Abschied von Y-Titty

Das letzte Y-Titty Video

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Wie verabschiedet man sich “richtig” von etwas so Bedeutendem? Einem Projekt, mit dem man sich fast sein halbes bisheriges Leben beschäftigt hat? Von seinem Baby?

Trennung.

Die Trennung stand für uns schon etwas länger fest. Wir haben lange gegrübelt, uns mit vielen Menschen aus unserem engen Umfeld beraten.

Diskutiert, gesprochen, geplant. Es gab für uns nur eine einzige Lösung.

Wir wollten zum Finale nochmal alles geben, aber nicht auf die Trauertour. Wir wollten es in die Welt hinausschreien! ES IST VORBEI! Denn alles andere wäre gelogen, und wir sind keine Lügner.

Geplant, abgedreht, hochgeladen. Wie in guten alten Zeiten.

Das offizielle Ende von Y-Titty.

So richtig offiziell war es dann am 11.12.2015 um Punkt 16 Uhr deutscher Zeit. Ein Klick und plötzlich ist Y-Titty vorbei.

Wir sitzen zusammen und auf der einen Seite ist es wie bei allen bisherigen Uploads, aber irgendwie auch nicht. Es ist ruhiger.

Wir aktualisieren ständig die YouTube Kommentare, Twitter, Instagram, Facebook und Snapchat. Das Feedback ist gut, bekommen Zuspruch und zahlreiche Nachrichtenseiten berichten darüber. #endlich weiß es jeder.

Gefühlschaos.

Ich wusste dennoch nicht so recht, wie ich mich fühlen sollte.

Erleichtert, weil wir es uns endlich von der Seele sprechen konnten.

Geschockt, dass es eigentlich so “einfach” war. Nur ein Klick.

Traurig, weil… kann man sich wohl denken.

Zuversichtlich, weil wir am direkten Feedback gemerkt haben, dass es die richtige Entscheidung war und wir weiterhin unsere Wege erfolgreich gehen werden.


Das Ding mit der Bescheidenheit.

Dieser Part könnte etwas eingebildet wirken, aber ich glaube, dass es mal sein muss. Ich hoffe, man kann es aus meinem Text nachvollziehen.

Wenn jemand über Y-Titty geschrieben hat, dann wurden immer Superlative benutzt.

ERFOLGREICHSTEN! MEIST ABONNIERTEN! KLICK-MILLIONÄRE! SUPERSTARS! SEXIEST MEN ALIVE!

Ich mochte das nie, dafür bin ich wohl zu bescheiden. Ich meine, ich könnte natürlich sagen, dass es stimmt, weil es oft der Fall war, aber was bringt mir das? Das klingt oft so endgültig und als gäbe es keine Luft mehr nach oben.

Ich bin noch zu jung, um am Ziel angekommen zu sein.

Außerdem stell ich es mir schwerer vor, nach so einem Hype ins “normale Leben” zurückzukehren, wenn man sich selbst ständig in den Himmel hebt.

Natürlich war ich die große Aufmerksamkeit gewohnt und hab es geliebt, auf der Bühne zu stehen und Menschen zu unterhalten, aber trotzdem hab ich das nicht zu nah an mich herangelassen.

Ich fahre weiterhin Bus und Bahn, gehe ganz normal einkaufen und mache den Haushalt mit meiner Frau. Wie ein “verdammt normaler” Mensch.

Es ist unglaublich schwer, bei diesen Dimensionen von Aufmerksamkeit nicht abzuheben. Ich kann es Ex-Kollegen eigentlich nicht übel nehmen. Nicht jeder hat das Glück, sich in einem verständnisvollen Umfeld zu befinden, das einen ab und zu wieder auf den Boden holt.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Menschen, insbesondere meiner Frau Sarah, die nicht zugelassen haben, dass ich abhebe. ❤


Wie geht es weiter?

In dieser schnelllebigen Zeit kann man kaum bis zum nächsten Jahr planen. Es verändert sich so viel in so kurzer Zeit.

Früher wollte ich Chemie studieren, dann kam Y-Titty und ich bin in eine komplett andere Richtung gegangen. Ich hab die Medienwelt für mich entdeckt.

Ich habe eine Agentur namens 1Pfund (gesprochen: Ein Pfund) gegründet.

Ich biete Firmen meine Beratung zu den Themen Social Media und Webvideo an und teile mein Wissen, das ich über all die Jahre als YouTube Pionier angesammelt habe.

Außerdem bin ich bei Veranstaltungen als Speaker unterwegs und plaudere ein bisschen aus dem Nähkästchen. Es macht viel Spaß und man trifft viele interessierte Menschen, die gern mehr von “diesem YouTube” wissen wollen.

Und wenn ich auf ein neues Projekt Lust habe, dann mach ich es einfach.

Was ich für meine Zukunft sonst gern hätte?

Weniger Stress und mehr Zeit für meine Liebsten und mich. Als YouTuber kommen diese beiden Sachen leider viel zu kurz. Man ist 24/7 am Arbeiten und das Leben zieht irgendwie rasend schnell an einem vorbei.

Seitdem der Stress von Y-Titty weg ist, lebe ich bewusster. Ich ernähre mich besser, bin ausgeglichener und habe mehr Zeit für meine Frau, Familie, Hobbys und Reisen.

Wir leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben.

Was bringt dir alles Geld der Welt, wenn du es nicht teilen oder für schöne Dinge oder Erlebnisse ausgeben kannst? Quasi “YOLO”… :)


Last but not least…

Es gibt viele Menschen, bei denen ich mich bedanken muss, aber da gibt es zwei ganz Besondere:

Lieber Phil, lieber TC. Danke für alles, was ihr je für mich getan habt. Hättet ihr mich nicht damals einfach vor die Kamera gesetzt und als Teil von Y-Titty aufgenommen, würde ich wohl jetzt noch in Erlangen irgendetwas studieren, was mich nicht vollkommen glücklich machen würde. Ich wäre nicht in Köln, meiner neuen Wahlheimat. Ich hätte nie meine Seelenverwandte Sarah kennengelernt und sie geheiratet. Ich wäre ein komplett anderer Mensch. Da bin ich mir sicher und weiß es zu schätzen.

Ich danke euch von ganzem Herzen und werde das nie vergessen. Egal, was passiert und in welche Richtungen wir uns bewegen, ihr könnt auf mich zählen. Ich würde sogar meine Kinder nach euch benennen, obwohl Phil Yilmaz und TC Yilmaz echt seltsam klingen. ❤

Ich wünsche euch für eure Karrieren und eure Leben einfach nur das Beste. Ihr seid super ehrgeizige, ehrliche und talentierte Kerle, würde mich wundern, wenn ihr es nicht schafft. :)


Ich komm mal zum Ende. Tschüss. Bis…


Oguz Yilmaz. 1Pfund. Social Media & YouTube Beratung.

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