Daydream Nation

Universum/14.2.2014

Wessen Geschichte ist das hier eigentlich? Im übersehensten Kleinstadtfilm der letzten Jahre behält Kat Dennings die Oberhand. Und wie könnte sie nicht? Mit dickem Lidstrich und kurzen Röcken zieht die 17-jährige Caroline in ein kanadisches Kaff, um dort, gelangweilt, sarkastisch und schön, ihren Lehrer zu verführen. Dass es da gleichzeitig noch einen niedlichen Indieboy in ihrer Klasse gibt, bemerkt sie erst, als er ihr zur Tarnung nützlich wird. Mit dem schwelend bedrohlichen Gefühl von Der Eissturm, American Beauty oder Donnie Darko und einem trockenen Humor zwischen Ghostworld und Election bastelt Michael Goldbach in seine Geschichte außerdem einen Mörder im weißen Anzug, ein endloses Industriefeuer, eine Annäherung unter Eltern und eine unter kleinen Geschwistern ein. Daydream Nation, der in Deutschland das Kino verpasste und stattdessen auf dem Bezahlsender Sky verheizt wurde, handelt von Entscheidungen und Machtlosigkeit; dass Goldbach seine Protagonistin nicht einfach zum Spielball macht, ist eine der großen Stärken des Films. Warum der neben dem Titel und dem Namen von Carolines Freund Thurston keinerlei Bezug zu Sonic Youth hat, könnte Goldbach allerdings mal erklären. Auch wenn er die Frage zunächst mit einem tollen Soundtrack von Stars über Emily Haines bis Lou Reed elegant übergeht.

Erschienen in Visions 252, 2014