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„Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen“ — Teil 4

Am nächsten Morgen stand meine Schwester im Zimmer und schrie. Sie schrie, als ich noch in Träumen lag, und sie schrie noch, als ich ihr dann endlich zuhörte. So als ob der Inhalt durch die Lautstärke besser von mir aufgenommen werden würde.

Ich sehe sie heute noch genau vor mir, ihre kurzen Haare, die ihr kreuz und quer vom Kopf standen, weil sie gerade aus dem Bett kam. Von diesem Bild gibt es in meiner Erinnerung verschiedene Variationen, Sara war oft sauer auf mich. Und immer, wenn ich mich an dieses Bild erinnere, denke ich auch an das Bild von mir als kleiner Junge, der auf dem Klodeckel im Bad sitzt und seiner großen Schwester zuguckt, wie sie ihre schönen Haare abschneidet. Damals war sie 17, ihr erster Freund hatte sie nach einem Jahr mit einer gemeinsamen Freundin betrogen. Sie war am Boden zerstört. Enttäuscht von der Männerwelt. Sie hatte damals lange schöne Haare, um die sie oft beneidet wurde. Doch nach diesem Ereignis sollte sich alles ändern. Sie hatte gelesen, dass in nordischen Völkern die Trauer der Frauen durch das Abbrennen der Haare zum Ausdruck gebracht wird. Und so griff sie kurz entschlossen zur Schere und schnitt sich alle ihre Haare ab. Seitdem schnitt sie ihre Haare immer selbst mit der Schere.

Ihr Gesicht war schon rot vom Schreien.

„Scheiße, hier sieht es aus! Alles total verdreckt!“

Und ich ahnte, was gleich kommen musste.

„Raus hier!“

„Sara, hör mir …“

„Will, du verlässt sofort mein Haus! Ich brauche keine Erklärungen, keine Entschuldigungen und vor allem kein Betteln.“

Sie war eindeutig im Vorteil. Es war ihr Haus. Ich hatte irgendwie auch ein bisschen übertrieben. Und sie stand im Türrahmen.

Schon seit meiner Geburt war meine Schwester fünf Jahre älter als ich. Und doch verbrachte ich viel Zeit mit Saras Freundinnen und Freunden. Wenn ich nicht mit dem Disney-Club unterwegs war, war ich bei ihrer Clique. Anfangs war ich wohl eher ein Klotz an Saras Bein. Was ich mir natürlich nicht eingestanden habe. Doch die Mädchen der Gruppe nahmen sich meiner an und so kam es, dass ich schon mit 12 Jahren eine Brust berührte, die nicht die meiner Mutter war. Ein Jahr später habe ich das erste Mal mit einem Mädchen geschlafen. Maja war vier Jahre älter als ich.

Da unsere Mutter arbeiten musste — sie war alleinerziehend, kurz nach meiner Geburt hatte der amerikanische Soldat seinen Heimweg ohne uns angetreten -, war ich oft mit meiner Schwester einkaufen. Wenn ich meiner Schwester gerade nicht auf den Wecker ging, verstanden wir uns zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich gut. Sie las eine Sache vom Einkaufszettel vor, ich zählte bis drei und dann rannten wir beide los und versuchten, als erster den Gegenstand auf der Einkaufsliste zu finden. Wir waren mal wieder am Rennen und Suchen, als ich einem Freund meiner Schwester in die Arme lief.

Hey Willi! Langsam!“

Lachend hielt er mich fest, weil ich schon wieder weiter wollte.

Wo ist denn deine Schwester?“

Bevor ich antworten konnte, kam sie um die Ecke, mit dem gesuchten Käse. Außer Atem erzählte sie Lukas, worum es bei dem Spiel ging. Er wiederum erzählte, dass er am Wochenende feiern würde und ob Sara nicht vorbeikommen wolle. Dann sah er mich an. Zögerte.

Du bist natürlich auch eingeladen, Will.“

Er sah wieder meine Schwester an.

Kommt ihr?“

Meine Schwester sagte irgendwas von wegen, sie wisse noch nicht. Aber ich stand hinter ihr und nickte heftig. Lukas grinste, zwinkerte mir zu und verabschiedete sich.

Ich brauchte meine Schwester nicht lange zu überreden, ich glaube, sie war verschossen in Lukas. Und so gingen wir auf diese Party. Als wir vor der Tür standen, zögerte meine Schwester. Ich lachte und legte ihr brüderlich den Arm um die Schulter, ich war größer als sie.

Keine Angst, Schwesterherz. Ich bin da und passe auf dich auf.“

Sie bedachte mich mit einem bösen Blick und klopfte.

Lukas hatte sturmfrei. Lukas hatte viel Alkohol. Und Lukas war cool. Ich war der Jüngste auf der Party, aber das fiel keinem auf. Entweder war die Aufmerksamkeit dem jeweils anderen Geschlecht gewidmet oder dem Alkohol. Und so stand ich etwas verloren in der Gegend, bis eine Gruppe von Jungen mich zu sich rief. Dort saß ich dann, zwischen sechs Jungs auf einer Couch, alle vier oder fünf Jahre älter als ich, die von Titten, Ärschen, Alk, Mukke, Gras und Autos redeten. Manchmal fragten sie mich was.

Willi, hast du schon mal ein Döschen geknackt?“

oder

Will, hast du ein bisschen Gras dabei?“

Ich verstand ihre Fragen meist nicht und so antwortete ich irgendetwas und sie lachten. Ich war erleichtert und dachte, ich gehörte dazu. Heute weiß ich, dass sie über mich lachten, nicht mit mir. Irgendwann verschwanden sie und wieder saß ich alleine da. Kurz darauf gesellte sich eine Gruppe Mädchen zu mir, aber eher wegen des Sofas als wegen mir. Sie redeten über Typen, Tante Rosa, Diäten und noch mehr Typen. Maja, die beste Freundin meiner Schwester, saß neben mir. Meine Schwester selbst sah ich in der Küche mit Lukas reden. Maja redete mit mir, als wäre ich genauso alt wie sie, und das machte mich stolz. Ich hatte sie sehr gern. Ich erzählte ihr von den Jungs, die vorher bei mir gesessen hatten, und über was sie geredet hatten. Ich musste Maja versprechen, nie so zu werden wie sie. Dann fragte ich sie, was es bedeuten würde, ein Döschen zu knacken. Sie sah mich ernst an.

So nennt man das, wenn man mit jemandem schläft.“

Ich sagte nur „aha“ und wurde dann rot. Sie lachte auf und wuschelte mir durch die Haare.

Keine Angst, das braucht dir nicht peinlich zu sein. Bei mir braucht dir gar nichts peinlich zu sein.“

Das konnte ich nicht ganz glauben, doch bevor ich etwas antworten konnte, stand meine Schwester plötzlich hinter Maja. Sie flüsterte ihr etwas ins Ohr und Maja nickte.

Klar, ich passe auf. Viel Spaß.“

Sie legte den Arm um mich und drückte mich an sich, während sie meiner Schwester zuwinkte und diese mit Lukas verschwand.

Wohin geht Sara?“

Sie geht mit Lukas spazieren. Und ich soll auf dich aufpassen.“

Auf mich braucht keiner aufpassen. Ich tu niemandem etwas.“

Sie hatte eher Angst, dass eine von denen dir was tut.“

Sie nickte zu den Mädchen, die bei uns saßen.

Ich wunderte mich, was diese Mädchen mir antun sollten, aber ich wollte nicht wieder ahnungslos dastehen und schwieg. Doch Maja musste gewusst haben, wie ahnungslos ich war, denn sie lachte wieder und drückte mich näher an sich.

Du bist süß. Ich mag dich.“

Das wusste ich. Ein Jahr zuvor war Maja bei uns zu Besuch und wir haben Filme geschaut. Filme, für die ich eigentlich noch zu jung war. Wir saßen zu dritt auf dem Sofa, nachdem meine Schwester entnervt klein beigegeben hatte und mich mitschauen ließ. Irgendwann früh am Morgen schlief Sara ein. Ihr Kopf fiel auf die Schulter von Maja, die in der Mitte saß. Wir stellten den Fernseher etwas leiser, damit Sara nicht aufwachte. Ich weiß nicht mehr, welchen Film wir gesehen hatten, jedenfalls war darin irgendeine Bettszene. Ich mit meinen 12 Jahren starrte gebannt auf den Fernseher. Eigentlich auf den weiblichen Körper, den ich da in der Flimmerkiste sah.

Dir gefällt, was du siehst, hm?“

Ich sah Maja an, schloss den Mund und schüttelte den Kopf.

Ne, das ist langweilig.“

Offensichtlicher lügen kann man nicht. Maja nahm meine Hand und legte sie auf die Stelle ihres T-Shirts, unter der sich ihre Brust befand.

Ist das auch langweilig?“

Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich auf meine Hand. Sie hob meine Hand wieder an und ich war schon enttäuscht, dass es vorbei war. Dann legte sie meine Hand auf ihren Bauch und schob sie unter dem Shirt hoch. Maja lag mit geschlossenen Augen da, Saras Kopf auf ihrer Schulter und ich streichelte ihre Brüste. Ihre eigene Hand wanderte unter den Bund ihrer Hose, doch sie kam nicht weit. Sara war aufgewacht und sah Maja böse an. Mit zitternder Stimme schickte sie mich auf mein Zimmer. Ich hörte noch, wie die beiden sich stritten, dann kam Maja uns eine Weile nicht besuchen. Mit mir redete Sara nie über den Vorfall. Erst kurz vor der Party hatten sich Sara und Maja wieder vertragen. Und auf dieser saß ich nun, in Majas Obhut, auf dem Sofa und erinnerte mich an dieses Erlebnis.

Woran denkst du?“

An den Fernsehabend letztes Jahr. Als du …“

Ich weiß, welchen du meinst.“

Ich nahm all meinen Mut zusammen und legte meine Hand auf ihr Knie.

Bist du mutig?“

Sie sah mich an, lächelte belustigt und nickte. Meine Hand rückte ein Stück höher.

Bist du mutig?“

Meine Hand lag nun auf ihrem Oberschenkel.

Immer noch?“

Jetzt lag meine Hand in ihrem Schritt. Das Spiel hatte ich schon oft mit Mädchen gespielt, aber die meisten waren in meinem Alter gewesen und irgendwann hatte jede den Kopf geschüttelt. Jetzt wusste ich nicht, was ich machen sollte. Maja schien meine missliche Lage aufzufallen.

Bist du mutig, Will?“

Ich nickte selbstsicher.

Bist du richtig mutig?“

Jetzt war ich verunsichert. Wollte sie mir an die Hose? Ich nickte, wenn auch zögernd.

Wenn du sicher bist, dann folge mir.“

Sie nahm meine Hand aus ihrem Schritt, stand auf und ging die Treppe hoch. Ich folgte ihr. Als ich oben ankam, sah ich am Ende des Ganges eine Tür, die sich gerade wieder schloss. Ich ging langsam hin und öffnete sie. Das Zimmer, in das ich eintrat, musste das Zimmer von Lukas jüngerer Schwester sein, den Spielsachen nach zu urteilen. Maja war nicht zu sehen. Ich schloss die Tür und ging Richtung Bett, als plötzlich das Licht ausging.

Maja?“

Keine Angst, ich bin da. Bleib wo du bist.“

Ich blieb stehen und meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit.

Ich hörte Schritte und Rascheln, dann sah ich Maja als Silhouette auf dem Bett sitzen.

Komm zu mir.“

Ich setzte mich neben sie.

Spiel das Spiel noch mal.“

Sie suchte meine Hand und legte sie auf ihr Knie, das nun nackt war. Diesmal war es tatsächlich mein Mut, der gefordert war.

Bist du mutig?“

Ja.“

Wieder wanderte meine Hand an ihrem Schenkel hoch. Diesmal aber spürte ich keinen Jeansstoff, sondern warme Haut.

Bist du mutig?“

Ihr „Ja“ war mehr ein Flüstern als ein Sprechen, aber es war ein eindeutiges Ja. Ich schluckte und schob meine Hand ein Stück höher, während Maja ihre Beine etwas spreizte.

Mutig?“

Mhm.“

Nun lag meine Hand auf ihren Schamhaaren. Ich bin 13 Jahre alt und meine Hand liegt auf dem Schamhügel dieses 17jährigen Mädchens. Und Maja war ein wunderschönes Mädchen. Zwei Jahre zuvor hatte Daniel einen Pin-Up-Kalender bei dem derzeitigen Freund seiner Mutter gefunden und ihn in unser Clubhaus gebracht. Dort wurde er sorgsam versteckt, gemeinsam mit den Kippen und dem Korn. Es gab einen alten Traktor, der in der hinteren Ecke der Scheune stand. Er fuhr seit Jahren nicht mehr und die Hennen nutzten ihn als Brutstätte. Dieser Traktor besaß ein Handschuhfach. Dort lagerten unsere Schätze, die kein Erwachsener finden durfte. Wir hatten also unseren Pin-Up-Kalender, den wir tagsüber gemeinsam betrachteten und über die Frauen diskutierten, während die Erinnerung an den Kalender uns abends als Wichsvorlage diente. Ich erinnere mich, dass auf dem Kalender etwas wie „Die schönsten Playgirls des Jahres“ stand. Sam überhäufte jede Frau auf den Bildern mit Komplimenten, die er irgendwo gelesen haben musste, denn normalerweise sprach er ganz anders. Auch ich war begeistert von den Bildern. In unserem Alter sah man nicht oft nackte Frauen. Im Sommer dann waren wir — meine Schwester, ihre Freunde und ich — am Baggersee, Maja war auch dabei. Und ich sah sie dort im Bikini, also nicht einmal nackt, aber wow! Bei ihrem Anblick verblassten all die Bilder aus dem Kalender. Als ich ihn das nächste Mal sah, sah alles Schöne an den Frauen aus wie eine schlechte Kopie von Majas Körper.

Und nun saß ich im Dunkeln auf diesem Bett und hatte meine Hand an der Stelle, die ich mir schon in unzähligen Nächten in meiner Fantasie ausgemalt hatte. Ich drehte mich zu ihr und fuhr mit meiner Hand nach oben. Sie hatte sich komplett ausgezogen und ließ sich nach hinten auf das Bett fallen. Meine zweite Hand kam dazu und langsam streichelte ich alle Stellen ihres Körpers, an die ich gelangen konnte. Ich streichelte ihre Beine, fuhr über ihren Bauch, spürte ihre Brustwarzen unter meinen Fingern und strich die Haare aus ihrem Gesicht. Meine Fingerspitzen ertasteten ihre geschlossenen Augen, umfuhren ihre Nase und berührten ihre Lippen. Als meine Finger über den Mund glitten, öffnete sie ihn und nahm meinen Zeigefinger in den Mund. Sie lutschte ihn, küsste ihn und sog daran. Dann öffnete sie die Augen, nahm meinen Kopf in beide Hände und küsste mich auf den Mund.

Natürlich hatte ich schon Mädchen geküsst, beim Flaschendrehen und anderen pubertären Spielen. Aber der Kuss, den Maja mir gab, war kein ‚Lass es uns schnell durchziehen, damit das Spiel weitergehen kann‘-Kuss. Das war ein leidenschaftlicher Kuss, ein Kuss, den man sich vorstellt, wenn man Romeo Julia küssen sieht. Und ich bekam solch einen Kuss von diesem Mädchen! Maja zog mich auf sich und küsste mich weiter. Ihre Hände fuhren nun über meinen Körper. Ich spürte ihre neugierigen Finger auf meiner Brust. Mit geschickten Bewegungen zog sie mir das T-Shirt aus. Ihre Finger krochen an Stellen, die keine Frau je berührt hatte. Außer vielleicht meine Mutter. Vorsichtig fuhr sie mir in den Hosenbund, ihre Finger berührten das wenige Schamhaar, das ich zu diesem Zeitpunkt hatte. Dann umschloss sie meinen Penis, der wie eine Eins zwischen uns stand. Ich zuckte zusammen. Weil ihre Finger so kalt waren? Während sie ihn mit einer Hand festhielt, öffnete sie mit der anderen meine Hose und zog mich aus. Maja drehte mich auf den Rücken und rutschte auf mich. Ihre Lippen wanderten über meinen Körper nach unten. Und ich lag ungläubig da. Ich weiß noch, wie ich dachte: Es passiert! Das ist die Wirklichkeit! In diesem Moment küsst ein Mädchen meinen Pimmel!

Plötzlich hatte sie ein Kondom in der Hand. Mit den Zähnen riss sie die Verpackung auf. Ihre Finger rollten das Gummi über meinen kleinen angeschwollenen Freund. Dann kam sie wieder hoch, küsste mich auf den Mund und setzte sich dann langsam auf meinen Schoß.

Wenn irgendwas ist, dann sag Bescheid.“

Ich nickte nur. Zu mehr war ich nicht fähig. Sie musste kurz korrigieren, dann drang ich langsam in sie ein. Sie verharrte.

Alles in Ordnung?“

Wieder nickte ich, obwohl ich mir eigentlich nicht sicher war. Dies ist eine Eigenschaft, die ich über Jahre hinweg beibehalten habe.

Sie bewegte sich behutsam auf und ab. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Klar hatte ich ein schönes Gefühl in der Lendengegend, doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass die schönste Sache der Welt darin bestand, regungslos unter einer Frau zu liegen.

Jahre später, als ich dann wieder Kontakt mit Maja hatte, habe ich ihr das erzählt, meine Unsicherheit und Unwissenheit in diesem Moment, und wir lachten Tränen! Wirklich.

Doch in der Nacht in dem Kinderzimmer fand ich es gar nicht zum Lachen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Majas Atem ging immer schwerer. Ihre Bewegungen wurden heftiger und schneller. Und plötzlich, ohne dass ich es wollte, fing mein Becken an zu zucken. Meine Bewegungen passten sich denen Majas an. Dann presste sie ein unterdrücktes Stöhnen zwischen den Zähnen hervor und ließ sich auf meine Brust fallen. Ich weiß noch, wie ihr Haar roch.

Bei jedem Mädchen, das ich danach irgendwann mal in den Armen hatte und die Haare genauso rochen, empfand ich eine Wehmut, dass es nicht Maja war, die in meinen Armen lag. Maja sollte Jahre später wieder in meinen Armen liegen und ihre Haare würden genau gleich riechen und mich an diese Nacht erinnern. Doch das alles wusste ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Und so lag ich da, das schöne Mädchen regungslos über mir und ich ihre Haare in meiner Nase. War’s das? Also, ich meine, das war ja schon ein schönes Gefühl, aber … das war alles? Das, was gerade passiert war, war wie „Stairway to heaven“ aufzulegen und die Nadel vor dem Solo wieder wegzunehmen. Das konnte nicht alles sein. Maja regte sich wieder, sah mich von oben an.

Du bist noch nicht fertig?“

Ich wusste nicht genau, was sie meinte, aber ich schüttelte den Kopf. Ohne, dass ich aus ihr raus rutschte, drehte sie uns um, sodass ich nun oben lag.

Jetzt beweg du dich.“

Unsicher rutschte ich etwas heraus aus ihr und dann wieder rein. Maja atmete wieder tief. Das schöne Gefühl in meinen Lenden wurde nun intensiver. Ich bewegte mich nun noch schneller, auch mein Atem war heftig. Es war, als hätte jemand die Nadel wieder auf die Led-Zeppelin-Platte gelegt und nun kam das Solo. Mein erster Orgasmus schoss aus mir heraus in das Kondom. Jetzt war ich es, der erschöpft da lag. Maja strich mir durch meine Haare und hielt mich fest. Ich wollte mich nicht bewegen, ich wollte das Gefühl nicht verlieren. Ich stieß noch ein letztes Mal zu, bevor mein Penis schlaff wurde, und Maja presste sich mir entgegen. Dann lagen wir da und langsam rutschte ich aus ihr heraus. Ein Gefühl des Bedauerns überkam mich. Doch das währte nicht lange, denn plötzlich stand meine Schwester in der Tür.

Sie machte das Licht an, sah uns und wurde rasend vor Wut. Ihre Augen waren rot und ihr Gesicht zornig. Erst lange, sehr lange Zeit später wurde mir klar, dass sie davor schon geweint hatte. Sie schrie Maja an. Wörter wie Vertrauen und Liebe und Kind fielen. Mit hochrotem Kopf zog ich mich hastig an, dann zog mich meine Schwester durch die trübseligen Trümmer der Party nach Hause.

Maja und meine Schwester sprachen nie wieder miteinander. Besser gesagt, Sara sprach kein Wort mehr mit Maja. Diese versuchte mit ihr zu reden, doch alle Versuche waren erfolglos. Und auch mir verbot Sara den Kontakt mit Maja, während unsere eigene Beziehung immer schlechter wurde. Die ersten Wochen nach der Party schrie mich meine Schwester nur noch an. Dann redete sie monatelang gar nicht mit mir. Und bis heute ist sie nicht gut auf mich zu sprechen.


Weiterlesen? Auf mokita.de kannst du den gesamten Roman lesen. Als kostenlose PDF, als eBook oder als gedruckte Ausgabe. Die Autorenkommentare gibt es aber erstmal nur hier.