AngriffsFlächenBrand

Andreas Laudert

Was der Schreibende zu bieten hat, sind Angriffsflächen. Er kommt mit leeren Händen, denn nur leere Hände können Dinge tasten. Vor allen Dingen ist seine Würde antastbar, darin besteht sie, darauf besteht er.
Auf den Angriffsflächen, die er bietet, findet ein Spiel statt. Seine geheime Regel: nur wer offensiv spielt, erhält den freien Raum, den er braucht. Erst wenn du Profil hast, kommst du unter die Räder, und es geht voran.

Seine Arbeitsfläche: eine Tastatur. Sein Kopf ein Tastorgan. Hier schreibt er sich fort in die unbegreifliche Welt: mit Worten, die sich bilden wie Tragflächen, um die herum ein Flugzeug entsteht, mit Sätzen, die sich selbst forttragen — Gedankenwind. Geschichten, die sich sich selber zutragen. Das Gesetz des Schreibenden ist die Eigendynamik.

Er ist der Tastende par exellence. Das ewige Talent: Eine Berührung ging an ihm verloren, jetzt sucht er den ganzen Körper nach ihr ab. Er ist kein Rebell — wenn auch erst der Aufruhr, ein Berührtsein von oben her, alles Schreiben konstituiert. Der ewige Schrifttyp.

Er liebt das Gesetz — das Gesetz der Freiheit — doch er sucht die Lücken. Das Bindende der Freiheit und das Befreiende der Vor-Gabe. Er will den Zukunftsraum ertasten, in dem und in den ein Gesetz sich verwandelt aus Gesetzmäßigkeit.

Er will nicht zu Ende gedeutet werden. Er wirft sich lieber sich selber zum Fraß vor. Er verzehrt sich. Seine Sehnsucht: Identität.

Er sucht den Flächenbrand. Nur auf dem, was du restlos zerstört hast, kannst du aufbauen.

Er legt die Hand ins Feuer, für das Licht und wieder das Licht, und das Feuer kommt und tastet nach ihm. Über ihm schlagen die Flammen zusammen. Wer begreift: Tast-Ende.

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