Recruiting: Warum Arbeitgeber-Bewertungsportale für die Mitarbeitergewinnung wichtig sind

Gastbeitrag von Anne M. Schüller

Zunehmend ist das Eingabefeld der Suchmaschinen Startpunkt für eine potenzielle Mitarbeiterbeziehung — und oftmals gleichzeitig das Ende. Wer die besten Talente für sich gewinnen will, braucht also nicht nur optimierte Recruiting-Prozesse, er muss sich auch mit dem Mitarbeiter als Botschafter befassen.

Im Vorfeld jeder Bewerbung spielen Mundpropaganda und Weiterempfehlungen der Mitarbeiter und Ehemaligen eine überaus wichtige Rolle. Dies geschieht vor allem in Form von Hinweisen auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen, in User-Foren und über Blogbeiträge.

Insbesondere die veränderungswilligen jungen Talente werden zuerst die O-Töne Dritter im Web ansteuern. Google nennt sie die „Zero Moments of Truth“ (ZMOT). Dies sind die Momente der Wahrheit vor dem ersten direkten Kontakt, die schonungslos offenbaren, was die Arbeitgeber-Versprechen tatsächlich taugen.

Sie erzählen von den Bewährungsproben, die ein Anbieter bereits erfolgreich gemeistert hat — oder auch nicht. Vor maroden Arbeitsbedingungen, einem miesen Klima und schlechten Führungsmanieren kann man dann rechtzeitig die Flucht ergreifen.

Übrigens favorisieren sogar die Suchmaschinen-Algorithmen das, was die Menschen über ein Unternehmen sagen, und bringen es ganz weit nach vorn auf die Trefferlisten. So kommen im Rahmen einer Recherchephase plötzlich auch Firmen auf den Schirm, die man zunächst gar nicht im Auge hatte.

Shareability: Wann sich Gutes weiterverbreitet

Die Grundmotive der Menschen für Mundpropaganda, Weiterempfehlungen und das Streuen von Erfahrungsberichten sind diese:

  • Hilfsbereitschaft und Altruismus: Man will sich nützlich machen, anderen helfen, sie vor Schaden bewahren oder ihr Wohlwollen erlangen.
  • Profilierung und Statusaufbau: Man will zeigen, in welch tollem Unternehmen man beschäftigt ist und hierdurch auch sein Selbstbild nähren.
  • Kontaktpflege und Zugehörigkeit: Man leitet Inhalte weiter, um Kontakte nicht abreißen zu lassen oder Diskussionen in eigenen Netzwerken anzuregen.
  • Gestaltungswille und Sinnhaftigkeit: Man möchte mit seinem Tun die Dinge, die einem am Herzen liegen, mitgestalten, verändern oder verbessern.
  • Wut, Hass und Rachegelüste: Man sucht nach einem Ausgleich für erlittenes Übel, will warnen oder durch sein Weitererzählen der Firma schaden.

Sich Dritten gegenüber als Übermittler nützlicher Inhalte zu präsentieren, ist für viele Menschen eine Form der Belohnung. Zudem bietet es die Möglichkeit, Sozialkapital aufzubauen und Anerkennung oder sogar Bewunderung zu erlangen.

Tipps, damit das Online-Weiterverbreiten gelingt

Menschen haben eine Grundveranlagung, zu teilen. Inwieweit sie das dann tatsächlich tut, hängt auch von ihrer Intro- oder Extravertiertheit ab. Darüber hinaus ist die 90–9–1-Regel von Usability-Berater Jakob Nielsen von Belang. Demnach sind nur ein Prozent der Menschen in den Web-Communitys superaktiv, neun Prozent sind punktuell Beitragende und 90 Prozent folgen dem digitalen Austausch ganz und gar passiv.

Zudem ist nicht alles öffentlich sichtbar. Vielmehr verlagert sich das Social Sharing immer mehr in Richtung „Dark Social“. Die Inhalte werden also nicht öffentlich via Facebook, YouTube oder Twitter, sondern direkt über Messenger wie WhatsApp geteilt. Oder sie landen auf Snapchat, wo sie dann gleich wieder verschwinden. Hinzu kommt die mündliche Weitergabe, die nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert hat.

Dabei gilt: Je emotionaler, desto viraler. Je mehr Emotionen eine Begebenheit also hervorruft, desto schneller macht sie die Runde. Stellen Sie entsprechende Inhalte, im Fachjargon Content genannt, zur Verbreitung auf Ihrer Website und Ihren Social-Media-Präsenzen bereit. Das können Geschichten, Fotos und natürlich auch Videos sein. Laden Sie dann Ihre Mitarbeiter ein, Passendes aktiv zu teilen.

Zunehmend wichtig: Arbeitgeber-Bewertungsportale

Arbeitgeber-Bewertungsportale zählen bei potenziellen Bewerbern zu den allerersten Anlaufstellen. Allein auf der Plattform Kununu findet man derzeit nahezu 1,7 Millionen Bewertungen zu 325 000 Unternehmen. Was man dort liest, ist bisweilen erschütternd. Und nicht vergessen: Kunden, Investoren und die Medien lesen das auch.

Selbst wenn die Einträge dort ganz und gar subjektiv sind: Dank solcher Bewertungsportale können sich potenzielle Bewerber nun endlich im Vorfeld ein Bild vom Inneren einer Firma machen und einen Eindruck darüber gewinnen, ob das Unternehmen zu ihnen passt oder nicht.

Auch für Unternehmen haben solche Meinungsportale ihr Gutes. Sie zeigen ein ungeschminktes Stimmungsbild der Mitarbeiter. Das sind nur Einzelmeinungen? Jede Meinung ist wertvoll, wenn sie differenziert ist und die bewerteten Aspekte ausführlich beschreibt. Verbesserungsnotwendigkeiten, die intern vielleicht niemand ansprechen mag, können so identifiziert und dann hoffentlich in Angriff genommen werden.

Praxistipp: Wie Sie zu positiven Einträgen kommen

Unternehmen sollten die Meinungsbildung auf solchen Portalen genauso im Auge behalten wie ihre Umsatzzahlen und die Geschäftskorrespondenz. Richten Sie dazu Gratis-Alerts auf Google und Talkwalker ein. Oder, viel besser und zunehmend unumgänglich: Nutzen Sie professionelle Social-Media-Monitoring-Tools.

Wenn die Mitarbeiterzufriedenheit stimmt — und nur dann — macht es Sinn, die Belegschaft einzuladen, die Firma auf Glassdoor oder Kununu & Co. zu bewerten. Geben Sie eine plausible Begründung, warum das so wichtig ist, sowas steigert die Motivation teils erheblich. Schreiben Sie zum Beispiel so:

„Wir brauchen dringend noch weitere Talente, um unser bestehendes Hochleistungsteam zu komplettieren. Und weil die Besten sich im Web vorinformieren, können ein paar weitere anregende Bewertungen bei Kununu uns allen sehr helfen. Wenn Sie also mögen, dann … .“

Beschreiben Sie kurz, wie das funktioniert, damit das Ganze für jeden so einfach wie möglich ist. Bieten Sie aber niemals Geld oder Goodies für gute Bewertungen an. Sowas gelangt meist sehr schnell an die Öffentlichkeit. Und dann ist Ärger garantiert.

Das Buch zum Thema

Fit für die Next Economy: Zukunftsfähig mit den Digital Natives

Fit für die Next Economy: Zukunftsfähig mit den Digital Natives*

Titel: Fit für die Next Economy: Zukunftsfähig mit den Digital Natives*

Inhalt: Mit hohem Tempo, digitaler Kernkompetenz und einem Riecher für Innovationen treibt die Generation der Jungunternehmer neue Geschäfts-, Arbeits-, Finanzierungs-, Kommunikations-, Kauf- und Lebensmodelle voran. Diese sind von tradierten Modellen völlig entkoppelt. Für immer mehr etablierte Unternehmen stellt sich hingegen die Anschluss- und Überlebensfrage. Und sie wird von medialen Poltergeistern kräftig befeuert. Doch das bringt am Ende niemanden weiter. Die digitale Transformation lebt vom raschen Handeln.

Hier tritt die Millennial-Generation auf den Plan. Sie ist die bestausgebildete und zugleich kreativste Generation, die wir je hatten. Sie will nicht herrschen, sondern gestalten. Der Wandel, den sie technologisch und kulturell in Gang gebracht hat, wird der größte aller Zeiten sein. Genau diese Generation kann der Old Economy helfen, sich auf das Neuland der Zukunft mit seinen immer schnelleren Zyklen vorzubereiten, also: digitaler zu denken, kollaborativer zu handeln, agiler zu werden und Disruptives zu wagen. Nur so können am Ende auch Existenzen gesichert werden.

Autoren: Anne M. Schüller, Alex T. Steffen

Gebundene Ausgabe: 271 Seiten
 Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA (12. April 2017)
 Sprache: Deutsch
 ISBN-10: 3527509119 / ISBN-13: 978–3527509119
 Preis: 19,99 EUR

Die Autorin

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmenstransformation.

Sie zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager aus.

Kontakt: www.anneschueller.de

Foto: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA


Originally published at Das Unternehmerhandbuch.