Öffentlicher Verkehr:

Martin POSSET
Oct 5 · 2 min read

pay per use, sozial gestaffelt und ökologisch gedeckelt

Autoren: Peter Schindlecker & Martin Posset

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© martin posset

Mobilität kostet — Aber nicht für alle gleich viel.

Wir leben in einer Zeit, in der viel über nachhaltige Mobilität gesprochen und geschrieben wird. Um Mobilität nachhaltig zu machen ist es wesentlich die wahren — volkswirtschaftlichen — Kosten der jeweiligen Mobilitätsform in die Bepreisung der Nutzung einzuberechnen. Ein Beispiel: Die Preise für Autobesitz und Benzin spiegeln bei weitem nicht alle Kosten wider, die der Gesellschaft (und der Umwelt) durch deren Betrieb entstehen. Tatsächlich sind wir von einer derartigen Bepreisung noch weit entfernt. Das muss allerdings nicht so sein. Es gibt bereits tragfähige Übergangslösungen und spannende Alternativen. Dabei geht es nie darum, zu polarisieren oder Verbote auszusprechen. Vielmehr geht es darum, gerechte und incentivierende Optionen bereitzustellen.

Auf dem Weg zu einer sozialen und ökologischen Preisbildung für Mobilität

In vielen Lebensbereichen sind wir in einer „Flat-Rate-Umgebung“ angekommen und diese forciert latent die Neigung, etwas tendenziell zu übernutzen. Das lässt sich ebenfalls am Beispiel des Autos sehr gut zeigen: Bei der motorbezogenen Besteuerung und der Vignette für die Nutzung des hochrangigen Straßennetzes in Österreich spielt es keine Rolle, ob jemand zehn Kilometer oder eine Million Kilometer pro Jahr fährt — die Kosten sind in beiden Fällen gleich. Umgelegt auf den öffentlichen Personenverkehr wäre eine Übernutzung im Kontext eines „Flat-Rate-Verhaltens“ jedenfalls zu begrüßen. Und all jene, die das jetzt schon machen, sollen das auch weiterhin tun. Es geht aber um jene, die noch individuell motorisiert unterwegs sind.

Wie kann man es also schaffen, all jene die den öffentlichen Personenverkehr „übernutzen“ neu zu belohnen und zusätzlich noch soziale Gerechtigkeit herstellen?

Mobilität als pay per use — ein (gar nicht utopisches) Gedankenspiel

Reisende und PendlerInnen zahlen nur mehr nach dem Grad der Nutzung (Anzahl an Tagen) oder den zurückgelegten Kilometern (technisch ist das übrigens bereits möglich, wie lokale Pilotversuche in Vorarlberg oder Wien zeigen). Alle mit einem Einkommen unter der Steuerfreigrenze fahren aber gratis. Danach sind die Kosten für die Nutzung einkommensabhängig gestaffelt in dem einfach ein Prozentsatz (z.B. 15–20%) des Einkommens als Mobilitätsbudget herangezogen wird. Gedeckelt sind die Kosten für die öffentliche Personenmobilität nach oben entweder über eine Mindestanzahl an Tagen, an denen man öffentlich fährt oder eine Mindestanzahl an Kilometern, die man jährlich zurücklegt. Wird diese Grenze überschritten, sind alle Folgereisen bzw. Kilometer gratis für alle. Eine Quersubventionierung erfolgt über all jene, die weiterhin individuell bzw. mit dem Auto unterwegs sind (auch Elektroautos). Jeder nicht öffentlich zurückgelegte Kilometer zahlt in das allgemeine ÖV-Budget ein und ermöglicht all jenen unter der Steuergrenze eine kostenlose öffentliche Mobilität.

Das ist öffentlicher Personenverkehr für alle.

Hier gibt es bereits erste Ansätze dafür:

https://www.vmobil.at/tickets/fairtiq

https://fairtiq.com/de-at/blog/digitalisierung-made-easy-fairtiq-startet-pilotprojekt-im-osten-oesterreichs

https://wien.orf.at/stories/3014607/

https://motion-tag.com/de/

https://www.mobiko.de/

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