Zweifel gegen Fundamentalismus

Lydia Fechner

Sonnenscheibe, die sich in myriarden Strahlen bricht, damit die Welt erscheine. Der Strahl auf meiner Haut fühlt sich warm an.

Es fällt etwas in zwei.

Vorher war eine Einheit, ohne Vordergrund und Hintergrund — abgeschlossen, rund und sicher. Sobald der Zweifel beginnt, trennt sich mein Bewusstseinsbild von mir ab und gleitet ins Offene hinein. Kann ich es festhalten — den Zweifel führen, so dass ich ihn zur Methode mache? Nicht wie bei dem Philosophen Descartes, der die Welt der Sinne verlor, sondern umgekehrt: Zweifeln, um zu sehen, was ich vorher nicht sah, um zu riechen, was ich vorher nicht roch, um zu tasten, was ich vorher nicht ertastete.

Denken, was ich vorher nicht denken konnte, das Denken wirklich spüren. Vorurteile?

Wenn ich das Denken tasten kann, wird es warm, nein heiß. In mir bewegt, geht der Zweifel hin zur Welt, in sie hinein und fragt: Wie bist Du? Wer bist Du?

Und ich ruhe nicht, bis ich Erkenntnis finde — zweifelnd, weil ich nie an ein Ende komme.

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