An meine zukünftige Frau

Eigentlich ist dieser Titel zunächst einmal bereits grundsätzlich falsch. Denn ja, verheiratet bin ich bereits, seit letzten Samstag. Standesamtlich.

Nicht, dass das nichts wert wäre; Gott bewahre, es war ohne Zweifel einer der wichtigsten und gleichzeitig schönsten und aufregendsten Tage meines bisherigen Lebens. Und dennoch weiß ich, dass nun ein Tag bevorsteht, der — für mich persönlich und aus emotionaler Sicht — noch einmal wichtiger und gleichzeitig schöner und aufregender werden wird.

In knapp 48 Stunden werde ich zusammen mit meinem Trauzeugen bei meiner Familie sitzen und mich mental auf das vorbereiten, was mich den restlichen Tag erwarten wird. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dermaßen aufgeregt war und gleichzeitig eine derart freudige Erwartung auf das spürte, was da kommen mag.

Eine Hochzeit ist mehr als “nur” dieses “Ja”-Wort. Mein Trauzeuge fragte mich einige Zeit nach der standesamtlichen Trauung, wie es sich “anfühlte”, verheiratet zu sein. Im ersten Moment wusste ich keine Antwort. Ich dachte eine Weile darüber nach. Was ich letzten Endes tatsächlich fühlte, ist einfach auszudrücken: Freude.

Natürlich wirbelt diese Hochzeit mein Leben nicht in Gänze durcheinander. Meine Frau und ich arbeiten weiterhin wie gewohnt. Wir leben noch immer zusammen in derselben Wohnung. Wir kennen uns, und wissen nach über acht Jahren Beziehung ziemlich gut, worauf wir uns da eingelassen haben. Und dennoch ist die Hochzeit ein entscheidender und essenzieller Punkt in unserem Leben. Es gibt kein Zurück mehr.


Klingt das hart? Tatsächlich hört es sich hart an, aber es hat eigentlich einen grundpositiven Unterton. Denn für uns bedeutet das, dass es ab jetzt — ganz offiziell — nur noch nach vorne geht; zusammen, als Paar. Das haben wir bezeugt. Vor unseren Lieben. Und werden es bei der anstehenden kirchlichen Hochzeit noch einmal in voller Intensität zum Ausdruck bringen.

Ich habe mich lange vor diesem Schritt gefürchtet, wie meine Frau sehr gut weiß; ihr seht ja, dass es über acht Jahre Beziehung gebraucht hat, ehe ich schließlich mein “Ja”-Wort abgab. Aber das liegt daran, dass diese Entscheidung für mich eben eine allumfassende ist. Es gibt keinen Joker. Wenn ich etwas für mich so heiliges und in gewisser Weise endgültiges wie die Ehe eingehe, dann muss ich mir sicher sein, oder wenigstens so sicher, wie ich es verantworten kann, diesen Schritt zu gehen.

Und ja, das bin ich. Jetzt bin ich es. Und ich freue mich auf all das, was uns gemeinsam erwarten und was noch alles auf uns zukommen wird. Wir gehen nun zusammen den Weg des Lebens, durch all die schönen Landschaften und über die steilsten Hänge und Berge. Sicherlich wird es Streit geben. Wir sind beide dickköpfig (meine Frau betont, ich habe den dickeren Dickkopf, und ich glaube, sie hat Recht damit ;) ), und sicherlich werden wir an der ein oder anderen Kreuzung geteilter Meinung darüber sein, welcher Weg einzuschlagen ist. Aber wir werden uns zusammenraufen. Das ist das Versprechen, das ich gegeben habe, und ich will alles in meiner Macht Stehende tun, um diesem Versprechen mein gesamtes Leben lang gerecht zu werden.

Das ist mein Geschenk an meine Frau, und gleichermaßen ihres an mich. Dafür danke ich ihr. Und jedem, der uns begleitet, uns unterstützt und auch dann da ist, wenn die Zeiten einmal nicht so leicht sind.


Die letzten Jahre waren für mich in vielerlei Hinsicht so aufregend wie keine der Jahre zuvor. Und dennoch ist diese Hochzeit die Krönung all dessen, was ich mir in der letzten Zeit aufgebaut und wofür ich hart gearbeitet habe. Es ist Ankommen. Es ist Leben. Ich könnte kaum glücklicher sein.

In tiefer und dankbarer Liebe für meine Frau und das Leben, das sie mir in dieser Form erst ermöglicht.

Thomas

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