Runaway Girl

Sunfilm/1.8.2013

Und wenn man am Ende des Coming Of Age immer noch 13 ist? Chloë Grace Moretz schlägt sich mit einer Knarre, knappen Klamotten und Juliette Lewis als Mutter herum. Nach ihrem Geburtstag (den ihre Eltern mit ihr in einer Kneipe feiern) haut die so schlagfertige wie heimlich kindliche Luli mitsamt ihrer neuen Waffe (einem Geschenk ihres Onkels) aus ihrem Hinterwäldlerkaff ab, um nach Las Vegas zu trampen. Es sind die späten 70er, sie trägt die kürzesten Shorts, und im Hintergrund laufen Bob Dylan und Joan Jett. Klar, dass die Menschen, denen Luli unterwegs begegnet, ihr nicht nur Gutes wollen; nur die selbst nicht ganz stabile Glenda (Blake Lively) nimmt sich ihrer an und sie mit zu einem Überfall. Natürlich werden im Laufe des Films immer wieder versehentlich Leute erschossen, natürlich soll das zart toughe Mädelsgespann an Tarantino und Taxi Driver gleichermaßen erinnern, aber vor allem war Moretz, die in einer gezielt ikonischen Szene zu Beginn mit ihrem neuen Revolver in Unterwäsche vor dem Spiegel posiert, während der Dreharbeiten wirklich erst 13. Wäre sie keine so hervorragende Schauspielerin, gäbe das einen richtig komischen Beigeschmack, so ist das Schwanken zwischen gefilmter und realer Ausbeutung nur unangenehm. Warum Alec Baldwin nichts Besseres zu tun hatte, ist auch nicht ganz klar.

Erschienen in Visions 246, 2013