2017 — kann — grandios werden.

Es ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Wir sind Sklaven moderner Technologien — ein Befreiungsschlag tut Not.

Erschienen am 1. Jänner in der Tiroler Tageszeitung

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer alten Berghütte und verbringe stille Tage ohne Internetempfang. Eine Tradition zum Jahreswechsel, die ich immer genieße. Der neue Luxus ist offline, titelte auch ein Lifestyle Magazin vor kurzer Zeit und wirklich scheint sich eine Sehnsucht in uns zu regen, aus dem kommunikativen Trommelfeuer auszusteigen. Denn: Wir sind erschöpft.

Spätestens mit der flächendeckenden Verfügbarkeit von mobilem Internet, haben uns die digitalen Möglichkeiten überrollt. Facebook, Twitter & Co haben uns abhängig gemacht. In der konsumzentrierten Aufmerksamkeitsökonomie ist unsere Zeit die globale Währung — und wir verschenken sie an Fremde und Konzerne. Gingen wir früher bei der Werbeunterbrechung noch aufs Klo, ziehen wir uns heute den Stream aus Belanglosigkeiten und Wiederholungen sogar während des Films rein — freiwillig.

Noch mehr: Die Werbeunterbrechung wurde zum ganztägigen Parallelprogramm und hat uns längst tiefer in den Informationssumpf gezogen, als gesund für uns ist. Nein, ich verteufle die neuen technischen Möglichkeiten nicht. Ich liebe sie. Aber es ist Fakt, dass etwas aus dem Ruder gelaufen ist, das uns Großteils nicht mehr dient, sondern wir ihm. Die Dauerkommunikation schadet uns, unserer Arbeit und unseren Familien.

Wir drehen uns in beschleunigten, negativen Sensationsschleifen, die massive Auswirkungen auf unser Denken, Empfinden und letztlich unser Handeln haben. Peter Sloterdijk formulierte es brillant:

“Tatsächlich ist der psychologische Großkörper, den wir Gesellschaft nennen, nichts Anderes als eine von medial induzierten Stress-Themen in Schwingung versetzte Sorgengemeinschaft.”

Das haben wir 2016 stärker denn je gespürt. Meldungen über Krisen, Terror und Krieg lähmen und entmutigten uns, vor allem wenn wir uns diese im Halbstundentakt reinziehen. Da hilft auch nicht, dass die Welt – rein faktisch betrachtet – heute so sicher und reich wie noch nie ist. Wir fühlen anders.

Es ist genug. Beginnen wir im neuen Jahr, schlechte Routinen zu eliminieren und uns aus diesem digitalen Wachkoma zu befreien. Entschleunigung und Nichterreichbarkeit sollten wir neu, positiv aufladen und zulassen. Verbannen wir Smartphones von Besprechungen, Esstischen und aus unseren Betten und kommen zurück ins Hier und Jetzt. Klingt esoterisch, ist aber das nüchterne Fundament, um im neuen Jahr etwas erreichen zu können.

2017 kann grandios werden. Es kann das Jahr werden, in dem wir lange geplante Projekte umsetzen, aus Wünschen Ziele machen und zurück zu unserer schöpferischen Kraft finden. Der zentrale Schlüssel ist der bewusste Umgang mit unserer Zeit, einem limitierten Medienkonsum und die Wiederentdeckung eines Fokus, der länger als drei Minuten währt.

Da geht was.

PS: Ich wünsche ein Jahr voller Freude, Leidenschaft und Abenteuer!


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