Eine Social-Media-Strategie mit Hand und Fuss in 60 Minuten!

Es ist einige Jahre her, da bekam ich eine Anfrage. “Wir sind ein Einkaufszentrum und wollen jetzt Facebook machen. Können sie uns helfen?” — Ich fragte: “Wozu wollen sie Facebook?”. Die Antwort war: “Wir wollen möglichst rasch 10'000 Fans.” — Ich fragte erneut: “Wozu?” — (Schweigen).

Es ist einige Tage her, da erzählt mir eine Kollegin: “Unsere Software-Bude will junge Bewerber ansprechen, darum starten wir jetzt bei Instagram. Dort sind ja jetzt die Jungen.” — Ich so: “Was wollt ihr denn posten?” — (Schweigen)

Die Wichtigkeit von Social Media ist in jeder Chefetage angekommen. Doch nach wie vor fehlen strategische Konzepte und eine Vorstellung, welchen Zweck Social Media für die eigene Organisation haben soll. Mit diesem Social-Media-Canvas als Werkzeug und 60 Minuten Zeit kann der Start zu einer erfolgreichen Strategie funktionieren.

Die drei wichtigsten Punkte in Kürze:

  1. Die am häufigsten vergessene und zugleich zentrale Frage beim Erstellen eines neuen Social-Media-Auftritts: Warum? Warum genau wollen wir einen Auftritt beim Foto/Video-fokussierten Instagram? Warum genau wollen wir bei Facebook eine Community aufbauen? Warum ist dieses hippe Snapchat für uns wichtig? Mit anderen Worten: das Ziel für einen neuen Account muss glasklar formuliert sein und zur Kommunikationsstrategie der Marke passen. Mögliche Ziele als Beispiel: Reichweite für die eigenen Inhalte, mehr Feedback von den Usern, aktiver Kundensupport, Absatzsteigerung für Produkte. Für die Canvas-Übung lohnt es sich, vorerst auf ein einziges Ziel zu fokussieren.
  2. Ziele machen nur dann Sinn, wenn sie zur avisierten Zielgruppe passen. Aktiver Kundensupport auf Facebook kann hervorragend funktionieren, aber nicht wenn Kunden aus dem Luxussegment persönliche Beratung und Privatsphäre wünschen. Darum die zweite Frage: Wen wollen wir mit unseren Social-Media-Aktivitäten erreichen? Eine Zielgruppe lässt sich nie trennscharf ansprechen, aber es lohnt sich, die Inhalte ganz bewusst mit dem erwünschten Rezipienten vor Auge zu produzieren und zu verbreiten. Auch hier sei empfohlen, sich fürs erste Konzept auf nur eine Zielgruppe zu fokussieren.
  3. Sind Ziel und Zielgruppe klar definiert, geht es an die dritte zentrale Frage: welche Inhalte können wir regelmässig bieten, die für unser Publikum immer wieder spannend sind und uns helfen, unsere strategischen Ziele zu erreichen. Hierbei kann es helfen, einige ganz konkrete Beispiele/Posts zu skizzieren. „Wir posten jede Woche ein tolles Video“ — klingt gut, bedeutet aber in Realität grossen Aufwand und ist entsprechend mit Ressourcen und Kosten verbunden.

Empfehlung für die 60-Minuten-Übung:

Schnappen Sie sich einige Kollegen aus unterschiedlichen Disziplinen oder Abteilungen. Je bunter der Mix, desto besser. Die Kollegin vom Marketing wird mit Garantie andere Ideen haben, als der Typ von der Produktion.

Nehmen sie sich 60 konzentrierte Minuten Zeit, ohne jede Ablenkung. Arbeiten sie sich systematisch durch die Punkte 1–10 im Social-Media-Canvas. Tauschen sie Ideen und Meinungen offen aus, schreiten sie aber dennoch zügig voran, Punkt für Punkt. In dieser Stunde entsteht keine fertige Strategie, aber die Grundlage um zielgerichtet einen Versuch starten zu können. Social Media erlaubt ausprobieren, lernen, besser werden. Das ausgefüllte Canvas kann dann in einer zweiten Runde verfeinert und vertieft werden.

Lieber mit einem 1-Seiten-Konzept nächste Woche starten, als mit einem 50-Seiten-Papier in einem halben Jahr.

Viel Erfolg. Wenn Fragen zum Canvas oder dem Vorgehen sind, einfach schreiben.

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