Die Bots kommen

Was früher einmal eine App war, ist vielleicht schon bald ein Bot. Nicht nur der Kommerz wird sich dadurch verändern. Auch Journalismus könnte dadurch neue Wege finden, Inhalte zu kommunizieren. Am Ende gewinnen aber wohl vor allem alte Bekannte: Facebook und Apple.

4.027.247 — so viele Menschen haben wir bei bento mit nur einem einzigen Facebook-Posting erreicht. Das Video vom Rauswurf des Abgeordneten der griechischen Neonazipartei Goldene Morgenröte durch Martin Schulz haben bei uns eine Million Menschen mindestens drei Sekunden lang angeschaut und wurde 87.270 Mal geliked, geteilt oder kommentiert.

Das sind galaktische Zahlen. Nicht nur für unser junges Angebot. Und genau davon werden wir in den kommenden Monaten und Jahren noch sehr viel mehr erleben. Die Aufmerksamkeit ist bei den sozialen Netzwerken. Der Grund hierfür ist simpel: Wir alle haben Smartphones. Wir alle gehen mobil ins Internet. Wir alle nutzen auf unserem Smartphone dafür überwiegend die gleichen vier, fünf Apps. Allen voran Facebook, Instagram oder eben den Messenger von Facebook.

Medien-Anbieter rutschen dabei in Abhängigkeiten und müssen aufpassen, nicht als eigenständige Marken zu verschwinden. Wo hast du das gelesen? Bei Facebook. Soweit bekannt.

Doch was wird die womöglich nächste große Revolution mit sich bringen für Publisher? Die Rede ist von der weiteren Entwicklung von Messengern und der zunehmenden Bedeutung von Bots.

Traut man den Zeichen der Zeit, stehen wir kurz davor, dass Bots Apps ablösen.Was früher einmal App war, könnte künftig einfach ein Bot innerhalb eines Messengers deiner Wahl sein: In der westlichen Welt ganz vorne mit dabei Facebooks Messenger und Apples iMessage.

Die Idee ist simpel: Warum sollte es eine eigenständige App geben, um etwa Pizza zu bestellen, wenn du einfach innerhalb deines Messengers per kurzem Textbefehl bestellen könntest.

Ich will Pizza.

Hi, wo bestellst du denn gern?

Joeys.

Und was würdest du gern essen?

Salami.

Wann soll sie kommen?

ASAP.

Einmal Pizza Salami von Joeys so schnell wie möglich. Alles klar.

Die Kreditkarte ist hinterlegt, die Adresse sowieso — Pizza bestellt innerhalb von 7 Sekunden.

Und nicht nur Spielarten dieses sogenannten Conversational Commerce stehen im Fokus. Ganz massiv stellt sich für Publisher die Frage, wie sie an dieser Entwicklung partizipieren können.

Conversational Journalism lautet das neue Buzzwort, an dem kein institutioneller Anbieter von Medieninhalten vorbeikommt. Es gibt viele kluge Texte, die einem den Einstig in diese Dimension der Journalismus-Verteilung ebnen:

Beim Conversational Journalism sind viele verschiedene Szenarien denkbar: Ein Bot pusht dir in deinem Messenger News zu Themen, die du abonniert hast. Ein Bot bietet dir auf Nachfrage eine aggregierte Darstellung von potentiell interessanten Texten. Ein Bot pusht dir Themen, die dich aufgrund deines Chat-Verlaufs mit Freunden nachweislich interessieren. Und so weiter…

Wie etwa ein allgemeiner News-Bot von Facebook dann entscheidet, welcher Artikel dem Nutzer wirklich empfohlen wird, bleibt spannend. Snapchat etwa lässt es sich bezahlen, dass Medien-Anbieter ihre Inhalte bei Discover platzieren. Warum sollte das bei einem News-Bot von Facebook anders sein?

Klar, jeder ist mutmaßlich frei, einen eigenen Bot zu programmieren, aber am Ende ist sicherlich die Macht von Facebook entscheidend für die Wahrnehmung von Inhalten auf Facebook, respektive im Messenger.

Übrigens: Wer künftig in seinem Messenger nach den neuesten Fußball-Ergebnissen fragt — ob nun visuell, als Text oder per Spracheingabe — der googelt nicht. Just saying.

Am 12.4. wird Facebook wohl bei der f8 ankündigen, den Messenger als neue Plattform etablieren zu wollen, ja, dem Messenger gar eine Art Appstore für Bots zur Verfügung zu stellen.

Man darf gespannt sein, welche Publisher dann bereits mit an Bord sein werden- und mit welcher Strategie sie dabei vorgehen. Klicks auf die eigene Website generieren? Mehr Sichtbarkeit der Inhalte auf Facebook selbst?

Wer einen kleinen Vorgeschmack auf die eventuell bevorstehende Bot-Revolution haben möchte, der kann sich einfach einmal Telegram herunterladen. Dort gibt es bereits zahlreiche Bots, die einem Dienstleistungen abnehmen, bzw. Nachrichten liefern. Oder noch besser: WeChat nutzen. So wie WeChat könnte sich ein Teil der Medien-Zukunft anfühlen.


About

Mein Name ist Martin Giesler. Ich bin bei bento für Social Media verantwortlich. Daneben bin ich Herausgeber des Social Media Watchblogs. Wer mag, abonniert meinen persönlichen Newsletter oder folgt mir auf Twitter: @martingiesler


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