Eine Webdesign-Impfung
Grundsätzlich ist ja jeder von seiner Sache sehr überzeugt. Wenn einer Experte für etwas ist, dann ist sein Steckenpferd die Eierlegendewollmilchsau für so ziemlich alle Probleme. Enthusiasmus inklusive. Das kann ziemlich schnell, ziemlich anstrengend werden.
So ein Enthusiasmus hat aber auch was Ansteckendes. Vor allem wenn dieser Experte kein Disziplinen-Nazi ist, sondern sein Metier als Teil des Ganzen sieht. Dann springt die Euphorie über ein Fachgebiet auch ziemlich schnell auf diejenigen über, die (noch) keine Spezialisten sind.
Im Studiengang Content Strategy sind wir ziemlich versiert, was Experten und ihre Fachgebiete anbelangt. Jürgen Genser gehört mit Sicherheit zu Kategorie zwei, der oben erwähnten Fachmänner. Und zwar für den Bereich Webdesign.
Selten hat wer so nüchtern eine Lanze für ein Themengebiet gebrochen. Ohne Konkurrenzdenken zu anderen Disziplinen auch nur zu streifen hat er die Wichtigkeit seiner Materie mit Beispielen und Konzepten untermauert. Das ist ziemlich erfrischend und motivierend. Besten Dank dafür, Jürgen. Hier drei der von ihm erwähnten Konzepte in der Kurzbeschreibung:
What screens want needs to match up with what we want.
Some thoughts on digital canvases The past two years were a wild goose chase for answers. I read books, looked at art…www.frankchimero.com
Frank Chimero hat sich in “What Screens Want” während seines Sabaticals Gedanken über “digital canvases” (also Bildschirme) gemacht und überlegt wie man idealerweise für dieses Medium gestaltet. Fazit: Es ist keine Design-Frage, sondern hängt von der Funktionalität ab.
What is the “London Calling” of television? Who is the Jane Austen of automotive design? Madame Butterfly is not less beautiful for having no car chase sequence, peanut butter no less tasty because it cannot dance.
We'll have better web design when we stop asking it to be something it's not, and start appreciating it for what it is…alistapart.com
Einen ebenso grundlegenden Zugang hat Jeffrey Zeldman. Offensichtlich ist er es leid zu hören, dass Webdesign ständig mit anderen Design-Disziplinen verglichen wird. Sein Appell: Webdesign endlich als etwas Eigenständiges zu betrachten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Bitten von 2007 mittlerweile erhört wurde.
Similarly, interfaces are made up of smaller components. This means we can break entire interfaces down into fundamental building blocks and work up from there. That’s the basic gist of atomic design.
Hey there! I wrote a book called Atomic Design that dives into this topic in more detail. You can read it online and…bradfrost.com
Atomic Design, dafür wirbt Brad Frost. Quasi ein Baustein-Prinzip für Webdesign, angelehnt an der Chemie. Atome sind die kleinsten Bestandteile, beschreiben also HTML-Tags, Farbcodes, etc. Alleine ergeben sie kaum Sinn. Moleküle sind ein Verbund aus Atomen. Beispielsweise Formulare, die aus einem Label, einem Input-Feld und einem Button bestehen. Das wird schon funktioneller. Ein Organismus fasst dann Moleküle zusammen: Brad Frost nennt dazu einen “Product Grid”, der aus Produktfoto, Preistag und Kaufen-Button bestehen kann. Templates bringen Organismen schließlich in ein Layout und Pages befüllen diese mit echtem Content. Sie machen also einen Prototypen daraus, der getestet werden kann.
Viele lässige Beispiele wie sich Webdesign entwickelt hat auf Tutorialzine.com.
Lässige Beispiele, wohin sich Webdesign bereits entwickelt hat bzw. entwickeln wird: The Grid, Google Design, Revolution.pn, Onepagelove.