Alles für den Job und der Job ist alles für mich

In zehn Jahren, ja da kann viel passieren. Auch wenn ich nicht weiß, was in dieser Zeit alles auf mich zukommen wird, welchen Aufgaben ich mich stellen muss, habe ich dennoch ganz genaue Vorstellungen davon, wie ich leben möchte. Ich möchte arbeiten, und zwar nicht irgendwo oder irgendwie, sondern in einer großen Stadt, in einem kleinen Büro, an etwas, das mir Spaß macht und mir das Gefühl gibt, ein wichtiger Bestandteil eines Unternehmens zu sein. Kurz, ich will erfolgreich sein.

Hätte ich vor 30 Jahren eine Frau in meinem Alter gefragt, wo sie sich in 10 Jahren sehe, hätte sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gesagt, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht als ihre eigene Familie. Dazu gehört natürlich ein Mann, der sie liebt und der einen anständigen Job hat, am besten einen, der gut bezahlt wird, ach und inklusive Geschäftswagen, um auf Kosten der Firma in den Urlaub zu fahren, wäre doch auch ganz nett. Platz für Kinder sollte der Wagen dann auch gleich haben, denn Kinder stehen auf der To-Do Liste ebenfalls ganz weit oben, mindestens zwei sollten es schon sein. Für uns Frauen heute schon lange keine Priorität mehr. Warum sollten wir uns so einschränken? Frauen wollen studieren, selbstständig, erfolgreich sein und kein eintöniges Hausfrauenleben mehr leben.

Aber selbst für diejenigen unter uns, die jetzt sagen „Moment mal, Karriere schön und gut, aber Familie will ich schon auch“, kein Problem. Wie wäre es denn mit einem Freelance Job oder einem Job, den man ohne Probleme auch von Zuhause aus machen kann. Klingt doch gut, oder? Dass so etwas möglich ist, verdanken wir einzig und allein der Digitalisierung und dem World Wide Web. Einen kleinen Nebeneffekt hat das Ganze aber schon auf die Arbeitswelt. Denn eine Trennung zwischen meinem Privatleben und meiner Arbeit gibt es schon länger nicht mehr. Ob ich nun mit dem Smartphone überall erreichbar bin, mit den Kollegen nach der Arbeit noch ein Bierchen trinken gehe oder einfach mal einen Tag von Zuhause aus arbeiten möchte. Das alles ist Teil der modernen Arbeitswelt.

Ganz Modern und auch fraglich wird’s dann, wenn Frauen anfangen, ihre natürliche Babyuhr mithilfe von Technik zu manipulieren. Sozial Freezing heißt der neuste Trend, frisch importiert aus den USA. Mit dieser Technik ist es möglich, die weiblichen Eizellen einer Frau im Futurama Style in schockstarre zu versetzten, um sie bei Bedarf wieder aufzutauen. Was das bringt? Zeit.

Und den Vorteil haben auch einige Firmen für sich entdeckt und werben nun damit, dass sie jungen Frauen diese doch sehr kostspielige Aktion bezahlen. Mit nur einer Voraussetzung: Ja nicht vor 40 schwanger zu werden! Und ihr Plan geht tatsächlich auf. Für viele Frauen ist dieses Angebot tatsächlich ein Grund, um sich genau für diese Firmen zu entscheiden. Einzig und allein deshalb, weil es für sie eine Chance ist, eine feste Anstellung zu bekommen. Denn sind wir mal ehrlich, weibliche Emanzipation hin oder her, welche Firma stellt schon gerne eine Frau Anfang 30 ein, wenn sie doch eh vorhat, in den nächsten Paar Jahren mehr mit Windeln wechseln beschäftigt zu sein, als damit, Bürokram zu sortieren.

Mir stellt sich nur die Frage, geht das nicht ein wenig zu weit?! Seit wann dürfen Arbeitgeber sich in mein Privatleben einmischen. Offensichtlich ist das in unserer Generation ganz normal. Es gibt keine klaren Trennungen mehr zwischen der Arbeit und einem Privatleben. Wir leben ganz nach dem Motto, alles für den Job und der Job ist alles für mich. Bleibt nur zu hoffen, dass auch wir in 10 Jahren unsere Work Life Balance gefunden haben und stets die Freiheit haben, uns auch einmal eine Auszeit zu gönnen.


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