Innovation

Kein Zurück aus der Zukunft

Digitalisierung und Technologie bestimmen unseren Alltag. Wir lernen durch Computer, und Computer durch uns. Wir fahren kein Auto, wir lassen Autos fahren. Wir sind Hoteliers, Kreditgeber und Taxifahrer in einem. In den kommenden Jahren wird sich unsere Lebenswelt radikal verändern. In dieser Trendsammlung wagt bsa einige Vermutungen, wie unser Alltag in Zukunft aussieht.


Wie entwickelt sich die Digitalisierung? Was sind die wichtigsten Technologie-Trends der nächsten Jahre? Wie verändern sie die Art des Arbeitens und Lernens? Um Antworten auf diese Fragen zu finden haben wir Visionäre besucht, Medienmacher interviewt, und Spezialisten zu den Facetten dieser Entwicklung befragt. Sie alle haben für uns in die Glaskugel geschaut. Protokoll einer Zeitreise in die Zukunft.


3D-PRINTING

Die Zeiten, in denen Bauteile aufwändig gegossen, produziert, und angepasst werden mussten, sind vorbei. 3D-Drucker werden künftig in der Lage sein, alles, von gigantische Installationen, bis hin zu kleinsten Computern zu fertigen. Schon dieses Jahr druckte die russische Firma Apis Cor ein ganzes Haus in nur 24 Stunden. Und selbst eingesessene Firmen wie BMW und Lowe investieren Millionen in StartUps wie Desktop Metal, deren Metall-Printer künftig medizinische Geräte, Formel1-Wagen oder ganze Raumschiffe drucken sollen. 3D-Drucker werden nicht nur die Produktion, sondern auch den Kundenservice vieler Organisationen umkrempeln: Dank desktopfähiger Endgeräte, wie denen von MakerBot, avanciert jeder Privatanwender zum Hersteller. Statt aufwändigen Bestellungen, können kaputte Einzelteile von defekten Geräten als Bauplan gedownloadet und Zuhause gedruckt werden. Global vernetzte Heimgeräte werden lange Lieferketten auflösen, und fast die Hälfte der weltweit verschifften Fracht überflüssig machen.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND BOTS

Die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen (KI) hat längst eine philosophische Dimension angenommen. Werden künstliche Intelligenzen in der Lage sein, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln? Oder können Computer menschliches Verhalten lediglich simulieren? Im Moment spricht viel für die erste Option. Selbstlernende Computer sind längst Realität — und sie werden exponentiell besser. Wissenschaftler schätzen, dass Computer schon in 15 Jahren schlauer als Menschen sein könnten — selbst Stephen Hawking sieht die größte Gefahr für die Menschheit in selbstlernenden Maschinen.

KI wird schleichend in sämtliche Lebensbereiche eingepflanzt: Im Sport- und Nachrichtenjournalismus sind digitale Autoren bereits angekommen. Der Computeralgorithmus Quill etwa wird schon heute in den Redaktionen von Forbes und anderen US-Medien eingesetzt. Schätzungen zufolge könnten in 15 Jahren 90 Prozent aller täglich publizierten Online-News maschinell erstellt werden — siehe auch bsa opinion Artikel „Schreib, Maschine!” geht es . Die Visionäre gehen allerdings noch weiter: Künstliche Intelligenzen könnten auf Basis von Biomarkern und Datenbanken genaue Krebsdiagnosen treffen. Computer werden Rechtsberatung geben, und in intelligenten Prothesen und Implantaten arbeiten. Oder wie Oren Etzioni, CEO des Allen Institutes for Artificial Intelligence sagt: Sky ist the limit.

Für den Moment bedienen künstliche Intelligenzen allerdings eher klassische Einsatzgebiete: Bootstrapping hat 81 deutsche AI-Startups identifiziert, die vor allem in den Komplexen Kundensupport und -kommunikation, Vertrieb und Marketing, Software-Entwicklung und Bilderkennung arbeiten. Auch das Berliner-Start-Up Spectrm arbeitet an intelligenten Bots für News und Business via Facebook Messanger (siehe auch bsa opinion Interview mit dem spectrm-Gründer Max Koziolek). Die Vision: In Zukunft wird alles von Lebensmitteln bis T-Shirts auf Facebook bestellt.

MOBILITÄT & VERKEHR

Die Zukunft gehört nicht computerisierten Automobilen, sondern automobilen Computern. Schon bald wird der gesamte Industriezweig von den großen Tech-Firmen disruptiert sein — allen voran Google, Tesla und Uber. Die Vorteile des selbstfahrenden Wagens liegen auf der Hand: Sollten autonome Autos menschliche Fehler ausschließen können, könnte das allein in den USA in den nächsten 10 Jahren rund 300.000 Menschen das Leben retten. Teure Versicherungen ein Auslaufmodell. Gleichzeitig würde ein Großteil der Parkplätze in Innenstädten wird verschwinden. Die Städte werden sauberer und leiser.

In Barcelona bröckelt bereits die automobile Herrschaft. Dort testet die Stadt große, weitgehend autofreie Fußgängerzonen, sogenannte „Superblocks“. Der Bus- und Durchgangsverkehr wird um die Blocks herumgeleitet, die Durchfahrt auf Schrittgeschwindigkeit verlangsamt, und die Parkplätze unterirdisch verlegt. Die ersten Superblocks liefern erstaunliche Ergebnisse: Weniger Lärm, geringere Schadstoffbelastungen, und florierende Ladengeschäfte. Das Projekt „Superblocks“ könnte dank selbstfahrender Autos Schule machen — und eine neue Stadtplanung, mit kleinen, dezentralen Innenstädten einleiten.

Autohersteller wie Ford überdenken bereits die Grundprinzipien des Autos — und entwickeln Modelle ohne Lenkrad, Gas- und Bremspedale. Gut so. „Die Automobilindustrie muss sich diesen Veränderungen stellen“, da sind sich die Experten einig.

Parallel zum Auto rüsteten die Transportmittel der Zukunft auf: Mit dem „Hyperloop“ arbeitet Dirk Ahlborn an einer Kapsel, die mit über 1.000 Kilometern pro Stunde elektromagnetisch durch Röhren rast (siehe bsa opinion Interview). Die Strecke Berlin — Köln wäre so in einer halben Stunde zu schaffen. Hinter dem Projekt steht nicht nur ein internationales Team aus Ingenieuren und MIT-Studenten, sondern auch die Vision vom globalen Dorf.

ARBEIT UND LERNEN

Mit neuen Technologien und künstlichen Intelligenzen in den Startlöchern, wird sich auch die Art, wie wir Lernen und Arbeiten verändern. Nur wer die digitale Transformation begreift, und strategisches und kreatives Denken verknüpfen kann, wird in der Arbeitswelt von morgen bestehen können. In Nürnberg eröffnete 2016 die erste deutsche Akademie für digitale Transformation, „Shiftschool“ — hier erklärt CEO Tobias Burkhard, wieso wir der Arbeit mit einem neuen Mindset begegnen müssen.

Wie spielerisch uns die Arbeit von Morgen von der Hand gehen wird, zeigt ein neuer Trend der Weiterbildung in Unternehmen: „Gamification“. Statt langen Seminaren und Präsentationen, übernimmt „Game Based Thinking“ Mechaniken aus Computer- und Kartenspielen um die Mitarbeiter zu schulen und motivieren. Aus einer tausend seitigen Vertriebsbibel wird ein Kartenspiel — aus einer Buch-dicken Präsentation ein Adventure-Game.

Und auch privat sind die Einsatzmöglichkeiten von spielerischen Lernen unendlich. Das Start-Up „Blinkist“ etwa destilliert Sachbücher in kurze Kapitel, kaum länger als eine Minute Lesezeit, und jederzeit auf dem Smartphone abrufbar. Selbst schwere Fachbücher können so mit dem gleichen Aufwand gelesen werden, wie Facebook- oder Twitter-Posts. Die Einstiegsbarriere ist niedrig, der Leser wird rasch belohnt — und der Lerneffekt kommt wie von selbst. Mehr dazu verrät Blinkist-Gründer Holger Seim hier im Interview. Fakt ist: Gamification ist kein Hype, es ist ein Paradigmenwechsel in der Art, wie wir lernen: Statt abrufbarem Faktenwissen, hilft „Game Based Thinking“, Lösungswege selbst zu suchen und zu hinterfragen.

Im Kampf um Innovation gehen auch alteingesessene Firmen neue Wege. Strenge Hierarchien haben ausgedient. Clouds vernetzen Heimarbeiter und Freelancer. Im Research and Development Lab der New York Times etwa arbeiten Innovierer an Koch-Apps, Computer-Intelligenzen und der Zeitung der Zukunft — siehe auch „Hinter den Kulissen der New York Times“. Und nicht nur neue Unternehmen wie Hyperloop setzen auf Croudsourcing: EBS und Sportfive prognostizieren, dass führende Profi-Fußballclubs bis 2025 zumindest teilweise durch Kleinstinvestitionen von Auslandsfans finanziert werden. Mehr zum Thema Fußballzukunft: Hier unser Interview mit Stefan Mennerich, dem Direktor Neue Medien des FC Bayern.

GESUNDHEIT

Die Zukunft der Gesundheitsvorsorge steckt in unserer Hosentasche. In wenigen Jahren wird knapp ein Viertel der Weltbevölkerung ein Smartphone besitzen, und darauf installiert: Sämtliche medizinischen Geräte. Dank Biomarkern an unserem Körper, wird unser Gesundheitszustand permanent gemessen werden können — und so eine personalisierte Versorgung anbieten. Aber die Technologisierung endet nicht beim Smartphone. Das New Yorker Unternehmen „We:eX“ arbeitet an intelligenten Kleidungsstücken, die unseren Gesundheitszustand automatisch fördern: Yogahosen, die Impulse zur Korrektur der Haltung geben. Pullover, die eine wärmende Luftschicht zwischen Hemd und Haut aufbauen, wenn dem Träger kalt wird. Gründerin Billie Whitehouse glaubt daran, dass Kleidung in Zukunft nur noch in einer engen Verknüpfung mit Soft- und Hardware funktionieren kann — im Interview mit bsa opinion erzählt sie mehr davon.

VIRTUELLE REALITÄT

Bereits Mitte der achtziger Jahre experimentierte die NASA mit VR-Brillen. Optisch mögen die Retro-Brillen vielleicht mit heutigen Geräten mithalten — technologisch gehören sie mittlerweile ins Museum, oder gleich auf den Schrottplatz. Dreißig Jahre nach den Anfängen der NASA boomt die VR-Branche. Allein im letzten Jahr verdreifachte sich das Investment in Virtual Reality, Tendenz steigend. Aus Konsumentensicht sind die Möglichkeiten endlos: VR erlaubt Reisen an fremde Orte, ohne das Haus zu verlassen. Das neue Hotel kann schon vor der Buchung virtuell besucht werden. Produkte können im Supermarkt ausgewählt werden, ohne einen Fuß in den Laden zu setzen.

Gleichzeitig lassen Augmented Reality-Apps und -Brillen Realität und virtuelle Welt weiter verschmelzen. Google Glass zeigte bereits, wohin die Entwicklung geht: Der Routenplaner zur nächsten Bahnstation wird in der Ecke der Brille angezeigt werden, genauso wie die Angebote vom Shop gegenüber, und der Spielplan am Theater um die Ecke. Ende des Jahres zog Snap Inc. (Snapchat) nach, und kaufte das israelische AR-Start-Up Cimagine. Es gilt als sicher, dass Snapchats „Spectacles“-Brille schon bald von lustigen Fotos zu E-Commerce driften wird.

Text: Simon Schaffhöfer
 Illustrationen: Tom Arnds, bsa


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