Wie Newsjacking geht, zeigt das Neo Magazin Royale

Der Neo-Magazin-Royale-Moderator Jan Böhmermann will einen Video-Clip mit dem Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht haben. Dieser beherrscht die aktuellen Schlagzeilen, seit Günther Jauch ihn in seiner ARD-Talkshow am 15. März 2015 gezeigt hat. In der TV-Sendung behauptete Varoufakis, dass der Videoausschnitt von seinem Auftritt beim kroatischen Subversive-Festival 2013 gefälscht sei und er Deutschland nicht den Finger gezeigt habe.

Der Medien-Hack von ZDF-Moderator Jan Böhmermann zeigt, wie spannend Content-Marketing sein kann. Dabei ist es eigentlich völlig unwichtig, ob das bei Jauch eingespielte Video echt oder falsch ist und ob das Neo Magazin Royale Video wiederum ein Fake ist — und damit einem Satireformat mehr als gerecht wird.

Newsjacking mit einem Stinkefinger #Varoufake

Indem Jan Böhmermann mit der Diskussion um die Bedeutung eines Stinkefingers gespielt hat und der Öffentlichkeit eine eigene Version zur Interpretation gab, sorgte er für viel Aufmerksamkeit für sein Sendeformat Neo Magazin Royale.

Die Satiresendung hat mit ihrem vorab auf Youtube präsentierten Video auf grandiose Weise per Newsjacking auf ihre Marke verwiesen und wird vermutlich dadurch viele neue Zuschauer gewinnen. Dabei hat sie mit einem Sendungsausschnitt viel Neugierde erzeugt, auf ein aktuelles Thema aufgesetzt und es satirisch überhöht.

Stefan Niggemeier bringt es sehr gut auf dem Punkt, was Neo Magazin Royale damit medial erreicht hat:

“(Jan Böhmermann) kritisiert die Skandalisierungs-Mechanismen von Menschen und Medien, den Umgang mit vermeintlichem Beweismaterial, die Kampagne gegen einen missliebigen Politiker und eine ungewünschte Politik, die Reduzierung einer komplexen Debatte auf eine Geste. Aber er zeigt auch, wie bereitwillig wir Dinge glauben, die wir glauben wollen …”