Head Wound City - A New Wave Of Violence

Rykodisc/Warner/13.05.2016

Wer sagt, dass Roadtrips dem Straßenverlauf folgen müssen? Die Supergroup des Schreicore crasht sich quer durch. Nichts schweißt schließlich schöner zusammen als ein paar Autounfälle mit Extraschwung, zwischen denen weder klar noch wichtig ist, welche Gliedmaßen jetzt zu wem gehören. Ausgerechnet die Locust-Chaoten Gabe Serbian und Justin Pearson sorgen auf dem Rücksitz mit rockigen statt rasenden Rhythmen noch ein bisschen für Ordnung, während Yeah-Yeah-Yeahs-Gitarrist Nick Zinner als Beifahrer mal wieder seine wilde Seite auslebt und die Blood Brothers Jordan Blilie und Cody Votolato aus dem Dachfenster hängen und kreischen. Wenn solche Krachköpfe sekündlich aneinanderklatschen, gibt das natürlich großes Geschrei, ist aber auch kein solch hektisches Drama wie bei Leuten, die noch nie irgendwo aufgeprallt sind. A New Wave Of Violence macht eher Spaß als Angst, vielleicht macht es auch Spaß aus Angst. In den teils über drei Minuten langen Songs bleibt jedenfalls so hammerviel Platz für Adrenalinschübe, Zeigefinger-Raps, Grunzen, Schleifmaschinen, kaputten Blues und gute Zeilen, wie sich das für Freizeitgewalt gehört. Nur nicht stressen lassen, kriegen wir schon alles kaputt, und wenn nicht auf dieser Spur, dann halt auf der nächsten. „This is Head Wound City, USA“, sagt Blilie im gleichnamigen Song an, als hätte er im letzten Leben eine stampfende Stadionband zombifiziert, um dann eine Nummer weiter religiös zu werden: „I wanna be your original sin.“ Mehr als 54 Sekunden braucht so eine Message nicht, um mit Quietschen, Rasseln und Hüftshake Kurs auf den nächsten Reisebus zu nehmen, der schließlich nicht von allein in der Leitplanke landet. Kinder, was eine Gaudi.

10/12

Erschienen in Visions 279, 2016