Hooton Tennis Club - Highest Point In Cliff Town

PIAS/Heavenly/Rough Trade/28.8.2015

Hat schon wer aus lauter Angeödetsein das Slacker-Revival ausgemurmelt? Hooton Tennis Club hingen dann bereit. Die größte Mühe hat die junge Band aus Liverpool sich noch mit den Songtiteln ihres Debüts gegeben, und damit ist auch nur gemeint, dass beim Kiffen jemand mitgeschrieben hat. Die zwölf Stücke, die nun also beispielsweise Always Coming Back 2 You, Kathleen Sat On The Arm Of Her Favourite Chair und Fall In Luv heißen, klingen gelangweilt gesagt so, als hätten die kleinen Geschwister (ach, seien wir realistisch: Kinder) von Supergrass sich an einem besseren englischen Sommertag in einen besseren englischen Park geschlonzt, alle Großen ihres Landes von den Beatles über die Libertines bis zu den Kooks durchgehört und dann nur die naheliegendsten und nettesten Teile ins familiäre Erbe eingeschoben. Highest Point In Cliff Town spaziert in gelassenem Pavement-Tempo (das Britische muss man ja nun auch nicht so spießig sehen) von der Garage aus die Einfahrt einmal runter bis zur Straße und dann wieder hoch, wenn das Gras anfängt zu pieksen. Angenehm sonnig und sorglos klingt das, und wenn die Band nicht gerade mit erträglicher Nöligkeit über erträgliche Alltagsproblemchen und einen Protagonisten namens Pierre singt, schunkeln die Gitarren arglos umeinander, dass man dazu gerne auf einem Sperrmüllsofa im Freien sitzen und es nachher nicht wegräumen würde. Hooton Tennis Club erledigen das schon, ganz relaxt, gar kein Problem. Eigentlich sehr schön, dass sich hier mal jemand nicht so angestrengt zur schrabbeligen, spuckenden, schwitzenden Bad-Boy-Group stilisiert — nur ganz so beliebig hätten sie bei all der Entspanntheit nicht werden sollen.

5/12

Erschienen in Visions 270, 2015