Loma Prieta - Self Portrait

Deathwish/Indigo/16.10.2015

Jetzt schon für die Beerdigung des Skatepunk planen. Loma Prieta sorgen dafür, dass er unter der Erde weiterrollt. Man könnte die Kalifornier leicht für eine dieser richtig düsteren Posthardcore-Bands halten, bei denen das „Post-“ vor allem dafür steht, dass sie länger und gemeiner prügeln. Vier Alben lang haben sie sich mit trostlosem Artwork und reichlich klugem Lärm auf dem passenden Label gerade so durchgeschummelt; zum fünften geht das nicht mehr. Bei einem echten Selbstportrait spart man ja auch nicht am Gesicht, deshalb darf auf Self Portrait jetzt endlich der ganze gutgelaunte Punk raus, der sich die ganze Zeit unter der harten Decke verstecken musste. Natürlich zerren Loma Prieta ihre sonnigen Melodien immer noch besonders schmerzhaft über Schichten aus grauem Krach, kippen ihre hoffnungsfrohen Texte in eine Halfpipe voller Black Metal und schreien ihre Singalong-Strukturen sicherheitshalber selbst durcheinander, bevor zum Chillout ein paar Takte Postrock reinschweben — aber reinlegen lässt sich damit niemand mehr. Gerade mal der erste Song Love macht trotz seines Positivtitels noch einigermaßen auf die nackenbiegende Verzweiflung und die triste Raserei von Kollegen wie Birds In Row. Zieht man aber etwa Merciless die ganzen Messingsplitter aus dem Kopf, bleibt ein astreiner Emopunksong auf unter drei Minuten, mit dem Samiam auf Tour mal wieder ein bisschen mehr Spaß hätten; von den hübschen Gitarren im abschließenden Satellite müssen wir apropos Emo gar nicht anfangen. Ist das endlich der Posthardcore, mit dem sich Videos von fies lustigen Skateboard-Unfällen passend unterlegen lassen? Dreht sowas überhaupt noch wer? Kann gut sein. Muss doch.

8/12

Erschienen in Visions 272, 2015