaginstrument passiert, dann die handgetrommelte Obstkiste vom Bauern nebenan, und selbst die sparsamen Bläser klingen so unfeierlich, als wären sie gerade erst wegen Feigheit unehrenhaft entlassen worden. Könnte man diese ganze schwebende, triefende Softness nur ein paar Hundert Meter Richtung Boden ziehen, fänden da richtig schöne Singer-Songwriter-Momente statt, schließlich kennt sich Soord nach all den Jahren mit interessanten Strukturen und schönen Melodien aus. Warum er den eigenen Skills ohne den Rückhalt seiner Band plötzlich nicht mehr genug traut, um sie ein bisschen runterzuholen, ein Stück nach vorne zu schubsen und sich dann einmal ordentlich zu räuspern, muss er wirklich mal erklären.

5/12

Erschienen in Visions 273, 2015