Fastenkuren im Überblick: von Buchinger bis Molkefasten

Seit vielen Jahrhunderten fasten Menschen. Es gibt die Fastenzeit in der Bibel, den Fastenmonat Ramadan im Islam und darüber hinaus zahlreiche Gesundheitstrends wie Heilfasten, Basenfasten und viele weitere mehr.

Wir geben euch einen Überblick über die verschiedenen Fastenkuren und klären auf, welche Kur sich für wen eignet.

Von wegen Nulldiät

Fasten klingt zunächst verdammt nach Verzicht, nach kargen Tagen, die ihr am Wasserglas nippend verbringt, während sich eure Mitmenschen die Bäuche vollschlagen.

Nun ja, es ist zumindest die halbe Wahrheit. Tatsächlich verzichtet ihr beim Fasten auf bestimmte Dinge, eine komplette Nulldiät ist es aber nicht immer.

Und am Ende soll sich der Verzicht sogar mehr als lohnen, wenn wir Experten glauben dürfen. Eine gesteigerte Vitalität, ein paar Fettpölsterchen weniger und ein ganz neues Lebensgefühl soll das Fasten bringen.

Dafür könnte man tatsächlich für ein paar Tage die Zähne zusammenbeißen, oder?

Was bring mir das Fasten?

Bevor wir zum Überblick der einzelnen Fastenarten kommen, möchten wir euch gerne erklären, warum Menschen überhaupt fasten.

Ist wirklich was dran am Mythos des ganz neuen Bewusstseins und Körpergefühls oder fällt das in die Kategorie Werbeversprechen? Nicht wirklich, denn eine Fastenkur bewirkt tatsächlich viel.

Klar wird es höchstwahrscheinlich so sein, dass du während der Kur Gewicht verlierst, weil der Körper ohne regelmäßige oder mit sehr reduzierter Nahrungszufuhr schnell an die eigenen Fettreserven gehen muss. Wesentlicher sind aber ganz andere Effekte auf den Körper, die durch das Fasten ausgelöst werden.

Es kommt nach einer kurzen Phase der gesteigerten Stoffwechselaktivität zu einem echten Antistresseffekt. Das Blut fließt besser und Herz und Kreislauf werden entlastet. Nach und nach wird der gesamte Organismus geschont und kann dir mehr Energie zur Verfügung stellen.

Im Klartext bedeutet das, dass er nicht mehr die ganze Zeit mit der Verdauung beschäftigt ist und dir dafür eine Portion Elan für deine körperlichen und geistigen Aktivitäten spendiert. Das ist doch nett. Und wer nicht ständig überlegt, was er heute kochen muss, kriegt auch noch einen Zeitbonus gratis dazu.

Im Ernst: Fasten erfordert gerade zu Beginn Willenskraft und Disziplin, ermöglicht dir aber ein neues Körpergefühl, entlastet den Organismus und schult dich in einer achtsameren Selbstwahrnehmung. Sehr strenge und längere Fastenkuren sollten trotzdem ärztlich begleitet oder zumindest vorab ausführlich mit dem Arzt besprochen werden.

Aber tasten wir uns jetzt genauer ran und sehen uns die verschiedenen Fastenarten an.

Fasten nach Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen kannte nicht nur die natürlichen Wirkstoffe unserer heimischen Pflanzen, sondern entwickelte auch eine eigene Fastenkur. Im Zentrum standen hier aber weder Entschlackung noch Entgiftung, sondern die innere Einkehr, die nach ihrer Annahme einen maßgeblichen Anteil an der inneren Heilung hat.

Gestartet wird hier mit einem Vorbereitungstag, an dem du nur leichte Kost zu dir nimmst. Anschließend folgen Tage mit reduzierter, aber nicht komplett gestrichener, Kost.

Rund 800 Kalorien erlaubt die Fastenkur nach Hildegard von Bingen täglich. Gefüllt werden sollen diese vor allem mit Gemüsebrühe mit Dinkelschrot, frischen Kräutern und gedünsteten Äpfeln.

Die Dauer kann selbst festgelegt werden, auch einzelne Fastentage nach Hildegard von Bingen sind möglich. Vor allem für Menschen, die wieder ins innere Gleichgewicht kommen möchten, ist diese Fastenkur zu empfehlen.

Heilfasten nach Buchinger

Einer der Klassiker der Fastenarten stammt vom deutschen Mediziner Dr. Otto Buchinger, der bereits vor rund 100 Jahren die erste Kureinrichtung für Heilfasten eröffnete.

Auch hier wird ein Entlastungstag vorgeschaltet, der Körper und Geist auf die Fastenkur vorbereiten soll. Zusätzlich setzt Buchinger auf eine Darmreinigung, die mittels Glaubersalz eingeleitet wird. Ist der Erhaltungstag vorüber beginnt die eigentliche Fastenzeit.

Erlaubt sind bei Buchinger jetzt nur noch flüssige Nahrungsmittel, konkret Gemüsebrühe, Gemüse- oder Obstsäfte sowie Kräutertees. Auf gerade einmal 250 bis 500 Kalorien kommt so ein Buchinger-Fastentag und wird deshalb meist nicht im Alleingang, sondern in speziellen Fastenkliniken medizinisch begleitet angeboten. Rund fünf Tage lang dauert diese Kur, die mit dem sogenannten Fastenbrechen endet, bei dem erstmals wieder feste Nahrung in Form eines Apfels auf dem Plan steht.

Diese klassische Heilfastenkur nach Buchinger klingt entbehrungsreich, soll sich aber äußerst positiv auf das Allgemeinbefinden sowie Leiden von Rheuma bis Migräne auswirken.

Basenfasten

Eine Fastenkur, bei der essen erlaubt ist — klingt nach dem idealen Einsteigertipp, oder? Tatsächlich ist das Basenfasten kein Fasten im klassischen Sinne, ruft aber zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit unserem Körper auf.

Grundprinzip ist folgendes: Lebensmittel sind entweder sauer oder basisch und wer zu viele saure Lebensmittel verzehrt, übersäuert seinen Körper. Was dann wiederum zu klassischen Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen aber auch Krankheiten wie Gicht führen kann.

Das Basenfasten nach Dres. Sabine und Andreas Wacker setzt sich zum Ziel, die Balance zwischen Säuren und Basen wiederherzustellen, indem bewusst auf saure Lebensmittel verzichtet wird.

Erlaubt ist hier vor allem Gemüse von der Aubergine über Fenchel und Gurke bis hin zur Zuckerschote. Gestrichen sind hingegen saure Lebensmittel wie Fleisch, Käse und auch die meisten Nüsse.

Möglich ist die Kur über wenige Tage bis hin zu einer Woche und soll gerade für Allergiker und Menschen, die unter Neurodermitis leiden, Linderung ihrer Symptome schaffen können.

Fasten nach F. X. Mayr

Jetzt wird es abenteuerlich, denn eine Fastenkur, die auf Milch und Brötchen basiert, konnten wir uns nur schwerlich vorstellen. Beim Fasten nach F. X. Mayr gehören aber genau diese beiden Bestandteile zur Kur.

Täglich stehen Gemüsebrühe und Kräutertee und zwei Mal das besagte Brötchen — wenn auch lediglich in Form eines altbackenen Brötchens mit einem Schuss Milch — auf dem Speiseplan. Genau diese Zusammensetzung soll nach Dr. Mayr dafür sorgen, dass der Darm spürbar entlastet und schonend gesäubert wird.

Diese Kur gehört mit einer Dauer von bis zu drei Wochen zu den längeren Fastenkuren und eignet sich vor allem für Menschen, die unter Verdauungsproblemen leiden.

Molkefasten

Gerade in Kurbädern bekannt, gehört das Molkefasten zu den Kuren, die ausschließlich auf Flüssigkeitsaufnahme basieren.

Getrunken werden darf viel, vor allem Molke, aber auch stilles Wasser, Obstsäfte oder Sauerkrautsaft. Insgesamt sollen es rund drei bis vier Liter Flüssigkeit, davon ein Liter Molke, täglich sein, die du zu dir nimmst. Gegessen wird während der Fastenkur nichts.

Zielgruppe dieser Fastenmethode sind Menschen mit trägem Darm oder Hautproblemen, die Dauer ist variabel, auch einzelne Molketage sind denkbar.

Eure Fastenerfahrungen

Habt ihr schon mal gefastet? Wie fandet ihr es und welche Kuren könnt ihr anderen empfehlen?

Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

Foto: 955169 / pixabay.com


Originally published at Das Ernährungshandbuch.

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