Webvideo: So schauen Zuschauer länger als 5 Sekunden

Wer will, dass seine Webvideos in den sozialen Medien länger als 3 Sekunden geschaut werden, bedient sich immer häufiger einer einfachen, aber effektiven Dramaturgie in drei Schritten.

  1. Highlight. Gleich zu beginn muss es knallen. Das Beste zuerst. Voll rein mit dem Filet der Geschichte. Nichts für später aufsparen, keine Spannung aufbauen, sondern dem User gleich das zeigen, was er sehen will.
  2. Herleitung. Wie kam es zu diesem Highlight? Was ist die Vorgeschichte? Jetzt ist Platz, um die Story von vorne zu erzählen, dem Zuschauer zu zeigen, was sich vor dem Highlight-Moment zugetragen hatte.
  3. Ausblick. Wie geht es weiter? Das Highlight haben die Zuschauer schon gesehen. Sie wissen auch, wie es dazu kam. Jetzt interessiert, wie die Geschichte weitergeht, was mit den Protagonisten passiert.

Highlight — Herleitung — Ausblick

Ein einfacher, aber effektiver Dreisprung fürs Storytelling von Webvideos.

Hier ein Beispiel von NowThis, in dem das Highlight der Geschichte gleich in den ersten Sekunden erzählt wird — und die Herleitung danach folgt: Ein Mann verlor bei einem Tornado seinen Hund. Doch dieser findet zu ihm zurück.

Diese Dramaturgie unterscheidet sich wesentlich vom traditionellen Aufbau von Filmen, in denen der Höhepunkt erst gegen Ende folgt und zuvor Spannung aufgebaut wird. Social User haben wenig Geduld und wollen sofort zum Ziel kommen, darum das Highlight zuerst.

Aber Vorsicht! Das ist keine Wissenschaft, sondern “best practice” verschiedener angelsächsischer Medien, welche sich an an ein junges Publikum richten. Ein 5-Minuten Erklärvideo zu Syrien, für Youtube produziert, braucht kein Highlight in den ersten 5 Sekunden. Aber dennoch einen wohlüberlebten Einstieg, der das Interesse der Zuschauer hoch hält. Jede Geschichte rechtfertigt eine eigene Herangehensweise und Dramaturgie. Doch die Abfolge Highlight — Herleitung — Ausblick erweist sich zur Stunde als besonders effektiv, um die Watchtime zu erhöhen.

PS: Dieser Artikel ist eine Vertiefung aus dem Besuch mehrerer Medienstartups in New York.

Martin Oswald


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