Wie viel Science Fiction steckt in der Küche von morgen? Eine Menge!

Innovation

Transformation am Herd

Ein Roboter in der Küche. Eine Maschine, die in 30 Sekunden Mahlzeiten zubereitet. Ein intelligenter Herd ohne Knöpfe und Touchpad: keine reine Zukunftsmusik. Denn Visionäre und Unternehmen tüfteln längst an einer technischen Revolution in der Küche. bsa gibt einen Überblick:


Zwei Roboterarme greifen herab. Einer schnappt sich ein Messer — der andere Zwiebeln, Tomaten, Petersilie, weitere Zutaten. Es wird gehackt und geschnitten. Nach kurzer Zeit ist das Abendessen zubereitet. Heute gibt es die Lieblingspasta, dazu Salat. Die Roboterarme machen die Arbeit und ziehen sich danach wieder zur Dunsthaube zurück, an der sie befestigt sind. Uns bleibt der Genuss.

Was nach einer Szene aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist ein ziemlich futuristisch anmutender Kochroboter-Prototyp des britischen Startups „Moley Robotics“. Dieser könnte bald serienreif sein und mit ihm viele weitere Roboterhelfer und Gadgets, die die alte Küche zum Hightech-Arbeitsbereich umfunktionieren. Denn immer mehr Visionäre und Unternehmen tüfteln an einer technischen Revolution in der Küche: Smart Kitchen könnte alles ändern — und vieles davon werden wir in naher Zukunft bereits erleben.

DAS DIGITALE ZUHAUSE

Laut einer repräsentativen Umfrage des größten deutschen Marktforschungsinstituts GfK glauben rund 43 Prozent der Internetnutzer hierzulande, dass Smart Home in den nächsten Jahren einen großen Einfluss auf ihr Leben haben wird. Den größten Nutzen von Smart-Home-Anwendungen sehen die Befragten bei der Sicherheit, Steuerung, Energie und Beleuchtung sowie Entertainment und Haushaltsgeräten.

Neue Technik ist immer dann besonders populär, wenn sie das Leben vereinfacht. Idealerweise in alltäglichen Bereichen und an Orten, wo wir uns oft und gerne aufhalten. Für jeden dritten Menschen in Deutschland ist die Küche der zentrale Lebensmittelpunkt. Da wundert es nicht, dass smarte Küchenhelfer, die über das Steuern und Kontrollieren von unterwegs hinausgehen, immer mehr im Kommen sind. Sie sind Teil des digitalen Zuhauses, das sich bereits vielfach beobachten lässt: Smart Home und Connected Home wird in Teilen schon verkauft, Apps zum Starten der Waschmaschine von unterwegs oder für die Heizungssteuerung sind längst keine Neuigkeiten mehr. Viele hilfreiche Gadgets wurden schon vor Jahren auf den Markt gebracht, andere werden bald oder irgendwann folgen.

“The robotic chef” — Moley Robotics gibt einen Eindruck davon, was in der smarten Küche passiert.

GANZ NEUE MASSSTÄBE

Traditionsunternehmen umweht oft ein Hauch von Innovationsbremse. Doch auch dort haben sich technische Visionen etabliert. Das Unternehmen Grundig etwa, das mittlerweile zum türkischen Konzern Arcelik gehört, setzt aktuell mit VUX ganz neue Maßstäbe auf dem Küchenmarkt. VUX, kurz für „Virtual User Experience“, ist eine intelligente Technologie zur Umwandlung einer Marmorplatte in eine intuitive Arbeitsoberfläche mit Induktionskochfeld. Auf fest installierte Schalter oder ein Touchpad verzichtet man ganz. Stattdessen wird das Bedienfeld von oben auf die Koch- oder Arbeitsplatte projiziert, wodurch sich die Arbeitsfläche an die Bedürfnisse des Kochenden anpasst.

Welche Befehle gerade gegeben werden, erkennt ein Sensor im Projektfeld — und sorgt dafür, dass das System entsprechend reagiert. Hinzu kommt, dass VUX auch anzeigen kann, wie ein Topf am Besten positioniert werden soll, was zu einer effizienteren Energienutzung führt. Außerdem schaltet das System Bereiche ab, falls sich beim Kochen mal etwas auf die „Herdplatte“ verirrt, was dort nicht hingehört, und lässt sich sogar mit einem Smartphone oder einer Babycam koppeln. Nur eine Auswahl an VUX-Features. „Für uns ist VUX ein sehr praktischer und funktionaler Schritt in Richtung Home Connectivity. So wird die Vision von der vernetzten Küche wieder ein Stück mehr Realität“, sagt etwa Serdal Korkut Avci, Head of Industrial Design Department bei Arcelik. Und so viel Innovation wird honoriert: Im Jahr 2016 wurde VUX mit einem German Design Award ausgezeichnet.

EINE KULTSERIE ALS KÜCHENVORBILD

Star-Trek-Fans dürften sich noch gut an den „Replikator“ erinnern. Ein Gerät, das das Abendessen innerhalb weniger Sekunden auf den Tisch bringt. Nur fiktiver Firlefanz aus einer fiktiven Serie? Nicht ganz: In Israel ist eine Gruppe Visionäre gerade dabei, den „Replikator“ wahr werden zu lassen. Das Gerät mit dem vielsagenden Namen „Genie“ soll innerhalb von 30 Sekunden beliebige Mahlzeiten zubereiten. „Es kann irgendein Gericht sein, es könnte Hühnchen mit Reis sein, Couscous mit Gemüse, sogar Schoko-Soufflé oder irgendein anderes Desserts“, so Ayelet Carasso gegenüber der britischen Daily Mail. Carasso ist einer der Entwickler.

Star Trek trifft Smart Home: Ein Replikator, der in 30 Sekunden beliebige Mahlzeiten zubereiten soll.

„Genie“ sieht aus wie ein Kaffeeautomat und funktioniert nach dem Kapsel-Prinzip. Oben gibt man die gefriergetrockneten Zutaten als Würfel hinein und nach 30 Sekunden kommt das fertige Essen unten heraus. Laut Erfinder enthält jede Kapsel nur natürliche Zutaten und soll ohne Konservierungsstoffe auskommen. Zudem soll man seine Mahlzeiten per Knopfdruck so personalisieren können, dass sie zu jeder Diät oder Unverträglichkeit passen. Gesteuert wird das Gerät per Handy-App. Den „Genie“ kann man bereits vorbestellen. „Der Markt für solche Produkte ist sicherlich vorhanden. Irgendwo wird es immer Menschen geben, die sich nach dem Neuen oder nach Trends orientieren“, glaubt Alexander Schwartz, Chef de Cuisine & Foodscout aus Nürnberg. Schwartz äußert, ganz allgemein, aber auch Bedenken. Er sagt: „Essen wird immer mehr als nur Nahrungsaufnahme sein. Kochen verbindet. Kochen erweckt Emotionen. Kochen ist Freude“.

2000 REZEPTE IN DER DATENBANK

Welche Innovationen sich wirklich durchsetzen können, lässt sich noch kaum absehen. Klar ist jedoch, dass unsere Küchen zwangsläufig intuitiv nutzbarer, selbstständiger und automatisierter werden. Und klar ist auch, dass all die Visionäre und Erfinder da draußen fest an ihre Ideen glauben — und nicht müde werden, auf deren Umsetzung hinzuarbeiten.

Ganz ohne Menschen geht es allerdings auch bei der technischen Revolution in der Küche nicht immer. Das Bewegungsmuster der eingangs erwähnten Roboterarme etwa hat sich „Moley Robotics“ von Tim Anderson abgeschaut, dem Gewinner der britischen TV-Kochshow “Master Chef”. Mit Hilfe von Motion Capture („Bewegungs-Erfassung“) und über 100 Sensoren wurden seine Handgriffe beobachtet, analysiert, digitalisiert. Laut „Moley Robotics“ sollen die Roboterarme bereits Ende 2017 marktreif sein — und mit ca. 2.000 Rezepten in der Datenbank ausgeliefert werden.

Text: Sabrina Mauermann
 Illustration: Anna-Maria Köperl


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