Rilo Kiley - Rkives

Little Record Company/Cargo/05.04.2013

Ja, Liebe! Für ihre Raritäten-Compilation holen Rilo Kiley die entspanntesten Songs ihres Lebens aus dem Schuhkarton unterm Bett. Ein Archiv ist RKives trotz cleverem Wortspiel nicht, dafür nämlich viel zu wenig allumfassend, aber gerade das macht die Sammlung aus bislang unveröffentlichten Songs, B-Seiten und Demos so charmant. Der verspielte Indierock war ja schon 2004 auf More Adventurous, die düster diskofizierte Version davon 2007 auf Under The Blacklight, den seelentriefenden Country hat Jenny Lewis auf ihren Soloalben untergebracht und die extragut gedichteten Duette bei Jenny And Johnny. Was immer übrig blieb hat von allem ein bisschen, ist dabei aber ruhiger, leichter, weicher. Natürlich singt Lewis (und immer wieder auch Blake Sennett) von Gefühlen und Tabletten und Tugenden, natürlich ist die Musik dazu feierlich instrumentiert und springt immer an den besten Stellen in neue Rhythmen, und weil das erstens Rilo Kiley und zweitens besondere Songs sind, schreit Lewis einfach mal mittendrin wie ein Kamel oder sagt am Ende „oops“, aber im Großen und Ganzen könnte man RKives jederzeit einem Welpen in die Spieluhr packen, ohne damit ein Malheur zu riskieren. Nimmt man die Rap-Version des sowieso schon anderen Latino-Songs Dejalo mit Too $hort als Gast einmal heraus, dann sind alle 16 Songs in weit über einer Stunde (RKives erscheint auf CD und Doppel-Vinyl) zumindest musikalisch äußerst gefällig, die unveröffentlichten dabei eher Singer/Songwriter, die B-Seiten eher Indierock. Zum Direkteinstieg empfehlen sich die hübsch absagende It’s A Hit-B-Seite Patiently und den unverschämt glücklichen Nüchternheitssong All The Drugs, der in Reality Bites gehört hätte.

Erschienen in Visions 241, 2013