Produkttest Apollo 7 / Die neuen Hearables

Wer mich in Workshops oder Vorträgen zum Thema Audio sprechen hört, weiß, dass ich aus journalistischer Sicht ins Schwärmen komme. Ich glaube, dass wir hier an der Schwelle zu einer neuen Zeit stehen — und dass beispielsweise die nächste Innovation aus dem Hause Apple auf den Ohren stattfinden wird. Oder eben als Äquivalent von Google oder Facebook. Das neue Buzzword der Stunde heißt also: Hearables.

Hearables sind smarte Kopfhörer (zu denen die Apollo-Knopfstecker wegen fehlender Sensorik nur eingeschränkt zählen, sie sind lediglich small) und werden die Art und Weise verändern, wie wir uns in und der Umwelt bewegen. Noch müssen wir ständig auf das Telefon oder die smarte Uhr schauen, um neue Nachrichten zu lesen, und es wirkt unhöflich, während eines Gesprächs ein Kabel im Ohr zu haben. Der Knopf im Ohr hingegen fällt nicht auf, stört nicht, und bietet dennoch die Funktionen, ohne die wir inzwischen nicht mehr auskommen: Sprachnachrichten aus Chats anhören, Telefonieren und natürlich Musik hören. Die zukünftigen Hearables sollen zusätzlich beim Navigieren helfen, beim Joggen den Puls überprüfen oder Hinweise geben (lauf’ schneller oder langsamer), um das Training effektiver zu machen.

xMinutes auf Smart Devices

Wenn das Handy die Wegstrecke zur Arbeit und die aktuelle Verkehrssituation kennt, der Kopfhörer Puls und aktuelle Medieninhalte — was bedeutet das für den Nachrichtenk

onsum oder eben den Nachrichtenmix auf dem Weg zur Arbeit und über den ganzen Tag verteilt? Mit xMinutes nähern wir uns diesen Thema — Kontext — an und wollen verstehen, was neue Geräte für das Mediennutzungsverhalten bedeuten, und wie sich journalistische Inhalte auf den bald allgegenwärtigen smarten Geräten anfühlen werden.

Hearable im persönlichen Test

Die Apollo 7 — Hearables der Firma Erato sind unter den ersten Geräte aus diesem Bereich der Smart Wearables. Anders als bisherige Bluetooth-Headsets sind sie wirklich kabellos, wiegen 4 Gramm und fühlen sich so an, wie es sein soll.

Mein erster Eindruck nach 2 Tagen Nutzung mit Samsung S6, Moto X, Macbooks sowie einem aktuellen iPhone ist befriedigend: Wer die Kopfhörer einfach nur so als Einstöpsel-Dinger versteht für den Weg zur Arbeit bzw. am Rechner (für Audio), der sollte mit dem Umfang zufrieden sein.

Mir klingen sie etwas zu dumpf (ein wenig besser als die Apple-Kopfhörer, deutlich besser als ein paar No-Names, die ich auch noch herumliegen hatte, aber verständlicherweise verlieren sie haushoch gegen mein Bose-Noise-Reduction-Headset.

Tonqualität und Videostreaming

Die Tonqualität beim Telefonieren ist mit dem weit vom Mund entfernten Mikro erwartungsgemäß schlecht und funktioniert nur im absoluten Notfall. Der Gesprächspartner hat oft Schwierigkeiten, die Stimme zu verstehen. Und: Telefonieren funktioniert nur in Mono auf einem Stöpsel. Leider ungeeignet sind die Kopfhörer bei Video-Streams — z. B. bei Youtube-Videos bekommt man den Versatz zwischen Bild und Ton deutlich mit.

Die Tastenbedienung über die Ohrknöpfe mit rechter und linker Seite ist ein wenig verwirrend, mal schauen, wie sich das in den kommenden Tagen einspielt. Lautstärke-Veränderungen am Mac sind leicht verzögert, und die Abschottung nach außen ist recht intensiv. Bässe weren überzeugend abgespielt.

Reichweite und Akkuleistung

Die Reichweite würde ich mit ca. 10 Metern schätzen (vom Macbook). Beim Verlassen der Funkreichweite bricht der Audio-Stream ab, es erfolgt eine akkustische Warnung, danach noch kurze Piepser und ein automatisches Rückverbinden, sobald man wieder in Reichweite des „Senders“ ist.

Mit einer ersten Ladung hielt der Akku rund 70 Minuten, versprochen sind bis zu 3 Stunden — heute an Tag 2 bin ich bei 2 Stunden und habe noch keine Akku-Warnung erhalten).

Die Apollo7 sind die ersten Hearables, die ich mir bestellt habe. Vorher hatte schon Bragi die ersten dieser Art auf den Markt gebracht.

Sie sind größer und deutlich schwerer, kosten genau so viel, haben aber mehr Sensorik eingebaut und funktionieren deswegen zum Beispiel auch als Fitness-Tracker. In den kommenden Monaten werde ich noch 3 weitere Geräte erhalten, mit unterschiedlichem Funktionsumfang.

Fazit: Small aber nicht smart

Fazit für mich: Vermutlich super für den Weg zur Arbeit oder die Musik am Rechner im Büro — der kabellose Umgang fühlt sich nach Zukunft an. Telefonate werde ich mit dem Gerät keine führen, da das Gerät aber auch wasser- und bzw. schweißdicht ist, könnte es ein treuer Begleiter beim Sport werden. Die Stöpsel sind aber noch nicht smart, nur small und kabellos. Kommende Kopfhörer müssen sich designmäßig mit einem sehr guten ersten Ansatz messen lassen. Und ich habe gelernt: Ich habe ein Standard-Ohr: Bei mir passen die Kopfhörer ohne Probleme, beim Kollegen waren andere Stöpsel-Aufsätze notwendig.

Demnächst werde ich noch was zu den Kopfhörern von Vi & IQbuds sagen können.