Lucy Dacus - No Burden

Matador/Beggars/Indigo/09.09.2016

Falls irgendwer Courtney Barnett zu schmuddelig findet, Car Seat Headrest zu arrogant, Thao Ngyuen zu fröhlich und Torres zu spannend: hier. Lucy Dacus füllt eine Lücke, die mit bloßem Ohr nur erkennt, wer sein Cowgirl-Regal in Subgenres einteilt und bei all den aufregenden Veröffentlichungen kaum noch zur Ruhe kommt. Die liefert Dacus auf netteste Art. Nicht von Songtiteln wie Troublemaker Doppleganger täuschen lassen: No Burden ist das unkomplizierte unter den angefolkten Indierock-Alben. Keine allzu schlauen Texte, musikalisch weder Ausflüge noch Aufschlitzerei, sondern alles angenehm, solide, wunderbar. Die Amerikanerin vernuschelt alle richtigen Stellen und zieht die schläfrigen „Ooohoo“s dann umso höher. Ihr Blues spielt auf der Bühne eines netten Studentenclubs, wo niemand reinkommt und Whiskygläser zerschießt, wo die Anlage funktioniert und Paare sich dazu von hinten umarmen. Dacus schlägt mal die akustische und mal die E-Gitarre an, während ihre Band im Hintergrund das Schlagzeug pinselt, dann ein bisschen die Stöcke wirbelt und dazu eine Extraspur Twang liefert. Zu den schnelleren Stücken kann man fast einen Fuß wippen oder mit der Handfläche gegen den Oberschenkel klatschen, aber man muss auch nicht, das ist ja das Gemütliche. Wenn ihre Musiker mal eine Pinkelpause brauchen, ist das auch kein Problem, denn Dacus kann nicht nur sämtliche Songs als Soloversion spielen, sondern hat mit dem extralangen Map On A Wall und dem extratraurigen Familiar Place sogar Stücke dabei, die reduziert noch viel kuscheliger klingen. „Please don’t make fun of me“, murmelt sie dann beispielsweise in die Saiten, als wüsste sie nicht schon, dass den Menschen vor ihr nichts ferner liegen könnte.

7/12

Erschienen in Visions 282, 2016