Meine erste Barcamp-Session, oder wie viel Managementwissen braucht ein Content-Stratege?

Eigentlich habe ich mich nicht regelkonform verhalten. Es war schon mein drittes Coscamp in der mittlerweile dritten Präsenzwoche meines neuerlichen Studierendendaseins. Allerdings konnte ich mich erst jetzt überwinden, das Programm aktiv mitzugestalten. Die Barcamp-Regeln sehen ja etwas anderes vor und zwar muss jeder Neuling beim ersten Mal schon ran an die eigene Session.

Wahrscheinlich war es dann doch das Interesse am Thema (und die Unterstützung meiner Kollegin Irene Michl), was mich über meinen Schatten springen ließ. Angeregt durch meine erste Projektarbeit im Studiengang „Content Strategie“, frage ich mich immer mehr, inwieweit in diesem Themenfeld nicht auch Wissen aus den Bereichen „Management“ und „Unternehmensführung“ gefragt ist. Und die ersten Wochen und Monate haben mir auch gezeigt, dass wir Studierenden zwar das selbe Vokabular benutzen, aber ganz unterschiedliche Dinge damit meinen. Also: eine allgemein gültige Definition muss her. Für mich zumindest.

Zugegeben, ich bin auch durch mein Grundstudium vorbelastet und als Uni-Absolventin (hier als Gegenstück zum FH-Absolventen gemeint), erwartet man ja zuerst immer eine theoretische Herangehensweise. Und ich als bekennende Theoretikerin sowieso. Wahrscheinlich muss ich mich erst noch daran gewöhnen an einer Fachhochschule gelandet zu sein, deren Credo eindeutig der Praxisbezug ist.

Von St. Gallen nach Fuschl am See

Aber zurück zu meiner Barcamp-Erfahrung. Ich hatte einiges im Kopf, angefangen vom St. Galler Management Modell, um den Strategiebegriff in die drei Management-Ebenen einzuordnen und damit klar zu machen, warum man für eine Content-Strategie die Geschäftsführung mit ins Boot holen muss. Bis hin zum Demingkreis als Grundlage für das revolvierende System des „Content Strategy Quads“. Alles schön zurecht gelegt, um meine Sichtweise der Content-Strategie als Management-Modell darzulegen.

Und um sich anhand der Theorie einer Definition anzunähern.

Aber so weit ist es dann gar nicht gekommen. Wir hatten schließlich unsere Kollegen zu einer Diskussion eingeladen und keinen Frontalvortrag geplant. Also, haben wir diskutiert. Wie geplant haben wir zwar zum St. Galler Management-Modell angesetzt, sind aber schon kurz darauf bei der Marketing Strategie der Red Bull GmbH gelandet. Und da sind wir dann geblieben, bei Marketing, bei Red Bull, bei Content-Marketing und bei der Erkenntnis, dass wir alle nicht vom selben sprechen.

Wir haben also angeregt diskutiert, die Zeit ist vorangeschritten und letztendlich war die knappe Stunde vorbei.

Nichts für Praktiker

Und so ist dann wieder alles beim alten geblieben. Zwar habe ich von einigen die Rückmeldung bekommen, dass sie diese Herangehensweise auch für wichtig halten, aber der Grundtenor des Fachhochschülers ist offenbar doch „das mag zwar interessant sein, für mich ist das aber nicht relevant“.

Vielleicht braucht die Sache aber einfach noch ein bisschen Zeit, einen spannenden Aufhänger und weitere Barcamp-Sessions. Und ich bin ja hartnäckig und bleib an dem Thema dran. Schließlich haben ja nicht nur wir Studierenden ein Definitionsproblem, sondern auch erfahrene Content-Strategen haben unterschiedliche Sichtweisen und Blickwinkel.