Eine Verhaftung in Sachsen

Ein Eindruck

Die Polizei hat den Terrorverdächtigen Al-Bakr in Leipzig festgenommen. Doch, erfolgreiche Polizeiarbeit? Nun ja, Berichten zufolge kann man daran zweifeln. Denn, klar, der Mann ist gefasst. Nur war der Verdächtige zunächst der Polizei entwischt und wurde ihr später fertig eingeschnürt übergeben. Spitzenleistung. Man fragt sich auch ganz nebenbei, wozu die hunderten von Kameras am Leipziger Hauptbahnhof gut sind, wenn sie den Terrorverdächtigen, wenn denn mal einer kommt, nicht sehen.

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte: “Ich danke ausdrücklich dem mutigen und verantwortungsbewussten syrischen Mitbürger, der durch den entscheidenden Hinweis und sein Handeln den schnellen Erfolg möglich gemacht hat.”[1] Ein Hinweis war es wohl nicht, sondern die eigentliche Festsetzung. Außerdem nennt man den oder die Syrer, die Al-Bakr fesselten nun ‚Mitbürger‘. Sehr schön. Man könnte ihnen ja die Staatsbürgerschaft anbieten. Wäre doch ein Zeichen, oder? Kleiner Scherz, man muss ja nicht gleich übertreiben mit der Dankbarkeit. Es ist spannend, welches Schema die Geste der Anerkennung erkennen lässt. Denn, nein, es ging diesmal nicht um Probleme der Integration, vielmehr gibt es wohl zwei Helden und auf ein mal gehören sie, bewusst oder unbewusst, dazu. Quasi über Nacht wurden die vermutlich muslimischen, syrischen Flüchtlinge zu Mitbürgern. Sie haben die wichtigste Arbeit getan, also danken wir ihnen für den ‘entscheidenden Hinweis’ und ‘ihr Handeln’. Immerhin.

Die Gefahr scheint erstmal gebannt. Gott sei Dank. Schade nur, dass die kürzlich vor einer Moschee und einem Kongresszentrum in Dresden deponierten Sprengsätze zur Explosion kommen konnten. Die Polizei, die Geheimdienste und die Bevölkerung kamen den Tätern nicht zuvor auf die Spur. Schade, aber man findet eben nur da, wo man sucht.

Martin Klose, 10. Oktober 2016

[1] Zitate nach Süddeutscher Zeitung.

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